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Eine unterschätzte Künstlerin ist in der Kartause Ittingen zu entdecken

Das Kunstmuseum Thurgau in Warth und das Helen-Dahm-Museum in Oetwil am See präsentieren eine Retrospektive über das Werk von Helen Dahm. Hinter dem Projekt steckt viel Arbeit und Begeisterung der Macher.
Christine Luley
Kuratorin Stefani Hoch bereit die Helene-Dahm-Ausstellung in der Kartause Ittingen vor. (Bild: Andrea Stalder)

Kuratorin Stefani Hoch bereit die Helene-Dahm-Ausstellung in der Kartause Ittingen vor. (Bild: Andrea Stalder)

Wenn die Besucher und Besucherinnen durch die Ausstellung «Helen Dahm – Ein Kuss der ganzen Welt» im Kunstmuseum Thurgau wandeln und Helen Dahms Bilder und Objekte auf sich einwirken lassen, freut sich Stefanie Hoch, die Kuratorin. Denn ihre Arbeit ist angekommen und bringt den Menschen Kunst näher. Sie blickt mit Museumsdirektor Markus Landert und den Mitarbeitern auf eine intensive Vorbereitungszeit zurück. Die vergangenen zwei Jahre waren geprägt durch die Ausarbeitung des Konzeptes, die Suche und Auswahl der Ausstellungsstücke, das Erstellen von Publikationen, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Organisation der Transporte der Werke. Ein Grund dafür, Helen Dahm ins Zentrum zu setzen, ist der 50. Todestag der Malerin, ein weiterer der Nachlass von Regula Witzig, die im Jahr 2016 Briefe, Fotografien und Ausstellungsdokumente an das Helen-Dahm-Museum in Oetwil vermacht hat.

Aus dem Umkreis des «Blauen Reiters»

«Wir sind nicht die Ersten, die ihr Werk aufarbeiten», sagt Stefanie Hoch. «Uns war bewusst, dass es nicht einfach sein wird, etwas Neues zu finden.» Sie erzählt, wie Helen Dahm zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Künstlergruppe Der Blaue Reiter kennengelernt hat. Eine Anfrage des Kunstmuseums Thurgau bei der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung hat diese Kontakte bestätigt. 1906 reist Dahm mit ihrer Lebensgefährtin Else Strantz in die damalige Kunstmetropole München, wo sie Exponenten des «Blauen Reiters» wie Münter, Wassily Kandinsky und andere kennenlernte. Bei der Vorbereitung der Ausstellung förderten Hoch und Landert biografische Details zu Tage, die in der Monografie zur Ausstellung nachzulesen sind. Die Kuratorin berichtet von ihrer Suche nach spannenden Bildern, in der ETH, im Kunsthaus und im Stadthaus Zürich. Wie sich Türen öffneten und Angebote für Leihgaben von Privaten eintrafen. In der Ausstellung sind auch Bilder des indischen Meher Baba Charitable Trust zu sehen.

«Als Helen Dahm vom Flug der ersten Sputnik-Rakete erfuhr, warf sie den Pinsel quer durch den Raum.»
Stefanie Hoch, Kuratorin

«Dabei sieht man die Umbrüche in Helen Dahms Leben», erklärt Hoch. Eine ungewöhnliche, interessante Frau, diese Helen Dahm. Geboren 1878 in Egelshofen bei Kreuzlingen und gestorben 1968 in Männedorf. Mit 60, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, zog die Künstlerin nach Indien in einen Frauen-Ashram, ein klosterähnliches Meditationszentrum, schuf dort Wandmalereien für das Meher Babas Grabmal, die sich bis heute erhalten haben. Nach einem Jahr kehrte sie 1939 schwer krank in die Schweiz zurück. Die Kuratorin ist überzeugt, dass Dahms Werk unterschätzt wird. Man versuche der Künstlerin gerecht zu werden, und sie in einem neuen Licht zu zeigen. Durch Bilder aus den verschiedensten Epochen entsteht ein spannungsvoller Dialog. So wird Helen Dahms Selbstbildnis von 1952, mit Seifenblasen auf Hinterglasmalerei, einem undatierten Foto eines unbekannten Fotografen gegenübergestellt.

Klimaprotokolle und optimale Lichtverhältnisse

Eine Ausstellung bringt technische und logistische Herausforderungen mit sich. Bei Ankunft des Bildes wird ein Zustandsprotokoll erstellt, in dem allfällige Kratzer festgehalten werden. Bei der Präsentation sind zudem die Auflagen der Leihgeber zu beachten. Einzelne Museen verlangen, dass ihre Bilder nicht an Aussenwänden hängen. Andere wollen einen Alarm direkt am Ausstellungsstück, fordern die Aufzeichnung von Klimaprotokollen an. Optimale Lichtverhältnisse sind auch ein Thema. Kurz vor der Eröffnung sorgen die Museumstechniker Gianni Kuhn und Uwe Fuchs mit weissen Handschuhen für das professionelle Hängen der Bilder. Es zeigt sich: Auch das Messen, Montieren und Justieren ist eine Wissenschaft für sich.

Künstlerin experimentierte ein Leben lang

«Auf der Suche nach Urbildern hat Helen Dahm zeitlebens experimentiert, mit kindlicher Neugier und heiligem Ernst», fasst Stefanie Hoch Dahms Arbeit zusammen und erzählt, wie die Künstlerin Glas bemalte, Bilder mit Cellophanfolie übertrug und Kaffeerahm oder Goldstaub für ihre Bilder verwendete. «Als sie vom Flug der ersten Sputnik-Rakete erfuhr, warf sie den Pinsel quer durch den Raum auf die Leinwand», fügt die Kuratorin hinzu, «und das könnte doch auch Kinder ansprechen.»

Vernissage am 2. September

Die Ausstellung «Helen Dahm – ein Kuss der ganzen Welt» feiert am Sonntag, 2. September, ab 11.30 Uhr im Thurgauer Kunstmuseum in der Kartause Ittingen Vernissage und dauert anschliessend bis 25. August 2019. (clu)
www.kartause.ch

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