EKT baut am Untersee und auf dem Seerücken in den nächsten Wochen insgesamt 68 Strommasten zurück

Dominoeffekt auf dem Seerücken: Zwischen Kaltenbach und Lanzenneunforn demontiert das EKT knapp 70 Freileitung-Strommasten. Eine Herausforderung.

Samuel Koch
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Noch stehen die Strommasten zwischen Ammenhausen und dem Wallfahrtsort Klingenzell ob Eschenz.

Noch stehen die Strommasten zwischen Ammenhausen und dem Wallfahrtsort Klingenzell ob Eschenz.

(Bild: Stefan Hilzinger)

Für den Startschuss ist alles in die Wege geleitet. Nach den Vorbereitungsarbeiten geht es am Montag los mit dem Rückbau der Stromleitung Hasli-Schlattingen der Axpo und des Elektrizitätswerks des Kantons Thurgau (EKT). Weil auf der Etappe zwischen Kaltenbach und Lanzenneunforn neuerdings eine Erdkabelstromleitung mit neuer 17-Kilovolt-Spannung vergraben liegt, fallen auf diesem Abschnitt nun 68 Strommasten wie Dominosteine – nur langsam.

Denn so rasch und einfach gehen die Rückbauarbeiten nicht vonstatten, wie René Gaus als zuständiger Bereichsleiter beim EKT erklärt: «Alleine die Demontage der Stromseile dauert zirka drei Monate.» Kostenpunkt des ganzen Rückbaus: zwei Millionen Franken.

Zug- und Bremsmaschine rollen Seil kontrolliert ab

René Gaus, Bereichsleiter EKT.

René Gaus, Bereichsleiter EKT.

(Bild: Donato Caspari, 2010)

Zuerst ersetzen geübte Netzelektriker in luftiger Höhe auf jedem Strommasten die Isolatoren durch Rollen. Danach stellen sie bei zirka jedem zehnten Masten eine leichte Zug- und Bremsmaschine auf. Gaus sagt:

«So können wir das tonnenschwere Leiterseil durch ein dünneres, leichteres Seil ersetzen und kontrolliert zu Boden bringen.»

Nachdem das dünnere Seil eingerollt ist, demontieren die Mitarbeiter die einzelnen Masten und tragen die Betonsockel ab. Die Leiterseile haben nach rund 50 Jahren in Betrieb ausgedient und werden fachgerecht entsorgt, die Sockel aus Beton und Armierungseisen wiederum in ihre Einzelteile zerlegt und das Material wiederverwendet. «Diese Arbeiten dauern sicher noch bis im Herbst an», meint Gaus.

Über Felder, Wiesen, Strassen und quer durch Wälder: Die bisherige Freileitung machte selbst vor topografisch speziellen Verhältnissen und Infrastrukturen nicht Halt. Deshalb könnten für die Demontage hie und da einzelne Strassenabschnitte oder Felder gesperrt werden. «Die Sicherheit geht vor», betont Gaus.

Langer Rechtsstreit wegen vieler Einsprachen

Und weil die Abbrucharbeiten der Masten länger dauern, sind darin viele Landeigentümer oder Landwirte involviert. «Wir stehen in ständigem Austausch, weil Kulturfolgen unsere Planung beeinflussen können», meint Gaus.

Speziell sei das jetzige Projekt nur bedingt. «Das EKT verkabelt jedes Jahr rund sieben Kilometer», sagt Gaus. Er zeigt sich aber erleichtert, dass der jetzige Abschnitt als «langatmiges Projekt mit langer Vorgeschichte» zurückgebaut werde. 2008 gipfelten Axpo-Pläne für eine neue Freileitung Hasli-Schlattingen in einem langen Rechtsstreit, weil viele Einsprachen eingegangen waren. Zwölf Jahre danach bestimmte der Bund, dass die Leitung verkabelt ins Erdreich gehört. Somit erleiden die Masten nun den Dominoeffekt.

REGION: Die Masten sollen fallen

Die Axpo will auf einer Strecke von 16,5 Kilometern die Freileitung durch eine Erdverkabelung ersetzen. Zudem soll die Spannung von 50 auf 110 Kilovolt erhöht werden. Das Projekt liegt noch bis heute öffentlich auf.
Rahel Haag