ENERGIEVERMARKTUNG
Im Kleinen anfangen, um im Grossen die Energiewende zu schaffen: Frauenfelds Energieversorger Thurplus fokussiert auf Strom, Biogas und Wärme aus der Region

Solarstrom und Fernwärme als lokale Energieprodukte haben in Frauenfeld weitaus das grösste Potenzial, sagt Thurplus-Geschäftsleiter Peter Wieland. Bei der Fotovoltaik sind die Beteiligungsanlagen eine Erfolgsgeschichte. Und in naher Zukunft sollen auch Entscheide fallen für einen Ausbau des Wärmenetzes.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Die neue Solarinvest-Fotovoltaikanlage von Thurplus auf dem Dach der Frauenfelder Firma Keller Stahl im Langdorf.

Die neue Solarinvest-Fotovoltaikanlage von Thurplus auf dem Dach der Frauenfelder Firma Keller Stahl im Langdorf.

Bild: Andrea Stalder

Peter Wieland meint es ernst. «Wenn wir nicht im Kleinen anfangen, schaffen wir die Energiewende im Grossen nicht», sagt er. Im Kleinen, damit meint der Geschäftsführer von Thurplus (ehemals Werkbetriebe Frauenfeld) die Idee einer Klärgasaufbereitungsanlage auf dem Areal der Abwasserreinigungsanlage in der Grossen Allmend. Der Ara-Verband macht sich aktuell Überlegungen dazu. Wieland ist sich aber auch bewusst:

«Das Potenzial für lokales Biogas ist in Frauenfeld sehr beschränkt.»
Peter Wieland, Geschäftsleiter Thurplus.

Peter Wieland, Geschäftsleiter Thurplus.

Bild: PD

Biogas ist aber nur eines von mehreren regionalen oder lokalen Energieprodukten im Portfolio von Thurplus. Bei den städtischen Werken hat nämlich nicht nur ein Namenswechsel, sondern auch ein Sinneswandel stattgefunden. «Wir konzentrieren uns vermehrt auf das Lokale, wo immer möglich setzen wir auf Energie, die in der Region produziert worden ist», sagt Wieland. Ist etwas nicht regionaler Energieträger, besteht das Problem derzeit meist noch im Umstand, dass die Lieferkapazitäten zu gering sind. Den konkreten Auftrag dafür hat der Gemeinderat mit der im Frühsommer 2020 bewilligten Eigentümerstrategie respektive dem Werkbetriebe-Reglement erteilt. Hinter dieser Haltung steht im Übrigen auch Departementsvorsteher Fabrizio Hugentobler und der Gesamt-Stadtrat.

Seit 2015 Solaranlagen für jedermann

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Weitaus am meisten Potenzial habe in Frauenfeld die Fotovoltaik, sagt Wieland. Eine Erfolgsgeschichte, die 2015 ihren Anfang nahm, sind die Fotovoltaik-Beteiligungsanlagen. Man braucht nicht mehr Eigenheimbesitzer zu sein, sondern jedermann kann sich an städtischen PV-Anlagen mit 300 Franken pro Quadratmeter beteiligen. «Im Gegenzug erhalten Mitbesitzer während 20 Jahren ihren Anteil Strom aus dieser Anlage.» Dieses Angebot nennt sich mittlerweile Solarinvest.

«Wenn man aus der Vogelperspektive auf Frauenfeld blickt, sieht man noch ganz viele freie Dachflächen. Aber nicht immer lassen sich darauf auch PV-Anlagen realisieren.»
Schon im Dezember 2013 befand sich auf den Dächern der Werkbetriebe Frauenfeld eine Fotovoltaikanlage. Der damalige Stadtammann Carlo Parolari schaut aus einem Dachfenster in die Kamera.

Schon im Dezember 2013 befand sich auf den Dächern der Werkbetriebe Frauenfeld eine Fotovoltaikanlage. Der damalige Stadtammann Carlo Parolari schaut aus einem Dachfenster in die Kamera.

Bild: Reto Martin

Für Solarinvest gab es anderthalb Jahre lang eine Warteliste. Diese ist mit der aktuellen Inbetriebnahme abgearbeitet. Aber 90 Prozent der Flächen sind bereits wieder verkauft. Wieland sagt: «Wenn unsere Kunden wollen, bauen wir eine nächste Anlage.» Die Suche nach möglichen Dachflächen sei ein Dauerthema bei Thurplus.

2020 fast sieben Gigawattstunden Solarstrom

April 2017: Andreas Ziegler und Daniel Moos bei der Inbetriebnahme der Beteilungsanlage auf der Trafostation Oberwiesenstrasse.

April 2017: Andreas Ziegler und Daniel Moos bei der Inbetriebnahme der Beteilungsanlage auf der Trafostation Oberwiesenstrasse.

Bild: Mathias Frei

Bis Ende 2020 waren zwei Beteiligungsanlagen auf den Thurplus-Dächern in Betrieb, eine steht auf dem Dach der TurnfabrikPlus und eine auf der Trafostation Oberwiesenstrasse. Die insgesamt knapp 1030 Quadratmeter produzierten zuletzt 156 Megawattstunden jährlich. Und erst kürzlich, Ende Februar ging eine neue Beteiligungsanlage von Thurplus auf dem Dach der Firma Keller Stahl in Betrieb. Auf einen Schlag sind so 650 Quadratmeter und 124 Megawattstunden jährlich dazugekommen. Zum Vergleich: Die gesamte PV-Produktion in Frauenfeld betrug für das vergangene Jahr 6927 Megawattstunden.

Hier setzt ein weiteres Thurplus-Angebot an: Solarplus. In Frauenfeld produzieren über 350 PV-Anlagen Strom. Thurplus übernimmt den überschüssigen Strom zu einem laut Wieland für den Produzenten attraktiven Tarif und verkauft ihn ohne Marge weiter. Bei Solarplus kann man als Strombezüger wählen, ob man 20, 50 oder 100 Prozent lokalen Solarstrom will. 50 Kunden nehmen dieses Angebot aktuell wahr. Wieland sagt:

«Derzeit ist unser Angebot an Frauenfelder Solarstrom noch grösser als die Nachfrage.»
Solarplus auf der Website von Thurplus.

Solarplus auf der Website von Thurplus.

Bild: Screenshot

Der Strom, der nicht über Solarplus weggeht, wird dem Produkt Thurgauer Naturstrom beigemischt. Wie viele Megawattstunden Frauenfelder Solarstrom im besten Fall möglich sind, darüber gibt es wohl Potenzialstudien, sagt Wieland. Für Thurplus stehe aber im Vordergrund, den effektiv vorhandenen lokalen Strom verkaufen zu können. Ein weiteres Angebot nennt sich «Eigenverbrauch sorglos». Dabei kauft Thurplus zwar keinen Solarstrom ein, übernimmt aber für den Anlagenbetreiber das Mess- und Zählerwesen sowie die Verrechnung.

Kaum mehr Biogas und Wasserkraft möglich

17. April 2010: Tag der offenen Tür beim Kleinwasserkraftwerk Zeughausbrücke in Frauenfeld.

17. April 2010: Tag der offenen Tür beim Kleinwasserkraftwerk Zeughausbrücke in Frauenfeld.

Bild: Nana Do Carmo

Wer in Frauenfeld Strom bezieht, hat automatisch Schweizer Wasserkraftstrom. Auch in diesem Bereich gibt es in Frauenfeld kein Ausbaupotenzial mehr. Einzig nennenswert ist das Kleinwasserkraftwerk Zeughausbrücke. Das geplante Wasserrad im Murg-Auen-Park hat symbolischen Wert, ist aber nicht eigenwirtschaftlich. Im Biogas gibt es die Produktion aus der städtischen Beteiligung an der Kompogas in Oberwinterthur sowie die Übernahme aus der Zuckerfabrik. Thurplus mischt seit Sommer 2020 dem Erdgas für Heizwärme reglementarisch festgelegt zehn Prozent Biogas bei. Von diesen zehn Prozent stammt ein Drittel aus Schweizer Produktion, der Rest kommt aus Dänemark. Grund: Es fehlen noch die Lieferkapazitäten.

Thurplus übernimmt von der Zuckerfabrik Biogas. Im Bild der zuständige Stadtrat Fabrizio Hugentobler, Zuckerfabrik-Werksleiter Joachim Pfauntsch und Thurplus-Geschäftsleiter Peter Wieland.

Thurplus übernimmt von der Zuckerfabrik Biogas. Im Bild der zuständige Stadtrat Fabrizio Hugentobler, Zuckerfabrik-Werksleiter Joachim Pfauntsch und Thurplus-Geschäftsleiter Peter Wieland.

Bild: PD

Wieland sagt: «Biogas kann auch woanders herkommen, es sind einfach glaubwürdige Zertifikate nötig.» Ein solches Zertifikat ist Naturemade-Star, dahinter stehen auch die nationalen Umweltverbände. Dieses Gas werde in Frauenfeld korrekterweise aber nicht als Biogas verkauft, sondern nur als erneuerbares Gas. Denn im Biogas fehlten die internationalen Register.

Ein letztes Kapitel ist die Fernwärme. Das Wärme-Kälte-Konzept wird laut Wieland noch im März der Geschäftsprüfungskommission vorgestellt und soll dann auch entsprechend öffentlich kommuniziert werden. Idee dahinter ist ein massiver Ausbau des Wärmenetzes in Frauenfeld. Wieland erklärt:

«Über das ganze Stadtgebiet besteht grosses Potenzial.»