ENERGIE
Hackschnitzel «müssen zwangsweise» auch von auswärts kommen: Regierung stellt sich kritischen Fragen zum geplanten Holzheizkraftwerk in Frauenfeld

Zwei Frauenfelder Kantonsräte sind besorgt über das geplante Holzheizkraftwerk im Westen der Stadt. Der Regierungsrat beantwortet die kritischen Fragen in ihrem Vorstoss.

Samuel Koch
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Die Visualisierung zeigt das geplante Holzheizkraftwerk an der Oberwiesenstrasse vis-à-vis der Zuckerfabrik.

Die Visualisierung zeigt das geplante Holzheizkraftwerk an der Oberwiesenstrasse vis-à-vis der Zuckerfabrik.

Bild: PD

Für 45 Millionen Franken baut die Bioenergie Frauenfeld AG im Westen der Stadt Frauenfeld eines der innovativsten Holzheizkraftwerke Europas. Darin werden im sogenannten Pyrolyseverfahren – einem thermochemischen Prozess – Strom, Heizwärme und Aktivkohle produziert. Die Baupläne haben die beiden Frauenfelder Kantonsräte Stefan Leuthold (GLP) und Christian Mader (EDU) ermuntert, im Grossen Rat eine Einfache Anfrage mit dem Titel «Neues Holzheizkraftwerk Frauenfeld: Ein Gewinn für den Thurgau?» einzureichen. Darin richteten sie kritische Fragen zum Projekt an der Oberwiesenstrasse 124 vis-à-vis der Zuckerfabrik Frauenfeld an den Regierungsrat, der diese nun beantwortet hat.

Stefan Leuthold, Kantonsrat GLP (Frauenfeld).

Stefan Leuthold, Kantonsrat GLP (Frauenfeld).

Bild: PD

Demnach gilt bei dieser Anlage zur thermischen Energieerzeugung keine Pflicht zur Umweltverträglichkeitsprüfung, weil deren Feuerungswärmeleistung lediglich 13,6 Megawatt thermisch (MWth) erreicht. Laut Umweltschutzgesetz benötigte es dafür eine Überschreitung von 20 MWth, wie der Regierungsrat schreibt. Eine von Leuthold und Mader erwähnte Gefährdung für die Bevölkerung durch Explosionen oder Brände schliesst die Regierung aus, auch wenn auf dem Gelände aus betrieblichen Gründen entzündliche Materialien gelagert werden. Das Brandschutzkonzept sei in dem in der Kompetenz der Stadt Frauenfeld liegenden Bewilligungsverfahren «sowohl durch das kantonale Feuerschutzamt als auch durch die Gebäudeversicherung kontrolliert und bestätigt» worden.

Christian Mader, Kantonsrat EDU (Frauenfeld).

Christian Mader, Kantonsrat EDU (Frauenfeld).

Bild: PD

Täglich sieben Lieferungen mit Lastwagen

Ausnahmen von geltenden Grenzwerten der Luftreinhalteverordnung gebe es ebenso wenig, betont der Regierungsrat in seiner Antwort auf den Vorstoss. Dafür rechnet er mit Aussagen des städtischen Departements für Bau und Verkehr (DBV) vor, dass mit der Verarbeitung von 140'000 Kubikmetern Holzhackschnitzeln täglich sieben Lieferungen mit Lastwagen erfolgen. «Die Fahrten erfolgen aus der gesamten Umgebung, und es ist nach Herkunftsort damit zu rechnen, dass einzelne Fahrten durch die Stadt Frauenfeld erfolgen werden», zitiert der Regierungsrat das DBV.

Für Subventionen aus dem Energiefonds sei bis dato kein Antrag bei der kantonalen Abteilung Energie eingegangen. Für die Produktion von Strom mittels Holzkraftwerken könnten ebenso wenig kantonale Förderbeiträge ausgerichtet werden wie für den laufenden Betrieb eines Wärmenetzes. Bei Letzterem seien es höchstens einmalige Investitionsbeiträge. Finanzhilfen und Abgeltungen gestützt auf die Subventions- und Beitragskategorien der eidgenössischen und kantonalen Waldgesetze seien aber bisher weder beantragt noch ausbezahlt worden.

Auch aus anderen Kantonen und dem grenznahen Ausland

Auf die Frage Leutholds und Maders, wie die Nutzung des Rohstoffs aus einheimischer, regionaler Produktion sichergestellt werden könne, verweist der Regierungsrat im Falle einer Auszahlung von Förderbeiträgen auf eine schriftliche Empfehlung, «im Sinn der regionalen Wertschöpfung Holz aus der Region zu verwenden».

Der Kanton Thurgau jedoch könne den Bedarf von 175'000 Schüttkubikmetern Waldhackschnitzeln für das geplante Holzheizkraftwerk mit verfügbaren 42'000 Schüttkubikmetern pro Jahr (Stand 2017) nicht decken. Deshalb schreibt der Regierungsrat: «Somit müssen die benötigten Hackschnitzel zwangsweise auch aus anderen Kantonen und wahrscheinlich auch aus dem grenznahen Ausland bezogen werden.» Da helfe auch die derzeit höher einzuschätzende Zahl, bedingt durch Sturm- und Käferschäden, nichts.