Interview

Er spielt bald nicht mehr: Sepp Silberberger im Interview

Der Volksmusiker Sepp Silberberger bezeichnet sich als bodenständig und «einfach gestrickt». Seine Mutter war ein Original, und einen Wein würde er gerne mit Papst Franziskus trinken. Gewalt gegen Kinder und Tiere sind ihm ein Greuel.

Interview: Lukas Gerzner
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Sepp Silberbergermit seinen beiden Hunden. (Bild: Andrea Stalder)

Sepp Silberbergermit seinen beiden Hunden. (Bild: Andrea Stalder)

Warum wohnen Sie in Rothenhausen?

Ich bin seit 44 Jahren dem Thurgau treu. Zuerst in Bettwiesen, dann in Guntershausen und seit 25 Jahren in Rothenhausen. Ich fühle mich sehr wohl hier. Der Thurgauer ist kein «Schnorri», sondern ein zuverlässiger Nachbar und Freund.

Wenn Sie den Thurgau verlassen müssten, dann wohin?

Wenn es wirklich sein müsste, würde ich zurück ins Tirol ziehen, in meine Heimat.

Können Sie kochen?

Nein, ich kann vieles, doch im Kochen bin ich eine absolute «Pumpi». Meine Frau Silvia kocht hervorragend.

Bratwurst mit oder ohne Senf?

Senf nehme ich höchstens zum Cervelat – und die Bratwurst auch ohne Sauce, auf das falle ich nicht rein.

Warum sind Sie kein Vegetarier?

Als Flexitarier essen wir nicht viel Fleisch, so war es schon in der Kindheit. Als Bauernbub habe ich mich aber darauf gefreut, wenn es einmal in der Woche Schnitzel gab.

Was machen Sie, um gesund zu bleiben?

Ich laufe jeden Tag mit dem Hund, im Winter gehe ich zweimal in der Woche in die Sauna in Weinfelden und mache 40 Minuten Fitness. Im Sommer liebe ich das Handwerken: Es gibt immer etwas zu tun und dabei komme ich ins Schwitzen.

Was nehmen Sie immer mit, wenn Sie aus dem Haus gehen?

Das Natel, auch wenn ich mit dem Hund spaziere. Das gibt mir eine Sicherheit, damit ich erreichbar bin.

Erzählen Sie uns von Ihrem Haustier.

Unsere Hündin Gina war ursprünglich ein ungarischer Strassenhund. Wir haben sie über die Organisation «Animal Happyend» bekommen. Man merkt Ginas Vergangenheit an ihrer Schreckhaftigkeit, doch man spürt wirklich auch ihre Dankbarkeit, nun ein gutes Zuhause zu haben.

Was ist Ihre Lieblingsapp?

Ich habe kein Smartphone (zeigt sein aufklappbares Handy).

Was ist Ihr heimliches Hobby?

Ich gönne mir zum Abschluss meiner 50-jährigen Karriere dieses Jahr einen Trike. Die normalen Töffs machen mir Angst, doch mit dem Trike reist man und rast nicht.

Was hören Sie im Auto?

Wenn das Radio nicht eingeschaltet ist, nutze ich die vielen Autofahrten, in denen ich alleine unterwegs bin, um meine Texte auswendig zu lernen.

Zur Person

Der Tiroler Sepp Silberberger ist 69, wohnt in Rothenhausen, ist verheiratet und hat zwei Töchter (Carmen und Jasmine). Der Volksmusiker ist gelernter Maurer; er war Kraftfahrer, Versicherungsfachmann und ging 1975 als Profimusiker in die Schweiz. Am 4. und 5. Mai, beim Musikfestival in Bürglen, beendet er seine musikalische Karriere mit Alpenland Sepp und Co., nach 50 Jahren Volksmusik, will er kürzertreten. (lug)

Was war der peinlichste Moment für Sie auf der Bühne?

Wir haben im Toggenburg im Kirchgemeindehaus zu einem Geburtstag gespielt. Als mein Kollege Rudi im Anspiel über das Headset zu mir sagte: «Was ist das für ein Tubel da?», hat es das nicht bei uns, sondern auf den Boxen des Gottesdienstes in der Kirche nebenan übertragen. Über diese Geschichte lachen wir heute noch.

Was war der schönste Moment auf der Bühne?

Die Tournee mit dem Original Alpenland Quintett 1984 in der DDR. Als der Trompeter Hans sein Paradestück «Silberfäden» spielte, haben viele im Publikum geweint. Wir wurden stets von der Stasi begleitet, um keinen Kontakt mit dem Volk zu haben, doch bei fünf Musikern kam es trotzdem vor, dass mal einer vergessen wurde.

Worüber kann man mit Ihnen nicht reden?

Ich verachte Gewalt. Mit Gewalt gegen Kinder oder Tiere kann man mich richtig auf die Palme bringen.

Lügen Sie manchmal? Bei welchen Gelegenheiten?

Notlügen kennt jeder Mensch.

Wonach schmeckt Glück?

Glück ist Zufriedenheit. Die Gier nach mehr ist schlimm.

Wann können Sie ruhig einschlafen?

Ich schlafe grundsätzlich gut und gerne viel. Nur grosse Auftritte beschäftigen mich manchmal mehr.

Was möchten Sie unter allen Umständen in diesem Leben noch machen?

Ich wünsche mir, dass mir auf der Musikwelle beim Wunschkonzert zum Geburtstag gratuliert wird. Das würde nämlich bedeuten, dass ich 95 bin.

Sepp Silberberger denkt ans Aufhören. (Bild: Andrea Stalder)

Sepp Silberberger denkt ans Aufhören. (Bild: Andrea Stalder)

Lesen Sie gern?

Besonders gerne in den Ferien und dann vor allem Tatsachen. Also Sachzeitschriften wie «Welt der Wunder» oder Biografien wie die von Otto Walkes oder Charlie Chaplin. An Chaplin fasziniert mich sehr, wie er sich durchgerungen hat.

Haben Sie ein Vorbild?

Vico Torriani und Hazy Osterwald. Sie sind für mich besonders, nicht nur musikalisch, sondern auch als Menschen. Beide hatten grossen Charme.

Was finden Sie gut an sich?

Ich bin zuverlässig, sozial gut eingestellt, pünktlich und umgänglich. Ich bin einfach einer vom Volk, einfach gestrickt und darauf bin ich stolz.

Was würde Ihre Mutter über Sie sagen?

Ich bin das jüngste von sieben Kindern, und ausgerechnet ich bin in die Schweiz ausgewandert. Das hat der Mama wehgetan, doch gleichzeitig war sie sehr stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich habe alles von ihr, sie machte die besten Witze und war ein richtiges Original.

Was schätzen Sie an Ihrer Partnerin Silvia besonders?

Sie hat schon immer auf die Familie geschaut und unsere beiden Töchter top erzogen.

Mit wem würden Sie gerne einmal eine Flasche Wein trinken?

Mit Papst Franziskus. Ich würde ihm gerne ein paar Fragen stellen, die er wahrscheinlich nicht alle korrekt beantworten könnte ...

Wie halten Sie es mit Gott?

Ich bin katholisch aufgewachsen. Es gibt etwas, dass uns beschützt. Wir sind gläubig und gehen in die Kirche.

In welchem Job wären Sie eine Fehlbesetzung?

Als Politiker und Schiedsrichter. Ich könnte nicht die Klappe halten, da bist du immer der Prügelknabe und kannst es niemandem recht machen.

Wie lautet der Filmtitel Ihres Lebens?

«Ich darf ein fröhliches Leben führen.»

Wer soll Ihre Rolle spielen?

Marco Rima. Ich schätze ihn sehr, durfte ihn schon persönlich kennen lernen. Er ist ein authentischer Künstler und ein toller Typ.

Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

Da gewesen, abgereist. 

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