Endlich mündig, endlich Auto fahren und wählen - drauf freuen sich Frauenfelder Jungbürger am meisten

Wenn sich der grosse Bürgersaal im Rathaus mit Dutzenden junger Erwachsener füllt, dann ist wieder Jungbürgerfeier.

Christoph Heer
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Svenja Scherrer, Eliano Lohri und Diana Spengler.

Svenja Scherrer, Eliano Lohri und Diana Spengler.

(Bild: Christoph Heer)

Zwar ist es am Freitagabend nur gerade eine einzige Person, die ihren 18. Geburtstag schon hinter sich hat. Doch nicht mehr lange und alle anderen von den rund 70 anwesenden Jungbürgern feiern ebenfalls Geburtstag und somit den Übertritt ins eigentliche Erwachsenenalter.

Von Seiten der Organisation erklärt Manuela Sartori, dass insgesamt 176 Jungbürgerinnen und Jungbürger eingeladen worden sind. «Das liegt in etwa im Rahmen des vergangenen Jahres. Knapp 90 haben sich dann angemeldet, doch erfahrungsgemäss wissen wir, dass von diesen schlussendlich auch nicht alle erscheinen.»

So sind es rund sechs Dutzend, die sich einen Abend lang verwöhnen lassen, gespannt auf die Auslosung der zehn Open Air Tickets warten, dem Beat Boxer horchen und natürlich angestauten Hunger (das dann im Stadtcasino) tilgen.

Frauenfeld gelingt es so Jahr für Jahr, die jungen Personen abzuholen und Werbung in eigener Sache zu betreiben. So gefällt dem Stadtpräsidenten Anders Stokholm die Aussage von Diana Spengler. «Also ich kann mir gut vorstellen, später einmal das Amt der Stadtpräsidentin inne zu haben. Doch jetzt werde ich im Mai erstmal Volljährig. Das ist sicher auch ein Tag, an dem sich Eltern ans Loslassen gewöhnen müssen», sagt Spengler.

Das Positive am Erwachsensein geht auch in Richtung Ferienbuchung. «Endlich mal selber Reservationen, zum Beispiel für Ferien, tätigen. Auf das freue ich mich», sagt Svenja Scherrer.

Bald kommt die erste Steuererklärung

Und Eliano Lohri vervollständigt dieses gut gelaunte Trio mit seiner Meinung zur Politik:

«Bislang haben wir das Politische eher am Rande verfolgt, mit der Volljährigkeit werden wir uns ganz bestimmt intensiver damit auseinandersetzen.»

Anders Stokholm weist in seiner amüsanten Ansprache darauf hin, dass er sich zudem auch aus einem anderen Grund mit den jungen Erwachsenen mit freut. «Jetzt seid ihr mündig. Ich werde euch sehr gerne ein erstes Mal die Steuererklärung zukommen lassen», sagt er augenzwinkernd. Jetzt beginnt der Ernst des Lebens und dieser bringt selbstredend nicht nur coole Dinge mit sich, doch das Positive überwiegt an diesem Abend.

Luca Oertig und Joel Scheiwiler

Luca Oertig und Joel Scheiwiler

(Bild: Christoph Heer)

«Also zuerst wünschen wir uns eine coole Jungbürgerfeier. Dann geht es bald los mit Autofahren und auch für Themen wie Umwelt- und Klimaschutz werden wir uns beiläufig mehr interessieren», sagen Luca Oertig und Joel Scheiwiler übereinstimmend. Neue Freiheiten geniessen dank Autoprüfung, das wird von den Meisten als erstes Highlight ab 18 Jahren genannt.

Nicht anders ist das bei Lucca Zuberbühler: «Im Mai werde ich volljährig, dann mache ich mich an die Autoprüfung.» Janik Ruch hingegen erklärt, dass er es kaum erwarten kann, das Wahl- und Stimmrecht zu erhalten. «Seit vier Jahren bin ich politisch interessiert und seit einem Jahr auch aktiv bei den Jungen Grünen. Im September, wenn ich 18-jährig werde, wird an jeder Wahl und Abstimmung teilgenommen.»

Damals mit Politik noch nichts am Hut

Wie man in jungen Jahren schon eine beachtliche Polit-Karriere hinlegen kann, zeigte die aktuelle Gemeinderatspräsidentin Severine Hänni auf. «An meiner Jungbürgerfeier wollte ich einfach die Open-Air-Tickets gewinnen und hatte mit Politik noch nicht viel am Hut. Und heute, nachdem ich 2015 als Gemeinderätin gewählt wurde, präsidiere ich 39 Gemeinderäte in der Legislative und habe eine eigene Sekretärin, so schnell kann es gehen. Und übrigens; mitbestimmen und mitgestalten macht enorm Spass.»

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