Elefantenfuss als Schirmständer: Das Thurgauer Naturmuseum bewahrt Zeitzeugen auf

Die Sammlung des Thurgauer Naturmuseums umfasst 120'000 Tiere und Pflanzen und einige spezielle Objekte.

Thomas Wunderlin
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Kuratorin Barbara Richner (r.) mit Sammelobjekten.

Kuratorin Barbara Richner (r.) mit Sammelobjekten.

Christof Lampart

Der Frauenfelder Handtaschenhersteller Lady vermachte vor Jahren dem Naturmuseum einen Elefantenfuss. Aus ethisch nachvollziehbaren Gründen wollte er ihn nicht mehr an Messen als exotischen Schirmständer herzeigen.

In den Depots des Thurgauer Naturmuseums in Frauenfeld liegen 120'000 Tiere und Pflanzen aller Arten und 10'000 dazu passende Dokumentationen wie Bilder, Zeichnungen, Fotos, Listen und Bücher. «Das meiste sind natürlich Insekten, und auch die Pflanzen brauchen nicht so viel Platz», sagt Sammlungskuratorin Barbara Richner.

Thurgauer Bezug in irgendeiner Form ist wichtig

Am «Nationalen Tag der naturhistorischen Sammlungen» hatte sich Richner im dritten Stock des Museums eingerichtet und wartete während zweier Stunden auf Besucher, die sich ein Bild über den Nutzen der Bibliothek des Lebens – denn um nichts anderes handelt es sich bei einer naturhistorischen Sammlung – machen wollten.

Die heutigen Naturmuseen gehen auf die Kuriositätenkabinette des 18. Jahrhunderts zurück. Und in einem solchen fühlt man sich auch am Sonntag angekommen.

Denn die Präparate, die auf Tischen ausgebreitet liegen, sind dazu angetan, einen das gesamte emotionale Spektrum von Belustigung bis hin zur Empörung empfinden zu lassen.

Und sie sind auch Zeugen ihrer Zeit, so wie der Elefantenfuss. Damit dieses fragwürdige Objekt seinen Weg in die Thurgauer Sammlung fand, war die Verbindung zum Taschenunternehmen wichtig, wie Richner erklärt: «Wenn etwas nicht im Thurgau in der freien Natur vorkommt, dann nehmen wir es nur in unsere Sammlung auf, wenn es einen Bezug zum Thurgau hat oder eine fantastische Geschichte erzählt, in der der Thurgau vorkommt.»

Sammlung wächst durch Schenkungen

Dies ist bei der Nashornhaut, welche der Arboner Afrikaforscher Alfred Kaiser (1862–1930) dem Staat vermachte, ebenso der Fall wie auch beim Gehörgang eines Walfischs, den der Frauenfelder Arzt und Reiseschriftsteller Elias Haffter (1851–1909) aus Nordskandinavien mitbrachte.

Wer dem Museum einst den reichverzierten Elefantenstosszahn schenkte, ist hingegen nicht mehr zu eruieren. Alles, was man heute noch über das ebenso mächtige wie auch prächtige Stück Elfenbein weiss, ist, dass es einst aus Beirut den Weg in die Ostschweiz antrat.

Schenkungen sind laut Richner auch heute noch der übliche Weg, mit dem die Sammlungen der Naturmuseen erweitert werden.

«Wir selbst haben heute gar nicht die Zeit und die Ressourcen dafür, selbst aktiv Dinge zu sammeln oder auch nur in Auftrag zu geben.»