Energiepolitik
Nur 18 der 80 Thurgauer Gemeinden verfügen über das Energiestadt-Label

Wenn sich eine Gemeinde kontinuierlich für eine effiziente Nutzung von Energie und Klimaschutz einsetzt, kann sie das Label Energiestadt erhalten. Der Regierungsrat überlässt es den Gemeinden, ob sie sich um eine Zertifizierung bemühen wollen.

Thomas Wunderlin
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Regierungsrat Walter Schönholzer und Nationalrat Kurt Egger übergeben dem Egnacher Gemeinderat Luzi Tanner das Label Energiestadt Gold.

Regierungsrat Walter Schönholzer und Nationalrat Kurt Egger übergeben dem Egnacher Gemeinderat Luzi Tanner das Label Energiestadt Gold.

Donato Caspari (14.12.2020)

Von den 80 Thurgauer Gemeinden haben bisher nur 18 das Label Energiestadt erhalten. Für den Egnacher Gemeindepräsidenten und SVP-Kantonsrat Stephan Tobler ist das zu wenig: «Es müssten über 40 sein.»

Der Regierungsrat will aber nichts unternehmen, um die Thurgauer Quote zu erhöhen, wie er in einer Beantwortung einer Einfachen Anfrage Toblers schreibt.

Mit einem Anteil von 22,5 Prozent sei die Beteiligung im Thurgau sogar etwas höher als schweizweit, wo 466 oder 21,5 Prozent der 2172 Gemeinden das Energiestadt-Label erworben hätten.

Der Kanton leistet durchaus einen Beitrag an die Zertifizierung zum Label Energiestadt oder Energiestadt Gold, das von einem Trägerverein verliehen wird. Der Regierungsrat findet zudem lobende Worte für das Label, das er als «guten Weg für energiepolitisch aktive Gemeinden» bezeichnet.

Gemeinden sind selber verantwortlich

Es gebe aber auch andere Möglichkeiten, die den Gemeinden offenstünden. So könnten sie sich am Thurgauer Modell 2000-Watt-Gemeinde des Vereins Energiefachleute Thurgau orientieren.

«Der Kanton schafft Anreize, um das Interesse der Gemeinden an energiepolitischen Massnahmen zu erhöhen», erklärt der Regierungsrat. Es sei jedoch nicht seine Sache, die Umsetzung zu überprüfen:

«Die Gemeinden sind eigenverantwortlich in der Wahl und Durchführung ihrer energiepolitischen Massnahmen.»

Tobler kommentiert die Antwort als «enttäuschend». Der Regierungsrat habe nicht erkannt, dass ein solches Label wie ein Zeugnis sei: «Man geht auch nicht in die Schule, ohne am Ende ein Zeugnis mitzunehmen.»

Viele Gemeindevertreter sagten, sie würden lieber gute Projekte machen, als sich um das Label zu bemühen:

«Dabei geht es beim Label darum zu überprüfen, ob die Projekte gut sind.»

Ein Projekt anzukündigen, sei nur ein Lippenbekenntnis. Die Frage sei, ob es auch umgesetzt werde.

Stephan Tobler, SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident von Egnach.

Stephan Tobler, SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident von Egnach.

Reto Martin

Der Kanton Thurgau sei bezüglich Energiewende gut unterwegs, meint Tobler. Man müsse aber auch an der Basis, also in den Gemeinden, mehr machen. Andere Kantone, etwa St.Gallen, legen durchaus Wert darauf, dass die Gemeinden sich um das Label Energiestadt bemühten.

Nur drei Gemeinden mit Goldlabel

Im Thurgau seien immerhin alle Städte Träger des Energiestadt-Labels. Egnach gehört laut Tobler zusammen mit Frauenfeld und Weinfelden zu den drei einzigen Thurgauer Gemeinden mit dem Label Energiestadt Gold: «Wir haben 75 Prozent der Punkte erreicht.»