Energetisch voll cool: Der Eisspeicher im geplanten Neubau der Frauenfelder Tierkörpersammelstelle

Die neue Kadaversammelstelle in der Grossen Allmend braucht Wärme wie auch Kälte. Die optimale Lösung: ein Eisspeicher. Stadtrat Andreas Elliker sagt: «Die Anlage ist bewusst eine energetisches Vorzeigeprojekt.»

Mathias Frei
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Ein Eiswürfel, der schwitzt.

Ein Eiswürfel, der schwitzt.

(Bild: Givaga/iStockphoto)
  • Die Stadt Frauenfeld plant, einen Neubau für die Tierkörpersammelstelle in der Grossen Allmend zu erstellen.
  • Dem Stadtrat ist es wichtig, dass die neue Anlage ein energetisches Vorzeigeprojekt wird.
  • Die optimale Kälte-/Wärme-Technologie ist in diesem Fall ein Eisspeicher.
  • Bei einem Eisspeicher kommt der Umstand zur Anwendung, dass der Übergang von einem Aggregatszustand in den anderen sehr energieintensiv ist.

Das Zauberwort heisst Phasenübergang. Das ist der Übergang von einem Aggregatzustand in den nächsten, also zum Beispiel von Eis zu Wasser oder umgekehrt. Ein Eisspeicher nutzt genau diese Übergänge, weil sie sehr energieintensiv sind. Beim geplanten Neubau der Frauenfelder Tierkörpersammelstelle auf der Grossen Allmend soll diese noch verhältnismässig neue, gleichwohl aber schon erprobte Technologie zur Anwendung kommen.

Daniel Moos, Leiter Energiefachstelle Stadt Frauenfeld.

Daniel Moos, Leiter Energiefachstelle Stadt Frauenfeld.

(Bild: Thi My Lien Nguyen)

Das Prinzip ist einfach: Wenn Eis schmilzt, braucht das Energie, umgekehrt wird Energie freigesetzt, wenn Wasser gefriert. Daniel Moos, Leiter der städtischen Energiefachstelle im Departement für Bau und Verkehr, erklärt es so:

«Beim Erstarren von Wasser, dem Phasenübergang vom flüssigen Wasser zum festen Eis bei 0 Grad Celsius, wird ungefähr so viel Wärme frei, wie zum Erwärmen derselben Menge Wasser von 0 Grad auf 80 Grad benötigt wird.»

Konkret wird eine grosse Zisterne erstellt, die mit Wasser gefüllt wird. Darin befinden sich Spiralleitungen: einerseits Entzugswärmetauscher und andererseits Regenerationswärmetauscher. Braucht es Wärme, wird dem Wasser Energie entzogen, bis es gefriert. Für Kälte wird dem Eis Energie über den Regenerationswärmetauscher zugeführt, bis es schmilzt.

Heutige Kadaversammelstelle ist störungsanfällig

Die bestehende Frauenfelder Tierkörpersammelstelle auf der Grossen Allmend bei der Abwasserreinigungsanlage (ARA) datiert aus dem Jahr 1976. Derzeit ist sie an drei Tagen pro Woche geöffnet. Pro Jahr werden 130 Tonnen Kadaver abgegeben. Diese stammen aus der Stadt und den umliegenden Gemeinden von Thundorf bis Eschenz. Aktuell liegt eine Betriebsbewilligung bis 2027 vor. Die Technik ist aber störungsanfällig, die Anlage entspricht nicht mehr den heutigen Vorschriften und den energetischen Anforderungen. Deshalb plant der Stadtrat einen Neubau. Der vom Gemeinderat zu genehmigende Bruttokredit beläuft sich auf 1,2 Millionen Franken. Zudem wird ein Landabtausch mit dem ARA-Verband notwendig, weil der Neubau leicht versetzt erstellt werden soll. Energetisch werde ein Vorzeigeentsorgungsbetrieb gebaut, schreibt der Stadtrat in der Botschaft an den Gemeinderat. Die Heizwärme wird mittels Wärmepumpe in Kombination mit einem Eisspeicher bereitgestellt. (ma)

Neue Anlagen im Betrieb komplett erneuerbar

Andreas Elliker, Stadtrat Bau und Verkehr.

Andreas Elliker, Stadtrat Bau und Verkehr.

(Bild: Andrea Stalder)

Aktuell läuft die Tierkörpersammelstelle mit einer Gasheizung. Beim Neubau ist eine Kombination von Fotovoltaik auf dem Dach, einer Wärmepumpe und dem Eisspeicher angedacht. Dazu kommt noch ein Batteriespeicher für die PV-Energie. Daniel Moos sagt:

«Damit wird die neue Anlage im Betrieb komplett erneuerbar sein.»

Der Energiebedarf von 18200 Kilowattstunden jährlich ist quasi «inhouse» abgedeckt.

Ein Eisspeicher.

Ein Eisspeicher.

(Bild: PD)

Das Projekt ist im Departement für Bau und Verkehr von Stadtrat Andreas Elliker daheim. Die Stadt wolle Vorbild sein und habe einen gesetzlichen Auftrag, energetisch hochwertig zu bauen, sagt er. Man habe verschiedene Technologien für den Neubau der Tierkörpersammelstelle abgeklärt.

«Wir haben zwischen Energieeffizienz und Kosten abgewogen.»

Die optimale Lösung

Das Resultat: «Ein Eisspeicher ist die optimale Lösung.» In diesem Fall produziert der Eisspeicher in einem Drittel der Zeit Kälte, in zwei Dritteln der Zeit Wärme. Die Kälte braucht es für die Kühlung der Kadaver, die Wärme für die Beheizung und das Heisswasser für die Reinigungen.

Für Stadtrat Elliker ist wichtig: «Wir wollen so hochwertig bauen.» Die neue Anlage soll zu einem energetischen Vorzeigeprojekt werden. Im Hinterkopf hat er dabei die Kritik aus dem Gemeinderat bei der Sanierung des Redinghauses von 2018. Fakt ist: Energetisch hätte beim Neubau auf der Grossen Allmend auch ein tieferer Standard dem Energierichtplan entsprochen. Ihre Abwärme braucht die ARA selber, und ein Anschluss an den Wärmering wäre aufgrund des geringen Energiebedarfs unverhältnismässig. Erdwärmesonden kommen aufgrund des Grundwasserschutzes nicht in Frage.

«Aber eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wäre möglich gewesen.»

Das sagt Moos. Man habe sich aber bewusst für die effizientere Technologie entschieden, erklärt Elliker. Für die Mehrkosten empfiehlt die Fachkommission Energiefonds eine Unterstützung aus eben diesem Kässeli.

Visualisierung des geplanten Neubaus auf der Grossen Allmend.

Visualisierung des geplanten Neubaus auf der Grossen Allmend.

(Bild: PD)
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