Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Frauenfelder Bücherfest: Er kann sich nicht beklagen

Der literarische Tausendsassa Michael Stauffer stellt am Freitag am Bücherfest 499 Lebensweisheiten vor. Er ist in der Thurgauer Kantonshauptstadt aufgewachsen, als noch alles anders war. Heute lebt er in Biel.
Mathias Frei
Schriftsteller Michael Stauffer im «Anker» in Bern. (Bild: Mathias Frei)

Schriftsteller Michael Stauffer im «Anker» in Bern. (Bild: Mathias Frei)

Ein Treffen zwischen Biel und Frauenfeld: Draussen in Bern tobt die YB-Meisterfeier, drinnen im Restaurant Anker sitzt Michael Stauffer. Er hat viel erreicht in seinen 46 Lebensjahren, wird «als etablierter Autor an etablierte Literaturfestivals eingeladen», wie er sagt, diesen Freitag nach Frauenfeld ans Bücherfest.

"Den Thurgauer Kulturpreis würde ich schon noch nehmen. Obwohl das Preisgeld nicht ewig reichen würde. Ich müsste noch mindestens zehn Jahren arbeiten." (Michael Stauffer)

Eben da in Frauenfeld hat Stauffer seine Jugend verlebt, bis zur Matura. Damals, als es eben da noch keine organisierte Kultur gab, wie er sagt. Darum ist es für ihn auch nicht wirklich ein Heimspiel. Seine Eltern leben in Frauenfeld, einige Male ist er hier aufgetreten. Er erinnert sich an eine Lesung im alten «Kaff», dem ehemaligen «Schwarzen Schöfli». Lokalbesucher hatten ihn am Töggelikasten bedroht, möglicherweise mit Billard-Queues. So genau weiss er es nicht mehr, weil es sicher schon zehn Jahre her ist. Literaturvermittlung auf diese Art ist seins. Diesen Freitag tritt er wieder im «Kaff» auf, aber im neuen Lokal an der Grabenstrasse. Stauffer wird mit einer Lesung aus seinem aktuellen Buch «Jeden Tag das Universum begrüssen» angekündigt. Darin hat er genau 499 Erkenntnisse und Beobachtungen niedergeschrieben sowie eine Menge Fussnoten.

Ingeborg-Bachmann-Preis auf To-do-Liste abgehakt

Zwischen den beiden Kaff-Auftritten waren noch die Frauenfelder Lyriktage. Im Programm mit Michael Lentz, Christian Uetz und Raphael Urweider, eingeladen von Nora E. Gomringer. Das kann Stauffer also abhaken auf seiner To-do-Liste. Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Preis 2003: erledigt. Nun das Frauenfelder Bücherfest: erledigt. Was ihm jetzt noch fehlt, ist der Thurgauer Kulturpreis. «Den würde ich schon noch nehmen», sagt er. Obwohl das Preisgeld – 20000 Franken – nicht ewig reichen würde. «Trotz des Thurgauer Kulturpreises müsste ich noch mindestens zehn Jahre arbeiten.» Für die Preisverleihung würde er von Biel, wo er schon lange lebt, auch in den Thurgau fahren. In Biel-Bienne, im zweisprachigen Grenzgebiet, hat er ein Kind sowie mit Noëlle Revaz eine Lebens- und Bühnenpartnerin. Mit ihr ist er als Nomi Nomi zu sehen, er tritt aber auch solo auf. Fast ein Jahrzehnt gehörte er dem Spoken-Word-Ensemble Bern ist überall an, bis vor etwa zwei Jahren. «Aber die Auftritte verkamen zu einem bürokratischen Akt.» Zu wenig Experiment, zu wenig Überraschung. Am Literaturinstitut Biel ist er Dozent. «So lese ich ganz viel Gegenwartsliteratur», sagt er. Schriftsteller ist er, spielt mit der Sprache in Prosa- und Lyriktexten, in Hörspielen, Theaterstücken. Auf Radio SRF 1 ist er «de Michael» im Zambo-Kinderprogramm «Alles isch e Gschicht». Seine Hörstücke sind auf verschiedenen deutschen Radiostationen zu hören.

«Dieses verantwortungslos verursachte Zuviel»

«Ich kann nicht klagen», meint Stauffer. Wie man das halt so sagt. Und dann ergänzt er: «Ich muss mich doch beklagen. Über das verantwortungslos verursachte Zuviel. Über Bürokratie in der Kulturförderung und im Allgemeinen.» Und was ihn auch stört: Literatur, die ohne tieferen Sinn in Mundart geschrieben wird. Heutzutage dichtet jeder in Mundart. In dieser Hinsicht muss sich Stauffer aber nichts vorwerfen. Er sagt: «Thurgauertütsch ist meine Bühnensprache.» Und seine Schriftsprache kann vieles sein: Standardhochdeutsch, Französisch, Thurgauertütsch, Berntütsch. Mundart hat er schon geschrieben und performt, als er dafür noch schräg angeschaut wurde.

Drei Tage Literatur

Übermorgen Freitag beginnt das zweite Frauenfelder Bücherfest mit einer Lesung von Krimiautor Martin Walker (19 Uhr, Rathaus). Gleichentags ist auch Michael Stauffer zu sehen (21 Uhr, Kaff). Am Samstag stehen ab 11 Uhr Lesungen und Diskussionen an mit Azouz Begag, Michael Kumpfmüller, der Frauenfeld-liest-ein-Buch-Autorin Mariana Leky, Selim Özdogan und Lisbeth Herger. Der Samstagabend startet um 19 Uhr mit dem begnadeten Erzähler Raoul Schrott im Rathaus. Den zweiten Tag beschliessen Melinda Nadj Abonji mit ihrem neuen Roman «Schildkrötensoldat» und Jurczok 1001 mit «Poetry’n’Sound» (21 Uhr, Theaterwerkstatt Gleis 5). Am Sonntag geben Reinhold Joppich und Mario Di Leo eine musikalische Lesung. Veranstaltungen mit Aram Mattioli und Wilfried Meichtry bilden den Abschluss des Bücherfestes. Kinderprogramm-Blöcke gibt es am Samstag (15 Uhr) und Sonntag (11 Uhr) im Eisenwerk. (ma) www.buecherfest.ch

Und nun das Frauenfelder Bücherfest. Vielleicht würden Bekannte von früher an seine Lesung kommen. Saxofonist Räto Harder trifft er jeweils in Frauenfeld, mit Felix Brenner, bildender Künstler aus Altnau, hat er immer wieder Kontakt. Hauptsache ist: Im «Kaff» gehen nicht wieder welche mit Billard-Queues auf Stauffer los.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.