Ersatzwahl am 13. Juni
Alles neu, alles anders: Die Hinterthurgauer CVP-Kantonsrätin Sabina Peter Köstli tritt im zweiten Wahlgang für das Hüttwiler Gemeindepräsidium an

Das Rennen um die Nachfolge von Hüttwilens Gemeindepräsident Hanspeter Zehnder wird kurz vor der Zielgeraden doch noch spannend. Nebst den beiden Kandidaten aus dem ersten Wahlgang, Bruno Kaufmann und Roland Schnider, tritt nun noch eine bestens vernetzte und politisch aktive Frau an: Die 56-jährige Sabina Peter Köstli aus Ettenhausen.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Sabina Peter Köstli, neue Kandidatin für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Sabina Peter Köstli, neue Kandidatin für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Bild: Andrea Stalder
Hanspeter Zehnder, aktuell Hüttwiler Gemeindepräsident, tritt auf Sommer 2021 zurück.

Hanspeter Zehnder, aktuell Hüttwiler Gemeindepräsident, tritt auf Sommer 2021 zurück.

Bild: Reto Martin

Aus dem Zwei- wird ein Dreikampf, und auf einen Schlag ist alles wieder offen. So präsentiert sich die Situation vor dem zweiten Wahlgang fürs Hüttwiler Gemeindepräsidium am 13. Juni. Dafür verantwortlich ist in erster Linie die nun bekannt gewordene Kandidatur der Hinterthurgauer CVP-Kantonsrätin Sabina Peter Köstli. Sie aspiriert auf das Amt, das Hanspeter Zehnder während sechseinhalb Jahren und noch bis Ende Juli inne hat.

Bruno Kaufmann, Kandidat für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Bruno Kaufmann, Kandidat für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Bild: Kevin Roth

Der Wahlkampf vor dem ersten Wahlgang am 7. März war leicht unterkühlt, mitunter pandemiebedingt. Aber auch die Kandidaturen wurden verhältnismässig spät bekannt. Angetreten waren Bruno Kaufmann, bisheriger Hüttwiler Gemeinderat und 68 Jahre alt, sowie Roland Schnider, politischer Quereinsteiger aus dem zürcherischen Andelfingen, 61-jährig und frühpensioniert als Banker im UBS-Kader. Fast 60 Prozent der stimmberechtigten Hüttwiler gingen in der ersten Runde zwar an die Urne. Aber ein klarer Entscheid fiel offensichtlich schwer. Kaufmann holte 142 Stimmen, Schnider zwei weniger. Sie verfehlten das absolute Mehr klar um 110 respektive 112 Stimmen. Dafür gingen 134 an Vereinzelte. Zudem wählten 57 Hüttwiler den Landwirt Thomas Keller, weitere 30 Stimmen gingen an den Vizegemeindepräsidenten Daniel Bauer. Bruno Kaufmann resümierte kurz nach dem ersten Wahlgang:

«Das knappe Wahlresultat zeigt auch, dass beide Kandidaten absolut wählbar sind. Abgesoffen ist keiner von uns.»
Roland Schnider, Kandidat für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Roland Schnider, Kandidat für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Bild: Andrea Stalder

Wohl lässt sich im Rückblick auch sagen: Beide Kandidaten sind absolut wählbar, aber im ersten Wahlgang für zu wenige Hüttwilerinnen und Hüttwiler. Ob Kaufmann und Schnider im zweiten Wahlgang angesichts der neuen Kandidatur ihre Stimmenzahlen mehren können, ist fraglich. Und vor allem sind noch bis zum Wahlsonntag noch weitere Kandidaturen möglich. Ausschlaggebend ist im zweiten Wahlgang zudem nur noch das relative Mehr.

Gemeinderat, Grosser Rat, Bezirksrichterin, Nationalratswahlen

Kommt hinzu, dass Sabina Peter Köstli politisch schon 15 Jahre Erfahrung aufweist auf kommunaler Ebene, amtete sie doch von 2004 bis 2019 im Gemeinderat von Aadorf. Zudem schaffte sie 2016 für die CVP die Wahl in den Grossen Rat, 2020 gelang ihr eine problemlose Wiederwahl. Im Kantonsparlament gehört Peter Köstli seit 2020 der wichtigen Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission an, wo sie in der Subkommission des Departements für Finanzen und Soziales und der Staatskanzlei wirkt. Seit 2016 ist Peter Köstli auch nebenamtliche Richterin am Bezirksgericht Münchwilen.

Bekanntheit erlangte sie auch durch die Kampagne für die Nationalratswahlen 2019, wo sie auf der CVP-Hauptliste aber nicht reüssieren konnte und den vierten von fünf Plätzen belegte. Das Präsidium der Perspektive Thurgau und die Geschäftsleitung von Benevol Thurgau, der Fachstelle für Freiwilligenarbeit, machen die 56-Jährige zu einer gut vernetzten Frau im Kanton. Und wenn Peter Köstli dann wirklich zur ersten Hüttwiler Gemeindepräsidentin gewählt werden sollte, dürfte ihr das Alter (Jahrgang 1965) im Vergleich zu ihren zwei Konkurrenten, die beide Ü60er sind, sicher auch kein Nachteil gewesen sein.

Sabina Peter Köstli hat sich nach einer kaufmännischen Lehre zur Betriebswirtschafterin HF weitergebildet. Sie stammt aus Altikon an der Thur, früh zog sie in den Thurgau, seit 1998 lebt sie in Ettenhausen. Die zwei erwachsenen Töchter seien mittlerweile ausgezogen.

«Mein Mann und ich haben uns deshalb nicht erst seit gestern Gedanken gemacht über unsere Zukunft.»

In das Einfamilienhaus in Ettenhausen soll nach Möglichkeit wieder eine junge Familie einziehen, findet die Kandidatin. Sabina Peter Köstli verfolgt das politische Geschehen im Seebachtal schon länger mit Interesse, auch darum, weil sie mit Gemeindepräsident Zehnder bekannt ist. «Als stramme TZ-Leserin habe ich natürlich auch von der Ersatzwahl mitbekommen.» Nach dem ersten Wahlgang sei sie dann von Hüttwilern angesprochen worden, ob sie nicht auch kandidieren wolle im zweiten Wahlgang. Das Hüttwiler Gemeindepräsidium sehe sie als nächste politische Herausforderung. Im Falle einer Wahl würde Sabina Peter Köstli ins Seebachtal zügeln. Das Mandat im Grossen Rat könnte sie behalten, Bezirksrichterin im Hinterthurgau könnte sie aber nicht weiter sein.

Der östliche Hüttwiler Ortseingang.

Der östliche Hüttwiler Ortseingang.

Bild: Andrea Stalder

Aktuelle Nachrichten