Energie
«Fünf Windräder sollten es schon sein»: Weiterentwicklung des Windprojekts Thundorf ist in Arbeit

Nachdem der Kanton Thurgau den Richtplan bezüglich Windenergie verabschiedet hat, wird das Windprojekt Thundorf weiterentwickelt. Führende Kraft diesbezüglich sind die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Derzeit werden verschiedene Varianten ausgearbeitet, die dann der Bevölkerung vorgestellt werden.

Janine Bollhalder
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Windräder wie dieses in Entlebuch sollen auch auf dem Gebiet der Gemeinden Thundorf und Hüttlingen gebaut werden.

Windräder wie dieses in Entlebuch sollen auch auf dem Gebiet der Gemeinden Thundorf und Hüttlingen gebaut werden.

Bild: PD/Roger Gruetter

Auf dem Gebiet der Gemeinden Thundorf und Hüttlingen soll Windenergie produziert werden. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) erarbeiten derzeit verschiedene Varianten eines Windparks und die dafür geeigneten Standorte. Die Idee eines Windparks ist jedoch nicht neu.

Bereits 2017 wurden die Behörden und die Bevölkerung von EKZ über potenzielle Möglichkeiten informiert. Dann ist das Projekt allerdings zum Stillstand gekommen. Im Mai 2020 hat der Grosse Rat des Kantons Thurgau die Richtplanänderung Windenergie deutlich angenommen. Darin sind nun sechs Windenergiegebiete festgelegt, unter anderem der östliche Teil des Wellenberg auf dem Gebiet Thundorf und Hüttlingen.

Anzahl Windräder noch unklar

Christian Schwarz, Mediensprecher der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich

Christian Schwarz, Mediensprecher der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich

Bild: PD

Nachdem der Kanton den Richtplan nun verabschiedet hat, kann sich EKZ der Weiterentwicklung des Projekts widmen. «Wie viele Windräder es geben wird, wie hoch sie werden und wo genau sie zu stehen kommen, ist derzeit noch in Abklärung», sagt Christian Schwarz, Mediensprecher der EKZ. Derzeit werde eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt, denn für die Errichtung einer Windanlage gelten strenge gesetzliche Vorgaben. Faktoren, die bei dieser Prüfung begutachtet werden, sind unter anderem der Schattenwurf der Windräder, die Vogelzugroute oder der Lebensraum der Fledermäuse.

Geplant ist, dass die verschiedenen Varianten eines Windparks den Thundorferinnen und Thundorfern sowie den Hüttlingerinnen und Hüttlingern Anfang 2022 vorgestellt werden. Schwarz sagt:

«Die Bevölkerung wird in die Planung der Windanlage miteinbezogen.»

Es werde auch eine Begleitgruppe zusammengesetzt, deren Aufgabe unter anderem sein wird, die Bevölkerung laufend zu informieren und deren Anliegen in die Projektentwicklung einzubringen. Aus wie vielen Personen sich diese Gruppe zusammensetzten wird, ist allerdings noch unklar.

Fest steht jedoch, dass sich die Bevölkerung am Windpark beteiligen kann. «Wie genau diese Beteiligung aussehen kann, steht allerdings noch nicht fest», sagt Schwarz. Das müsse noch mit den Gemeinden ausgemacht werden. Möglichkeiten könnten eine Vergütung an die Gemeinden sein oder auch, dass Anwohnerinnen und Anwohner Anteile am Windpark kaufen können.

Schätzungsweise 8000 Haushalte können versorgt werden

Alfredo Scherngell, Gesamtprojektleiter der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich

Alfredo Scherngell, Gesamtprojektleiter der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich

Bild: PD

«Es sollten schon mindestens fünf Windräder gebaut werden, dass das Vorhaben wirtschaftlich sinnvoll ist», sagt Alfredo Scherngell, Gesamtprojektleiter des EKZ. Es seien aber bis zu zehn Anlagen möglich. Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2017 habe gezeigt, dass das Vorhaben rund 50 Millionen Franken kosten wird. Je nachdem, wie viele Anlagen gebaut werden, rechnet Scherngell mit einer produzierten Energiemenge von 30 bis 40 Gigawattstunden. Damit könnten rund 8000 Haushalte versorgt werden.

EKZ rechnet damit, dass die Gemeinden 2023 zur Nutzungsplanänderung abstimmen können und das Bauprojekt dann 2024 öffentlich aufliegt. Die Realisierung ist voraussichtlich im Jahr 2025 geplant. Scherngell rechnet mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren. Er sagt:

«Dabei spielt es keine wesentliche Rolle, ob es dann fünf oder zehn Windräder sind.»

Denn der Initialaufwand sei am Grössten, das Aufrichten der Windanlagen dauere dann nur etwa drei Monate. Die Inbetriebnahme sieht EKZ frühestens 2026.

Positive und negative Reaktionen

Daniel Kirchmeier, Gemeindepräsident Thundorfs.

Daniel Kirchmeier, Gemeindepräsident Thundorfs.

Bild: PD

Am Mittwoch, 20. Oktober, sind in Thundorf Flyer mit Informationen zu der geplanten Windanlage verteilt worden. Gemeindepräsident Daniel Kirchmeier hat noch keine Reaktionen erhalten. Er erinnert sich aber an die vergangenen Informationsveranstaltungen und sagt:

«Natürlich gibt es positive und negative Ansichten.»

Der Gemeinderat habe sich jedoch klar für das Projekt ausgesprochen. Negative Äusserungen aus der Bevölkerung bezüglich des Projekts sprechen von einer Verschandlung der Landschaft oder davon, dass der Windpark nicht wirtschaftlich sei. Das ist ein Punkt, der Kirchmeier wichtig ist. «Das Bedürfnis der Gemeinde Thundorf ist nicht nur, dass wir gut informiert werden, sondern auch, dass die Anlage uns etwas bringt.»

Peter Maag, Gemeindepräsident Hüttlingens.

Peter Maag, Gemeindepräsident Hüttlingens.

Bild: Arthur Gamsa

Im Gegensatz zu Thundorfs Gemeinderat hat sich der Gemeinderat von Hüttlingen noch keine Meinung bezüglich des Windprojekts gebildet. Gemeindepräsident Peter Maag berichtet, dass für die Gemeinde sicherlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis wichtig ist. Seitens der Bevölkerung weiss er von positiven und negativen Ansichten. Er berichtet, dass Gegner des Projekts sogar eine Website diesbezüglich kreiert haben. Maag sagt:

«Negative Äusserungen zu dem Vorhaben sprechen von der Angst, dass es sehr breite Zufahrtsstrassen durch den Wald gibt, die Windanlage unästhetisch aussieht und ein grosser Eingriff notwendig wird, wenn die Anlage rückgebaut wird.»

Wie schlussendlich die Gesamtreaktion der Bewohnerinnen und Bewohner Hüttlingens ausfallen wird, kann Maag derzeit nicht abschätzen. Er weiss aber, dass auch Varianten denkbar sind, bei denen die Gemeinde Hüttlingen gar nicht vom Windprojekt betroffen ist.

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