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Esel wollen Esel bleiben: Die Berlinger sind sich einig über die Autonomie

Den Mangel an Gemeinderatskandidaten hat die Unterseegemeinde Berlingen zum Anlass genommen, an einem Podium über ihre Zukunft zu debattieren. Trotz vieler Ideen sind die Teilnehmer in einem Punkt einer Meinung. Zudem stellten sich die zwei Kandidaten für die Ersatzwahl in den Gemeinderat von Ende September vor.
Samuel Koch
Die Podiumsteilnehmer diskutieren in der Unterseehalle: Olivier Kasper, Gemeindepräsidentin Annemarie Moret, Moderator Ueli Oswald, Astrid Kern, Gemeinderat Markus Oehler und Rahel Grand. (Bild: Andrea Stalder)

Die Podiumsteilnehmer diskutieren in der Unterseehalle: Olivier Kasper, Gemeindepräsidentin Annemarie Moret, Moderator Ueli Oswald, Astrid Kern, Gemeinderat Markus Oehler und Rahel Grand. (Bild: Andrea Stalder)

«Wie viel Selbstständigkeit wollen wir als Gemeinde?» – Dieser Frage sind am Mittwochabend bei einem Podiumsgespräch Mitglieder aus dem Gemeinderat, aber auch einfache Bürger nachgegangen. Rund hundert Berlinger, die man am Untersee als Esel kennt, wollten sich die Diskussion über die aktuelle Situation und die Zukunft der Unterseegemeinde nicht entgehen lassen. Das entspricht etwa einem Neuntel der ganzen Dorfbevölkerung.

Kantonsrat Ueli Oswald begrüsste die Teilnehmer mit dem Grund für das Podium: «Der Gemeinderat hat gebeten, dass wir uns für die bevorstehenden Wahlen treffen.» Denn noch fehlen der Gemeinde Kandidaten für die Nachfolge der 2019 zurücktretenden Gemeindepräsidentin Annemarie Moret und der Gemeinderätin Marion Mazzocchi. «Die raschen Zusagen aller Podiumsteilnehmer stimmt mich aber positiv», sagte Oswald, eher er die Redner vorstellte. Einerseits von der Behörde zugegen waren Gemeindepräsidentin Moret und Gemeinderat Markus Oehler. Andererseits weniger politisch engagiert, aber nicht minder bekannt, standen Astrid Kern, Rahel Grand und Olivier Kasper den Fragen des Moderators Rede und Antwort.

Gemeinde stärken als grosses Ziel

Die bevorstehenden Ersatzwahlen waren dann beim rund einstündigen Podium auch das zentrale Thema. Um als Milizler alles unter einen Hut zu bringen, müsse viel zusammenstimmen, sagte Markus Oehler. «Es braucht einen flexiblen Arbeitgeber und eine verständnisvolle Familie», meinte er. Klar sei es möglich, weitere Berlinger Geschäfte auszulagern, wie bei der Vorberatung von Baugesuchen nach Steckborn. «Aber es muss das Ziel sein, die Gemeinde zu stärken und selbstständig zu bleiben», sagte er. Bezüglich zukünftiger Autonomie der bevölkerungstechnisch zehntkleinsten Gemeinde im Kanton waren sich alle einig.

«Es wäre schade, wenn die Gemeindeverwaltung irgendwann nach Steckborn oder Salenstein zügeln würde.»

sagte Astrid Kern. Es sei wichtig, dass die Berlinger ihre Anliegen im Dorf selbst platzieren können. «Das ist viel persönlicher», sagte sie. Die Jungspunde in der Runde teilen diese Meinung. «Ich setze mich dort im Dorf ein, wo ich kann», sagte Olivier Kasper, der neu in der Sozialhilfekommission sitzt und sich im Turnverein und in der Feuerwehr engagiert. Auf die Frage, ob er sich ein Mandat im Gemeinderat dereinst vorstellen könnte, sagte er wie ein Polit-Profi: «Ich schliesse das nicht kategorisch aus.» Aber wenn, dann müsse man mit Herzblut, Interesse und Elan dahinter stehen. Rahel Grand, die erst seit rund zwei Jahren am Untersee wohnt, sieht primär ein Problem für den Mangel an Kandidaten. Einwohner in ihrem Alter seien untervertreten an solchen Anlässen oder an Gemeindeversammlungen. «Man kann mitentscheiden, das ist doch interessant», warb sie für mehr politisches Engagement. Auf eine spontane Aufforderung von Olivier Kasper, sich an der Diskussionsrunde zu beteiligen, reagierte das Plenum nicht.

Fünf Wünsche für die Zukunft

Auf das Thema Kommunikation fokussierte Moderator Ueli Oswald auch danach noch. «Gibt es eine Zusammenarbeit etwa mit der Kirchbehörde?», fragte er. Nur projektbezogen, entgegnete Markus Oehler. Oswald wollte auf den Stunk betreffend abgelehnten Kindergarten-Projekt zu sprechen kommen und meinte: «Es braucht doch einen Austausch über den Gartenhag hinaus.» – «Dafür bist doch Du die geeignete Person», meinte Annemarie Moret und erntete spontanen Applaus. Angesprochen auf Kontakte zwischen dem Gemeinderat und hiesigen Unternehmer meinte Moret: «Gespräche gibt es nicht sehr oft.» Es brauche aber nicht immer nur die Initiative des Gemeinderates, «sondern Gegenseitigkeit.» Ähnliche Kritik gab es von einem Besucher. «Wie sollen sich Zuzüger integrieren, ohne dass sie in einem Verein oder politisch mitwirken?» – «Jeder kann sich jederzeit melden», meinte Moret. Für Olivier Kasper sind Offenheit und gegenseitiger Respekt entscheidend. «Und dass wir solche Anlässe wie diesen haben.»

Zum Schluss hatte jeder noch einen Wunsch frei. «Ich hoffe, dass ich bei einer Gemeindeversammlung in 20 Jahren nicht mehr die jüngste bin», sagte Rahel Grand. «Ich hoffe, dass sich dann immer noch alle wohlfühlen», sagte Kasper. Gemeindepräsidentin Moret hofft auf ein weiterhin intaktes Vereinsleben mit guter Infrastruktur, «wie wir es heute auch haben». Astrid Kerns Wunsch geht in Erfüllung, wenn es in Berlingen auch in Zukunft eine eigene Schule gibt. Und Markus Oehler schloss mit der Aussage, dass sich jeder für den Gemeinderat melden solle, «der will und kann. Denn wir kennen ja nicht alle.»

Kandidaten für Kampfwahl stellen sich vor

Für die Nachfolge des im Juli zurückgetretenen Gemeinderat Marius Brugger (Bau), stehen zwei Kandidaten in den Startlöchern für die Ersatzwahl am 23. September: Gerold Burger und Christoph Zimmermann. Im Anschluss ans Podium stellten sich die beiden vor und beantworteten Fragen von Ueli Oswald. «Ich sehe Berlingen wie das kleine Gallien bei Asterix und Obelix», zog Burger eine Analogie zum französischen Comic und ergänzte: «Wir sind nicht Klein-Steckborn oder Salenstein West.» Für den selbst ernannten Querdenker Zimmermann benötige es in Berlingen primär etwas: «Um professionell zu arbeiten, braucht es für das Gemeinderatspräsidium ein Pensum von 80 bis 100 Prozent.» (sko)

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