Ergänzungsbau des Regierungsgebäudes in Frauenfeld: Möglichst viel Büro fürs Geld

Nach dem Volksnein von 2005 nimmt der Thurgauer Regierungsrat einen neuen Anlauf für den Bau eines weiteren Verwaltungsgebäudes.

Thomas Wunderlin
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Hinter dem Regierungsgebäude in Frauenfeld ist ein Bürogebäude mit sieben Seitenflügeln aus Holz geplant.

Hinter dem Regierungsgebäude in Frauenfeld ist ein Bürogebäude mit sieben Seitenflügeln aus Holz geplant.

Visualisierung: PD

Nur über ein Vorprojekt werden die Thurgauer Stimmbürger entscheiden können. Auch dem Grossen Rat, der das Geschäft am Mittwoch traktandiert hat, liegen keine ausgearbeiteten Pläne vor. Die berechneten Kosten von 39,8 Millionen Franken können deshalb am Ende um 15 Prozent höher oder tiefer ausfallen statt der üblichen 10 Prozent.

Der Regierungsrat hat dieses Vorgehen mit der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission des Grossen Rats abgesprochen. Denn die Projektierungskosten – bisher 1,709 Millionen Franken – sollen tief gehalten werden bis zur Abstimmung über den Ergänzungsbau des Regierungsgebäudes in Frauenfeld. So wäre nicht viel verloren, wenn sich das Volk nicht überzeugen liesse.

Die Vorsicht ist aufgrund der Vorgeschichte angebracht. Am 5. Juni 2005 hatten die Thurgauer Stimmbürger ein Vorgängerprojekt verworfen. Mit einem Nein-Anteil von 56 Prozent hatten sie den Bau eines 11 Millionen Franken teuren Verwaltungsgebäudes anstelle der alten Frauenfelder Konviktturnhalle abgelehnt. Der Grosse Rat hatte das Projekt namens «Rätsel der Stunde» mit 91 zu 2 Stimmen gutgeheissen.

Alt Kantonsrat Daniel Wittwer, EDU.

Alt Kantonsrat Daniel Wittwer, EDU.

Thi My Lien Nguyen

EDU-Kantonsrat Daniel Wittwer fand es zu teuer. Fast im Alleingang brachte er das Volk auf seine Seite. Der damalige SVP-Baudirektor Hans Peter Ruprecht polterte im Abstimmungskampf. Die Gegner bezeichnete er als «Ewigvorgestrige». Ihre Vorwürfe seien «fahrlässig und dumm».

CVP-Regierungsrätin Carmen Haag.

CVP-Regierungsrätin Carmen Haag.

Donato Caspari

Aus dem Volkentscheid von 2005 die richtigen Schlüsse gezogen

Eine solch kontraproduktive Rhetorik ist von seiner Nach-Nachfolgerin Carmen Haag (CVP) nicht zu erwarten. Dem Regierungsrat sei von den Kommissionsmitgliedern «eine umsichtige, überlegte und korrekte Vorgehensweise attestiert» worden, schreibt der Präsident der vorberatenden Kommission, David H. Bon (FDP). Das Projekt sei «ansprechend, ausgereift, effizient» und erfülle alle Kriterien, die an ein modernes Verwaltungsgebäude gestellt würden.

Romanshorn TG , 27.05.2019 / Abgewählter Stadtpräsident Romanshorn David H. Bon.

Romanshorn TG , 27.05.2019 / Abgewählter Stadtpräsident Romanshorn David H. Bon.

Donato Caspari

Der Neubau soll der räumlichen Verzettelung der Kantonsverwaltung in Frauenfeld entgegenwirken. Die rund 1600 Arbeitsplätze sind auf 43 Standorte verteilt. 25 davon sind Mietobjekte, in denen 890 Arbeitsplätze untergebracht sind.

Der Regierungsrat erwähnt in seiner Botschaft auch das Amt für Informatik in Weinfelden, das sich mit seinen 100 Mitarbeitern in einer Liegenschaft der Thurgauer Kantonalbank in Weinfelden befindet. Der Mietvertrag läuft Ende 2023 aus und der Standort bietet keine Ausbauoption für das personell wachsende Amt.

Da die meisten Kunden in Frauenfeld sitzen, liegt ein Umzug ins neue Verwaltungsgebäude nahe. In den letzten Jahren hat der Kanton sukzessive sein Areal hinter dem Frauenfelder Regierungsgebäude entlang der Staubeggstrasse bis zur Spannerstrasse arrondiert.

Auf einer Grundfläche von 3500 Quadratmetern soll ein mehrgliedriger Bau namens Dino mit einer Nutzfläche von 3625 Quadratmetern entstehen, der aus dem Projektwettbewerb hervorgegangen ist. Der Mittelbereich besteht aus einer Stahlbetonkonstruktion, die sieben Seitenflügel sind reine Holzbauten.

Villa im Bauhaus-Stil wird um 17 Meter verschoben

Um dem Urzeit-Reptil Platz zu machen, wird die schutzwürdige Villa Wohlfender, in der sich heute die Jagd- und Fischereiverwaltung befinden, um 17 Meter nach Osten verschoben. Zuerst wird dort ein neuer Keller gebaut und anschliessend das Haus darüber geschoben.

Frauenfelder Stadtbaumeister Christof Helbling.

Frauenfelder Stadtbaumeister Christof Helbling.

Andrea Stalder

Die Villa ist eines der wenigen Frauenfelder Gebäude im Bauhaus-Stil. Die Stadt würde einem Abriss nie zustimmen, erklärte der Frauenfelder Stadtbaumeister Christof Hebling gegenüber der vorberatenden Kommission.

In die Gesamtkosten von 39,8 Millionen Franken eingerechnet ist eine Tiefgarage für 8,04 Millionen Franken mit 215 Parkplätzen. Die Stadt Frauenfeld übernimmt davon 50 und beteiligt sich im Gegenzug mit 1,75 Millionen Franken an den Baukosten.

Kantonsbaumeister Erol Doguoglu.

Kantonsbaumeister Erol Doguoglu.

Donato Caspari

Kantonsbaumeister Erol Doguoglu bezeichnete in der Kommission den Wettbewerbssieger «Dino» als «einzigartig, weil kein anderes Projekt so viele Arbeitsplätze eingebracht hat».

Davon ist auch alt Kantonsrat Wittwer angetan. Nachdem er die Botschaft des Regierungsrats studiert hat, kommentiert er, eine umfassende Information fehle. Doch: «Die Verhältnismässigkeit ist sicher besser als beim letzten Projekt.» Damals hätten für 11 Millionen Franken 70 Arbeitsplätze untergebracht werden können, nun könne man für 32 Millionen Franken – ohne Tiefgarage – 300 Arbeitsplätze unterbringen.

Boden ist im Zentrum teurer als im Osten Frauenfelds

Im Abstimmungskampf 2005 hatte EDU-Kantonsrat Daniel Wittwer einen Standort im Osten Frauenfelds mit tieferen Landpreisen als im Zentrum empfohlen. Auch jetzt meint er, man müsste für Bauland beim Regierungsgebäude «an bester Lage»
einen Quadratmeterpreis von 1000 Franken oder mehr einkalkulieren.

Da der Neubau eine Grundfläche von 3500 Quadratmeter benötigt, wären das 3,5 Millionen Franken. Der Regierungsrat hält am Standort Zentrum fest und möchte das Regierungsviertel mit den Eckpunkten Regierungsgebäude und Glaspalast ausbauen.

Wie Regierungsrätin Carmen Haag und Kantonsbaumeister Erol Doguoglu auf Anfrage mitteilen, hat der Kanton mit Blick auf einen Ergänzungsbau vier Grundstücke von total 1994 Quadratmetern gekauft. Der Neubau steht zur Hälfte darauf, zur anderen Hälfte
auf der Parzelle des Regierungsgebäudes, die schon vorher in Kantonseigentum war. Die Finanzverwaltung bewertet den Quadratmeterpreis auf 200 Franken. So ergeben sich die Grundstückskosten von 700000 Franken, die in der regierungsrätlichen Botschaft aufgeführt sind.

Laut Doguoglu entsprechen die 200 Franken dem Preis, den der Kanton im Durchschnitt für die vier Grundstücke bezahlt hat, wenn man den Gebäudepreis abzieht. Es habe keinen Sinn, dafür einen «einen künstlichen Wert» anzunehmen.

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