Kommentar
Elektromobilität: Die Politik ist noch langsam unterwegs

Die Wirtschaft investiert bereits fleissig in Elektrofahrzeuge und Ladestationen. Auch der Thurgau ist vorbildlich unterwegs und einer der ersten Kantone, die Elektromobilität gezielt fördern. Doch die Mühlen der Politik mahlen langsam.

Larissa Flammer
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Larissa Flammer, Redaktorin Ressort Kanton, Thurgauer Zeitung. (Bild: Andrea Stalder)

Larissa Flammer, Redaktorin Ressort Kanton, Thurgauer Zeitung. (Bild: Andrea Stalder)

Elektroautos sind immer noch eine Seltenheit auf Ostschweizer Strassen. Doch die Überzeugung, dass den stillen und umweltfreundlicheren Fahrzeugen die Zukunft gehört, hat die Wirtschaft erreicht. Fast im Wochentakt wird irgendwo eine neue Ladestation für Elektrofahrzeuge in Betrieb genommen.

Weil das Angebot zurzeit die Nachfrage übertrifft, können längst nicht alle E-Tankstellen kostendeckend betrieben werden. Manche Standorte werden zwar täglich genutzt, andere jedoch weniger als einmal im Monat. Umso löblicher ist es, dass so viele Unternehmen in die Ladeinfrastruktur für Elektroautos investieren. Darunter auch die St.Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK), die den Kantonen gehört. Seit vergangenem Frühling ist sie auch im Thurgau aktiv.

Die EKT AG, das Thurgauer Energieunternehmen, die wie die SAK öffentlich ist, geht einen anderen Weg. Sie betreibt keine öffentlichen E-Ladestationen, sondern setzt individuelle Kundenlösungen um. Tatsächlich lässt sich darüber streiten, ob ein flächendeckendes Netz an öffentlichen Ladestationen nötig ist. Die meisten Elektroautos werden wohl über Nacht zu Hause oder tagsüber am Arbeitsplatz aufgeladen. Dort stehen die Fahrzeuge lange still und können ohne Lastspitzen aufgeladen werden.

Damit Herr und Frau Ostschweizer auf ein Elektroauto umsteigen, sind öffentliche Ladestationen trotzdem wichtig. Mietern beispielsweise ist es nicht immer möglich, ihr Auto beim Wohnhaus einzustöpseln, ohne dass die Stromrechnung des Nachbarn belastet wird. Ausserdem entspricht es dem Sinn der Sache, Elektrofahrzeuge mit möglichst sauberer Energie zu betanken. Den Strommix können längst nicht alle Mieter selber wählen.

Der Kanton Thurgau geht die Trendwende daher proaktiv an. Vom Grossen Rat damit beauftragt, hat die Regierung einen Grundlagenbericht mit Massnahmen zur Förderung der Elektromobilität erstellen lassen. Was die Kantonsräte vom Bericht halten, wird sich jedoch erst 2019 zeigen. Schon jetzt sind mehr als zwei Jahre vergangen, seit der Antrag des Grossen Rats gutgeheissen wurde. In einem sich rasant entwickelnden Bereich wie der Elektromobilität sind zwei Jahre eine lange Zeit. Die Wirtschaft kann deutlich schneller reagieren als ein Kanton, der auf die Mühlen der Politik warten muss. Trotzdem steht der Thurgau im Vergleich gut da. Die St. Galler Kantonsregierung hat erst vor einem Jahr den Auftrag erhalten, über das Potenzial der Elektromobilität Bericht zu erstatten. Resultate lassen noch auf sich warten.