Energiezukunft
40 Millionen Franken für die Frauenfelder Wärmewende: Stadtrat plant Ausbau der Fernwärme im Westen und in der Altstadt

Noch vor dem Jahr 2030 soll in Frauenfeld-West und in der Altstadt ein Ausbau des Wärmenetzes stattfinden. Über zwei Kredite in Höhe von insgesamt 40 Millionen Franken entscheidet vor den Sommerferien der Gemeinderat. Und am 25. September steht dafür eine Volksabstimmung an.

Mathias Frei
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Wollen die Wärmewende vorantreiben: Ulrich Trümpi, Bereichsleiter bei Thurplus für Planung und Projektierung, Thurplus-Geschäftsleiter Peter Wieland und Stadtrat Fabrizio Hugentobler.

Wollen die Wärmewende vorantreiben: Ulrich Trümpi, Bereichsleiter bei Thurplus für Planung und Projektierung, Thurplus-Geschäftsleiter Peter Wieland und Stadtrat Fabrizio Hugentobler.

Bild: Reto Martin

Ein eindrückliches Bild: «Es kann kein Wald entstehen, wenn man nicht einen ersten Baum pflanzt.» Das sagt Stadtrat Fabrizio Hugentobler am Freitagvormittag. Der Baum, den der Stadtrat in Frauenfeld pflanzen will, soll zur Energiewende, gewissermassen der Wald, beitragen. Konkret geht es um zwei grosse Ausbauprojekte im Bereich Fernwärme, die Hugentobler als zuständiger Departementsvorsteher der Werke politisch aufgegleist hat. Genau 40 Millionen Franken stehen auf dem Spiel – 30,1 Millionen für die Fernwärme West und deren 9,9 Millionen für die Altstadt-Fernwärme. Die Botschaft für die beiden Kredite kommt am 6. Juli in den Gemeinderat. Und am 25. September entscheiden die Frauenfelder Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, ob sie den ersten, grossen Schritt in der Wärmewende machen wollen.

Neues Reglement muss nicht vor das Volk

Ebenfalls am 6. Juli steht das neue «Reglement über die Errichtung und den Betrieb von Fernwärmeversorgungen» auf der Traktandenliste des Gemeinderats. Es soll das bestehende Fernwärmereglement ablösen, dessen Spielraum aber beschränkt ist. Das neue Reglement soll die Grundlage schaffen für eine über die ganze Stadt einheitliche Fernwärmeversorgung. Im Gegensatz zu den beiden Krediten hat der Gemeinderat unter Vorbehalt des fakultativen Referendums die abschliessende Entscheidungskompetenz bei diesem Rechtspapier. (ma)

Frauenfeld ist immer noch eine Gasstadt. 90 Prozent der verbrauchten Heizwärme fusst auf ausländischem Erdgas. Diese Abhängigkeit, aber auch die Preisentwicklung machen aktuell mehr denn je Sorgen. Hugentobler sagt:

Das Erschliessungsgebiet im Westen Frauenfeld.

Das Erschliessungsgebiet im Westen Frauenfeld.

Bild: PD
«Wir müssen einen Weg finden, um das in den Griff zu bekommen.»

Der Weg sieht in Frauenfeld folgendermassen aus: alternative Energien fördern und den Energieverbrauch senken. So formuliert es Hugentobler. Immerhin könnten mit den beiden Projekten jährlich bis zu 4700 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Und das entspricht auch dem politischen Willen, wie er im vor knapp zwei Jahren vom Gemeinderat genehmigten Werkbetriebe-Reglement festgehalten ist.

Anschlussdichte zwischen 60 und 75 Prozent

Im Westen besteht bereits ein kleiner Wärmeverbund, den Thurplus vor einem Jahr übernommen hat und nun weiterbetreibt. Nun soll dieses Netz massiv ausgebaut werden. Die Wärme dafür kommt hauptsächlich vom Holzheizkraftwerk der Bioenergie Frauenfeld. 28,144 Millionen kostet das Leitungsnetz, eine Fernwärmezentrale kommt auf 1,956 Millionen zu stehen. Bei einer Anschlussdichte von 60 Prozent ist mit einem Wärmeabsatz von jährlich 18,8 Millionen Kilowattstunden (KWh) zu rechnen. Gebaut werden 10,2 Kilometer Netz für knapp 400 Anschlüsse.

Im Bereich der Altstadt rechnet der Stadtrat mit 6,6 Millionen Franken für den Netzbau und 3,3 Millionen für die Fernwärmezentrale. Diese ist im Regierungsgebäude-Erweiterungsbau geplant. Weil in der Altstadt weniger Alternativen bestehen gegenüber der Fernwärme, ist hier mit einer Anschlussdichte von 75 Prozent zu rechnen. Das heisst: ein Wärmeabsatz von 4,2 Millionen KWh im Jahr. Die Wärme würde über 1,5 Kilometer Netz an 80 Anschlüsse verteilt. Der bestehende Wärmering führt von der Abwasserreinigungsanlage an der Altstadt vorbei – und würde entsprechend in Zukunft auch das neue Netz in der Altstadt speisen.

Das geplante Netz für Fernwärme in der Altstadt.

Das geplante Netz für Fernwärme in der Altstadt.

Bild: PD

Thurplus will mit der Wirtschaftlichkeit der Angebote punkten

Wie Peter Wieland, Geschäftsleiter von Thurplus, sagt, liegen die Chancen für Frauenfeld auf dem Tisch. Aber man müsse sie jetzt ergreifen. Was er damit meint, ist er Umstand, dass sowohl in der Altstadt wie auch im Westen eine gewisse Dringlichkeit herrscht. In der Altstadt hängt das mit dem Bau der Regierungsgebäude-Erweiterung zusammen, wo der Kanton der Stadt Hand bietet mit Räumlichkeiten für die Wärmezentrale. Und im Westen produziert die Bioenergie Frauenfeld ab diesem Sommer im Vollbetrieb Wärme, welche Thurplus abnehmen will. Wieland sagt:

«Wichtig ist, dass die beiden Projekte keinen Einfluss auf den Steuerfuss haben.»

Die 40 Millionen sollen in einer ersten Phase durch Eigenmittel von Thurplus finanziert werden, später werden aber wohl noch Fremdmittel nötig. Zudem rechnet man noch mit kantonalen Fördergeldern in Höhe von 3,6 Millionen. Die Realisierung im Westen ist bis 2028 angedacht, den wirtschaftlichen Break-even erreicht man 2038. In der Altstadt will man schon 2027 fertig sein, hier lohnt es sich ab dem Jahr 2049. Was Wieland festhält: «Es gibt keine Anschlusspflicht, wir wollen mit der Wirtschaftlichkeit unseres Angebots punkten.»

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