Engagement
«So viele Jugendliche wie in diesem Jahr haben sich noch nie beteiligt» – Frauenfelder Kantischüler engagieren sich am «Social Day» in der Natur

Am siebten «Social Day» der Kantonsschule Frauenfeld arbeiten 68 Jugendliche sowie einige Lehrer in der Allmend. Unter Anleitung des erfahrenen Rangers Reinhold Müller schichten sie Holzhaufen auf, die Tieren als Unterschlupf dienen. Nicht alle machen das nur zum Spass.

Janine Bollhalder
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Das Holz wird zurechtgeschnitten und an verschiedenen Stellen im Gitzi gehäuft. Diese Haufen bieten den Tieren Unterschlupf.

Das Holz wird zurechtgeschnitten und an verschiedenen Stellen im Gitzi gehäuft. Diese Haufen bieten den Tieren Unterschlupf.

Bilder: Donato Caspari
Annina Villiger, Lehrerin an der Kantonsschule und Mitglied des Organisationskomitees des «Social Day»

Annina Villiger, Lehrerin an der Kantonsschule und Mitglied des Organisationskomitees des «Social Day»

Montagmorgen. An der Kantonsschule Frauenfeld stehen die Aufnahmeprüfungen an. Allmend. Hier arbeiten jene Jugendliche, welche die Prüfungen bereits bestanden haben. Auch der siebte «Social Day» bietet den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, sich freiwillig zu engagieren. Wie bei vielen anderen Anlässen zu Zeiten der Pandemie gilt auch hier: Normalerweise fällt die Gestaltung anders aus. «Bisher gab es jeweils verschiedene Projekte, bei denen sich die Jugendlichen engagieren konnten. Coronabedingt haben wir uns in diesem Jahr auf ein Projekt in der freien Natur beschränkt», sagt Annina Villiger, Lehrerin und Mitglied des Organisationskomitees des «Social Day».

Reinhold Müller, Ranger in der Allmend Frauenfeld und Leiter der Kanti-Mensa

Reinhold Müller, Ranger in der Allmend Frauenfeld und Leiter der Kanti-Mensa

Eine Gruppe Jugendlicher trägt Äste zu einem Haufen. Ein Blick über den Waffenplatz zeigt weitere Holzansammlungen. «Sie schneiden Sträucher und schichten Holzhaufen für die Amphibien in diesem Naturschutzgebiet auf», erklärt Reinhold Müller, Leiter der Kanti-Mensa und Ranger in der Allmend. Diese dienen den Tieren als Rückzugsort und den Vögeln, die bald wieder aus dem Süden zurückkehren, als Brutstätte oder Hochsitz. Ausserdem ist geplant, Brutkästen zu installieren. «Der Neuntöter etwa kann so von oben die Käfer am Boden beobachten, seine Beute.»

«Social Day» in der Natur als Abwechslung zum Unterricht im Klassenzimmer

Für den «Social Day» angemeldet haben sich 68 Schülerinnen und Schüler. Aufgeteilt in vier Gruppen arbeiten sie jeweils einen Morgen oder Nachmittag im Gitzi oder Galgenholz. Lehrerin Villiger sagt:

«Es gab jedes Jahr ein Projekt in der Allmend, aber so viele Jugendliche wie in diesem Jahr haben sich noch nie beteiligt.»
Mara Drpic (zweite von links) und direkt neben ihr: Johanna Dusel.

Mara Drpic (zweite von links) und direkt neben ihr: Johanna Dusel.

Eine der Schülerinnen, die sich am Montagmorgen im Gitzi engagieren, ist Johanna Dusel. Die 15-jährige Kantischülerin findet es toll, dass die Schule ein Projekt wie dieses anbietet. «Es macht Spass», sagt sie, die auch in der Freizeit gerne in der Natur unterwegs ist – sei es privat oder als Pfadfinderin. Auch ihre Kollegin Mara Drpic geniesst diesen Morgen an der frischen Luft. «Die Allmend ist ein cooles Gebiet, wir sind oft hier am Spazieren», sagt die 14-jährige Kantischülerin. Auch in ihrer Freizeit versuche sie, etwas Gutes für die Natur zu tun und sammle Abfall im Wald auf.

Arthur Lückert (erster von links) sammelt Äste zusammen.

Arthur Lückert (erster von links) sammelt Äste zusammen.

Zeit mit Freunden in der Natur verbringen, auch aus diesem Grund bezeichnet der 15-jährige Samuel Weber den diesjährigen «Social Day» als eine gute Erfahrung. «Es ist eine Abwechslung zum Schulalltag», sagt der Kantischüler. Aber nicht nur heute gebe er Acht auf die Natur: «Ich ernähre mich bewusst und trenne meinen Abfall.» Sein Klassenkollege Arthur Lückert schätzt die Tätigkeit in der Natur ebenfalls. Der 16-Jährige sei oft im Wald unterwegs, vor nicht allzu langer Zeit habe er noch die Waldschule in Köln besucht. Er engagiert sich nicht nur aus Spass an diesem Projekt: «Ich habe noch viele Fragen zu diesem Gebiet.» Seine berufliche Zukunft sieht er in der Biochemie.

Samuel Weber (erster von rechts) trägt Holz zu einem der Haufen.

Samuel Weber (erster von rechts) trägt Holz zu einem der Haufen.

Coronazeit bringt die Leute in die Natur

«Eine Fragestunde gibt es am Ende dieses Vormittageinsatzes», sagt Ranger Müller. Auf dem Waffenplatz und im Militär hat der Naturschutz einen hohen Stellenwert. Im Gitzi gibt es verschiedene Brutkästen, Sand, Pfützen und Matsch – alles, was das Herz der Amphibien begehrt. Es wurde bereits «extrem viel» gemacht, wie Müller sagt, und mit der grossen Anzahl Tieren vor Ort scheint die Natur sich für diese Bemühungen zu bedanken.

Doch für Müller und seine Berufskollegen ist die Coronazeit anstrengend. «Die Leute sind vermehrt in der Natur unterwegs und dies leider oft abseits der Wege.» Das sei nicht erlaubt und störe die Tiere. Er hofft, dass der Einsatz der Schülerinnen und Schüler andere Leute anregt, der Natur mehr Sorgfalt zu tragen. Doch bevor die Jugendlichen weiterarbeiten, gibt es Zvieri. Äpfel natürlich, aus der Region.