Eisenwerk Frauenfeld schmiedet neue Eisen

Frauenfelds kulturelles Epizentrum stellt sein neues Programm vor – mit Bewährtem und Neuem.

Dieter Langhart
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Claudia Rüegsegger und Rebekka Ray inmitten der Kulissen des Projekts «KartonAge» in der Shedhalle.Bild: Dieter Langhart

Claudia Rüegsegger und Rebekka Ray inmitten der Kulissen des Projekts «KartonAge» in der Shedhalle.Bild: Dieter Langhart

Hei, 35 Jahre alt ist die Genossenschaft Eisenwerk, vereint Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit unter einem Dach, dem Dach einer ehemaligen Schraubenfabrik, entstanden im Nachbeben der 1980er-Unruhen, als allerorts Kulturzentren entstanden als Gegenentwürfe zu den etablierten Häusern.

Seit Anbeginn, seit 1988 durchdringt Kultur das mächtige Gebäude im Kurzdorf; nicht zuletzt, um den Umbau mitzufinanzieren. Kultur bespielt Saal, Shedhalle und Beiz im Parterre und das Theater im ersten Stock. Was wo wann läuft, das tüfteln sieben Programmgruppen mit insgesamt dreissig Mitgliedern aus. Freiwillig, aber unterstützt von einer Geschäftsstelle. Claudia Rüegsegger betreibt sie und hat selbst 40 Jahre Kindertheater gemacht.

«Die Metal-Konzerte haben zugenommen»

Eine Chefin gibt’s nicht bei «Kultur im Eisenwerk», nur einen Ausschuss der sieben Programmgruppen; ihn leitet Rebekka Ray, Kunsthistorikerin und Kuratorin. «In jedem Bereich haben wir Fachleute», sagen die beiden, «das Spezialwissen ist in den Programmgruppen konzentriert.» Claudia Rüegsegger lacht: «Seit wir einen Metal-Fan in der Gruppe ‹Sounds› haben, nehmen die Metal-Konzerte zu.» Das sei gut so, sagt sie. «Jede Programmgruppe hat ihre Handschrift – die wechselt mit den Beteiligten.» Die aber nicht so leicht zu finden seien. «Kommt und wollt etwas bei uns», sagt Claudia Rüegsegger. «Hier könnt ihr lernen, wie man Veranstalter wird.»

Rebekka Ray spricht von einer Herausforderung, die andauere: «Wie können wir die lebendige Szene von damals in die Jetztzeit hinüberretten?» Kultur im Eisenwerk muss sich also Jahr für Jahr neu positionieren. Claudia Rüegsegger nennt es einen «Dauerspagat zwischen dem Anspruch an Qualität und Relevanz und der Erwartungshaltung der Besucher: Wie schaffen wir Zugänge, ohne banal zu sein?» Für Rebekka Ray sind Formate wichtig, bei denen sich Besucher einbringen können, wie bei den interaktiven Veranstaltungen der Programmgruppe «Funken» für alle Altersgruppen. Das Theater verstärkt Kooperationen, arbeitet vertieft mit den Theaterblitzen des Bilitz zusammen und bietet mehr Schulvorstellungen an – ab Februar auf allen Stufen. Sogar SRF ist auf das Eisenwerk aufmerksam geworden: Bei «8x15» am 29.11. treten acht besondere Bands je fünfzehn Minuten auf.