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Glosse

Endlich haben die St.Galler mal wieder etwas zu feiern

Die Bundesratswahl aus satirischer Sicht eines Thurgauers.
David Angst
David Angst

David Angst

Nun ist Karin Keller-Sutter also gewählt, und die St. Galler kommen aus dem Jubeln kaum heraus. Man mag es ihnen gönnen. Sie haben ja sonst wirklich nicht viel zu lachen. Seit Jahren hören wir sie jammern, wie schlecht es «der Ostschweiz» gehe. Sie jammern darüber, dass sich keine neuen Arbeitsplätze bei ihnen ansiedeln lassen. Dass die jungen, gut ausgebildeten Leute wegziehen. Dass die Bevölkerung überaltert. Dass sie ein niedriges Bevölkerungswachstum haben. Und dass die Thurgauer nicht zur Metropolitanregion St. Gallen gehören wollen. Das haben ihnen die St. Galler bis heute nicht verziehen.

Und mitten in dieser düsteren Epoche geht nun am Adventshimmel der Stern von Bethlehem auf. So ähnlich sagte es jedenfalls ein St. Galler in der letzten «Sonntags-Zeitung». Gemeint war Karin Keller-Sutter, die erste St. Galler Bundesrätin seit Kurt Furgler (1971–1986). Nun ist auch für die Nachbarn, Thurgauer und Appenzeller, der Moment gekommen, sich vorbehaltlos mitzufreuen.

Denn man spürt: Nichts haben die St. Galler dringender gebraucht als diese Bundesrätin. Die Wahl Keller-Sutters muss ihnen vorkommen, als hätte der FCSG gerade nach einer miserablen Meisterschaftssaison den Cupfinal gewonnen. Nun können auch sie wieder einmal jubeln – und sogar die Zürcher blicken für einmal mit Bewunderung in die Ostschweiz. Die schicken ja sonst ihre Journalisten nur, wenn es etwas zu meckern gibt. Der «Tages-Anzeiger» widmete St. Gallen im Februar eine ganze Seite unter dem Titel «Hoffnung im Jammertal – Die Ostschweizer beklagen gerne den eigenen miserablen Zustand».

Die Thurgauer jammern weniger – sie haben ja auch keinen Grund dazu. In einem Interview wurde dem Olma-Direktor vor einem Jahr die Frage gestellt: «Der Thurgau scheint öfter darunter zu leiden, nicht der grösste Ostschweizer Kanton zu sein.» Das wirkt zwar etwas seltsam, so als ob jemand sagte: «Die Schweiz scheint öfter darunter zu leiden, kleiner als Deutschland zu sein.» Aber das mögen wir den St. Gallern gönnen, dass sie den grösseren Kanton haben. Wenigstens das. Denn abgesehen davon gibt es nicht vieles, worum die Thurgauer die St. Galler beneiden müssten. Dem Thurgau geht es gut – obwohl er seit 84 Jahren keinen Bundesrat mehr gehabt hat (Heinrich Häberlin, 1920–1934). In sieben Jahren ist die Zahl der Vollzeitstellen um 4,2 Prozent gewachsen. Beim Bevölkerungswachstum liegt der Thurgau weit vor den anderen Ostschweizer Kantonen. Das hat auch Nachteile. Weil so viele Zürcher, Deutsche und St. Galler in den Thurgau ziehen, droht hierzulande bald Dichtestress.

Karin Keller-Sutter selbst wird das Ganze übrigens schon richtig einordnen. In einem Interview sagte sie kürzlich sogar selber, sie sei der Meinung, dass im Kanton St. Gallen zu viel gejammert werde. Und an die Adresse der St. Galler sagte sie zudem kürzlich: «Wir dürfen die Thurgauer nicht wie Juniorpartner behandeln.» Solche Erkenntnisse kommen nicht von ungefähr. Karin Keller-Sutter ist seit ihrer Kindheit in Wil daheim, also in jener Stadt, die zu drei Vierteln vom Thurgau umgeben ist. Das prägt. Über Rickenbach, Sirnach und Münchwilen weiss sie besser Bescheid als über Schänis, Vilters und Vättis und wie die Käffer jenseits der Churfirsten alle heissen. Und deshalb seien die Thurgauer hiermit aufgefordert, ins Loblied einzustimmen auf die beste Bundesrätin aller Zeiten – oder wenigstens die beste seit Kurt Furgler.

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