En Guete unter Nachbarn: Ein Frauenfelder Ehepaar im Pensionsalter organisiert monatlich einen Mittagstisch in einem Quartierrestaurant

Mittagstischangebote auf privater Initiative sind selten. Ein Ehepaar aus dem Kurzdorf-Quartier veranstaltet seit bald sechs Jahren jeden Monat ein Essen unter Nachbarn. Pro Essen kommen bis zu 60 Personen

Mathias Frei
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Gastgeber: Ueli und Monica Huber servieren mit Gesichtsmaske die kalte Tomatensuppe.

Gastgeber: Ueli und Monica Huber servieren mit Gesichtsmaske die kalte Tomatensuppe.

(Bild: Andrea Stalder)

Hier kümmert man sich umeinander. Fehlt jemand am Nachbarschaftsmittagsessen, weiss Monica Huber sicher mehr. Nicht dass etwas passiert ist. Denn am Essen im Restaurant Eisbahn kann es nicht liegen.

Die 75-Jährige kümmert sich um ihre Gäste, die ihre Nachbarn sind. Sie und ihr vier Jahre älterer Ehemann Ueli leben Nachbarschaft, sie sind ein wenig die guten Seelen im Kurzdorf. Seit bald sechs Jahren organisiert das Ehepaar Huber monatlich einen Mittagstisch. Normalerweise gibt es eine Sommerpause. Aber die fällt dieses Jahr pandemiebedingt aus. «Denn wir konnten uns im Frühling mehrere Monate nicht sehen», sagt Ueli Huber. Ehefrau Monica begrüsst die 42 Anwesenden im Restaurant Eisbahn:

«Schön, dass ihr Lust habt, einander zu treffen.»
Für ein allfälliges Contact-Tracing: Monica Huber notiert die Kontaktangaben der Gäste.

Für ein allfälliges Contact-Tracing: Monica Huber notiert die Kontaktangaben der Gäste.

(Bild: Andrea Stalder)

Zum Dessert Birnensorbet mit Schuss

Zum Nachbarschaftsmittagessen Nummer 57 gibt es kalte Tomatensuppe, Schweinshalssteak an Pfifferling-Sauce, Nüdeli und Zucchetti sowie zum Dessert Birnensorbet auf Fruchtsalat. Das kostet 15 Franken. Das schmackhafte Essen legt den Boden für zwei fröhliche Stunden. Die vornehmlich älteren Gäste reden und lachen.

Zur Vorspeise gibt's kalte Tomatensuppe.

Zur Vorspeise gibt's kalte Tomatensuppe.

(Bild: Andrea Stalder)

«Ich habe die Ideen, während mein Mann das Büro macht», sagt Monica Huber und serviert Suppe. Insgesamt gehen jeweils gegen 90 Einladungen raus, die Hälfte per Brief. Die Hubers, die an der Schaffhauserstrasse wohnen, und ein Helfer von der Burgerholzstrasse sind um die Verteilung der Einladungen besorgt. Pro Essen kommen bis zu 60 Leute. Zumindest vom Vornamen her kennen die Hubers alle. Viele sind Stammgäste, lassen kein Essen ausfallen.

«Unsere Organisation ist effizient, ohne viel Bürokratie.»
Die Gäste im Restaurant Eisbahn.

Die Gäste im Restaurant Eisbahn.

(Bild: Andrea Stalder)

Das sagt Monica Huber. Sie arbeitete in den Anfängen auch beim von der Stadt im Kurzdorf initiierten Projekt «Älter werden im Quartier» mit. Aber die Erfüllung fand sie dort nicht, es war ihr zu formell. Gleichwohl war es ihr wichtig, etwas in der Nachbarschaft zu bewegen, die Menschen zusammenzubringen. Monica Huber ist ursprünglich aus Osterhalden, das Kurzdorf kannte sie schon früh. Dann liess sie Frauenfeld hinter sich, arbeitete als Hauswirtschaftslehrerin, lernte ihren Mann kennen– und zog mit ihm wieder zurück in die Thurgauer Kantonshauptstadt, eben ins Kurzdorf.

Wirt Emanuel Inäbnit richtet die kalte Tomatensuppe an.

Wirt Emanuel Inäbnit richtet die kalte Tomatensuppe an.

(Bild: Andrea Stalder)

«Bei uns waren die Türen schon immer offen für Besuch.» In ihrer Wohnung hätten sie aber für maximal 15 Gäste Platz, sagt Monica Huber. Als die Hubers ihrem Nachbarn Rolf Sommer, dem damaligen Wirt des Restaurants Eisbahn, die Idee für einen Mittagstisch präsentierten, meinte der, ab zehn Reservationen mache er mit. Und beim ersten Mal kamen gleich 20 Kurzdorfer. Sommers gastronomischer Nachfolger, Emanuel Inäbnit, führt das Abgebot mit Freude fort. «Beim Nachbarschaftsmittagessen koche ich nach alter Schule. Das schätzen die Leute», sagt er. Bei ihm gibt’s Nachservice und einen Schwatz. Zum Birnensorbet fragt er an den Tischen:

«Darf es ein Schlückli alte Birne sein?»

Ein Heimkommen für Kurzdorfer im Exil

«Uns war wichtig, mit dem Mittagessen die lokale Gastronomie zu berücksichtigen. Umso besser, dass das Restaurant mitten im Quartier ist», sagt Ueli Huber. Und seine Ehefrau sagt, der Mittagstisch sei oft auch ein Heimkommen für ehemalige Kurzdorfer. So hätten hier auch schon Leute erstmals nach über 20 Jahren ein Wiedersehen gehabt. Sie erzählt:

«Brauchen wir Unterstützung beim Organisieren, springt eine Nachbarin ein.»
Sabina Ruff, Bereichleiterin Sozialraum, Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung, Stadt Frauenfeld.

Sabina Ruff, Bereichleiterin Sozialraum, Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung, Stadt Frauenfeld.

(Bild: PD)

Sabina Ruff ist nicht minder begeistert wie die Mittagstischgäste. Das Ehepaar Huber habe sich im Quartier ein riesiges Netzwerk aufgebaut, das man ständig bewirtschaften müsse. Dahinter stecke viel Arbeit. «Ich kenne nichts Vergleichbares», sagt die Bereichsleiterin Sozialraum beim städtischen Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung. «Bis zum nächsten Mal»: So verabschieden sich die letzten Gäste gut gelaunt um 14 Uhr.

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