Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Einem Frauenfelder Bijou geht die Luft aus

Den Bastel- und Geschenkladen «S’Bijou» gibt es seit 23 Jahren. Nun sind seine Tage gezählt. Nicht zuletzt aufgrund rückläufiger Umsatzzahlen geht es an der Rheinstrasse 10 in Frauenfeld nicht mehr weiter.
Evi Biedermann
Ein schmerzvoller Abschied: Gabriela Meile schliesst schon bald ihren Bastel- und Geschenksladen. (Bild: Evi Biedermann)

Ein schmerzvoller Abschied: Gabriela Meile schliesst schon bald ihren Bastel- und Geschenksladen. (Bild: Evi Biedermann)

Tage wie dieser hätten den Laden gerettet. Zwei oder drei pro Monat hätten gereicht, ist Gabriela Meili überzeugt. Die Mitinhaberin der Geschenk- und Bastelboutique «S’Bijou» steht an diesem Morgen nur an der Kasse. Und die klingelt. Als wäre Weihnachten, mitten im Frühling. Der plötzliche Ansturm auf den Laden hat seinen Grund. «Ein kleines Inserat in der Zeitung hat uns auf die Geschäftsaufgabe aufmerksam gemacht», sagen zwei Frauen. 50 bis 70 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment, heisst es da. Deswegen seien sie nicht gekommen, versichern die beiden Kundinnen.

«Die Leute haben vermehrt im Internet oder in Konstanz eingekauft.»

Vielmehr sei es eine Notsituation. «Wo kaufen wir künftig unsere Bastelsachen?», hätten sie sich gefragt. «S’Bijou» sei der einzige Laden in Frauenfeld, wo man alles finde, was das Bastlerherz begehre. «Schade, sehr schade», mischt sich eine weitere Kundin in die Unterhaltung ein. «Verloren geht nicht nur das riesige Sortiment, sondern auch die mit viel Herzblut betriebene Beratung.»

Nach Ladenschluss: Gabriela Meili muss zuerst ein paar Mal durchatmen. Zu viele Emotionen haben sich angestaut. An diesem Tag und schon seit Wochen und Monaten. «Der Entschluss, den Laden aufzugeben, fiel mir schwer und schmerzt noch immer», sagt sie nach 23 Jahren Arbeit im «S’Bijou». Dem Laden ging es lange Jahre gut. So gut, dass auch Mitinhaberin Hanni Gubser und zwei Angestellte ein Auskommen fanden. Seit etwa vier Jahren jedoch ist der Umsatz rückläufig. An Kundschaft habe es nie gefehlt, sagt Gabriela Meili. Die Kaufbereitschaft sei jedoch immer kleiner geworden. Ganz im Gegensatz zum Aufwand. «Wir wurden immer mehr zu Auskunftspersonen und Ideenlieferanten.» Eingekauft wurde dann im Internet oder in Konstanz. Das habe man ihr zum Teil direkt ins Gesicht gesagt. Auch sei es vorgekommen, dass in ihrem Geschäft um Ersatz für mangelhafte Ware gebeten wurde, die auswärts gekauft worden war. «Einmal klebte sogar das Preisschild eines Konstanzer Geschäfts noch am Artikel», erinnert sich Gabriela Meili.

Vermieter liess nicht mit sich verhandeln

Ausschlaggebend für den Entscheid waren aber letztlich der altersbedingte Rückzug ihrer Geschäftspartnerin und der auslaufende Mietvertrag an der Rheinstrasse 10. Der Vermieter wollte wieder einen längerfristigen Vertrag und liess nicht mit sich verhandeln. «Das sind die Fakten», sagt Gabriela Meili, während ihr Blick über die Regale gleitet. Dort sieht es aus, als wäre eben alles aufgefüllt worden. Kleine und kleinste Teile liegen fein sortiert in kleinen Behältern neben Zierbändern, Farben, Bastelbüchern, Karten, Stempeln, Stanzern, Kerzen und fixfertigen Geschenkartikeln nebeneinander. «Alles muss raus», heisst es im Inserat auch. Wie das wohl geht, trotz der fetten Rabatte, denkt man sich bei dieser Fülle von Artikeln. Zurückgeben kann Gabriela Meili nur ganz wenig, denn alles, was sie verkauft, ist auch bezahlt. Hätte sie noch offene Rechnungen bei ihren Lieferanten, sähe es ganz anders aus. «Manch einer würde wohl kommen und seine Ware abholen.»

«S’Bijou» ist sicher noch bis Ende Mai offen. Offen ist auch die berufliche Zukunft von Gabriela Meili. «Ich habe Ideen», sagt die 46-jährige Geschäfts- und Familienfrau. Noch aber sei es zu früh für eine ernsthafte Auseinandersetzung damit. Etwas möchte sie am Ende unseres Gesprächs noch loswerden. Es tue weh, «S’Bijou» aufzugeben. «Ich bin aber auch dankbar für die vielen guten und schönen Jahre zuvor, die ich mit dem Laden, meinem Team und mit vielen Kundinnen erlebt habe», sagt sie und verabschiedet sich mit einem festen Händedruck.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.