Elias Haffter
Ein Frauenfelder Reiseblogger aus dem 19. Jahrhundert

Im historischen Museum Frauenfeld referierte Kuratorin Barbara Richner über Elias Haffter. Er war Ende des 19. Jahrhunderts das, was man heute einen Reiseblogger nennt: weltgewandt und amüsant zu lesen. Hinzu kommt: Er war auch noch im Thurgau verwurzelt.

Christof Lampart
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Elias Haffter hat von seinen Reisen Souvenirs mitgebracht.

Elias Haffter hat von seinen Reisen Souvenirs mitgebracht.

Bild: PD

Um Reisen und Reportagen ging es: Barbara Richner, Sammlungskuratorin des Naturmuseums Thurgau, präsentierte das Schaffen des Frauenfelder Arztes Elias Haffter (1851 bis 1909).

Sammelkuratorin des Naturmuseums Thurgau: Barbara Richner.

Sammelkuratorin des Naturmuseums Thurgau: Barbara Richner.

Bild: Christof Lampart

Haffter, 14. und jüngstes Kind einer Weinfelder Arztfamilie, fand in Frauenfeld, wohin er 1879 nach Studium und seinen Jahren als Assistenzarzt umzog, rasch gesellschaftlichen Anschluss. Unter anderem als Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft Thurgau. Da er selbst kränklicher Natur war – ihn plagte zeitlebens ein hartnäckiges Nierenleiden – reiste er regelmässig in ferne und zumeist wärmere Gefilde, um zu kuren. Von da brachte er Souvenirs mit, die in und um Frauenfeld für Aufsehen sorgten: ein Walrossschädel aus Skandinavien, Litschis aus China oder das Gehörorgan eines Wals. Dass diese Dinge 1934 in der naturhistorischen Sammlung des Thurgaus landeten, obwohl sie keinen natürlichen Bezug zum Thurgau haben, erachtete Referentin Richner nichtsdestotrotz als Glücksfall, denn:

«Die Person Haffters ist hochinteressant.»

Den Nerv der Zeit getroffen

Das Historische Museum Frauenfeld veranstaltet die Referatsreihe «Museumshäppli».

Das Historische Museum Frauenfeld veranstaltet die Referatsreihe «Museumshäppli».

Bild: Donato Caspari (18.11.2016)

Interessant war Haffter vor allem deshalb, weil er die Thurgauerinnen und Thurgauer im ausgehenden 19. Jahrhundert mit regelmässigen Reiseberichten in der «Thurgauer Zeitung» unterhielt. Haffters «Briefe aus dem Fernen Osten», die er auf seiner Weltreise 1883 schrieb, hatten nicht nur im Thurgau Kultstatus, sondern begeisterten auch einen Schriftsteller wie Gottfried Keller (1819 bis 1890). Dieser beglückwünschte den jungen Kollegen brieflich für seine Fähigkeit, fremde Dinge und Begebenheiten um sich herum genau zu betrachten sowie lebhaft und spannend zu beschreiben. Auch Barbara Richner empfahl dem Publikum Haffters Briefe zur Lektüre:

«Die Bücher kann man in der Kantonsbibliothek lesen. Und es lohnt sich, denn Haffter hat damals mit seinen Schilderungen den Nerv der Zeit getroffen. Das spürt man heute noch, wenn man seine Briefe liest.»

Geschichte in 30 Minuten

Die Vorstellung von Haffters Schaffen fand im Rahmen der Kurzreferatsreihe «Museumshäppli» statt, zu der das Historische Museum im Schloss Frauenfeld regelmässig einlädt. Das nächste «Häppli» wird interessierten Besuchern am 24. Juni serviert. Es trägt den Namen «Game over» und dreht sich darum, weshalb 1900 einige Kinder spielen sollten, andere wiederum nicht. Am 29. Juni geht es um kunstvolles Klöstergestühl im Kloster St. Katharinental. Und am 26. August geht es um «Sprechende Wände», also um die Ostschweizer Tapetenkultur. (red)

Zwar fehlen zu vielen Objekten, die Haffter dem Thurgau hinterliess, die genaueren Angaben über den Zeitpunkt und die Art des Erwerbs, aber verbunden mit den lebhaften Reiseschilderungen, käme ihnen doch ein historischer Wert zu, urteilte Richner. Zumal sich Haffter selten mit Banalem abgab, sich aber für vieles interessierte. Als Arzt waren ihm medizinische Themen ebenso ein Anliegen wie auch die lokalen Gebräuche, die Infrastruktur eines Ortes oder auch die klimatischen Bedingungen einer Region.

«Er hatte einen wachen Blick für Fremdes und verstand es, lustvoll zu schreiben – wie es heutzutage auch Reiseblogger tun», so Richner.