Die Wählerinnen und Wähler der Hinterthurgauer Bezirksrichter stehen vor einer speziellen Situation

Am 9. Februar wählen die Hinterthurgauer ihre Bezirksrichter – und am 15. März.

Olaf Kühne
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Seit 33 Jahren im Amt: Alex Frei kandidiert am 9. Februar wieder als Gerichtspräsident des Bezirksgerichts Münchwilen.

Seit 33 Jahren im Amt: Alex Frei kandidiert am 9. Februar wieder als Gerichtspräsident des Bezirksgerichts Münchwilen.

(Bild: Benjamin Manser)

Aller Voraussicht nach wählt der Thurgauer Grosse Rat am 22. Januar den langjährigen Hinterthurgauer Berufsrichter und SVP-Kantonsrat Cornel Inauen zum Oberrichter. Eigentlich ein durchaus üblicher Vorgang. Wären da nicht auch die anstehenden Bezirksrichterwahlen vom 9. Februar.

Cornel Inauen (SVP) steht vor seiner Wahl zum Oberrichter.

Cornel Inauen (SVP) steht vor seiner Wahl zum Oberrichter.

(Bild: Reto Martin)

Weil für Letzteres die Meldefrist für Kandidaturen längst abgelaufen ist, steht Inauen nach wie vor auf der Kandidatenliste. Und weil dort für die beiden Berufsrichter-Stellen nur die beiden Bisherigen, Nina Schüler-Widmer (FDP) und eben Cornel Inauen, stehen, wird der Münchwiler am 9. Februar wohl auch wieder ans Bezirksgericht gewählt – und noch gleichentags Nichtannahme der Wahl erklären.

Gerichtspräsident und CVP-Kantonsrat Alex Frei im grossen Saal des Bezirksgerichts Münchwilen.

Gerichtspräsident und CVP-Kantonsrat Alex Frei im grossen Saal des Bezirksgerichts Münchwilen.

Bild: Benjamin Manser

Eine spezielle Situation. Dies bestätigt auch Bezirksgerichtspräsident und CVP-Kantonsrat Alex Frei im Gespräch mit unserer Zeitung. «So sehr wir Cornel Inauen seine Wahl zum Oberrichter gönnen, so sehr bedauern wir auch seinen Abgang vom Bezirksgericht Münchwilen», sagt Frei. «Wir sind seit 2011 ein gut eingespieltes Team.»

Bezirksparteien für zweiten Wahlgang gefordert

Nina Schüler-Widmer (FDP) ist Vizepräsidentin des Bezirksgerichts Münchwilen und kandidiert am 9. Februar erneut als Berufsrichterin.

Nina Schüler-Widmer (FDP) ist Vizepräsidentin des Bezirksgerichts Münchwilen und kandidiert am 9. Februar erneut als Berufsrichterin. 

(Bild: ZVG)

Dennoch müssen sich Nina Schüler-Widmer und Alex Frei nun gleich auf mehrere neue Kolleginnen und Kollegen einstellen. Ein neuer Berufsrichter oder eine neue Berufsrichterin wird voraussichtlich im zweiten Wahlgang vom 15. März bestimmt werden. Nur sind hierfür noch keine Kandidaturen in Sicht. «Hier sind die Bezirksparteien gefordert», sagt Alex Frei.

Ganze Arbeit haben die Hinterthurgauer Bezirksparteien hingegen schon bezüglich Kandidaturen für die Posten der nebenamtlichen Bezirksrichter sowie der Ersatzmitglieder geleistet.

Kampfwahl für die Nebenämter

(kuo) Für die Wahl ans Bezirksgericht kandidieren für die Posten des Gerichtspräsidenten und der beiden Berufsrichter nur die drei Bisherigen: Alex Frei (CVP), Nina Schüler-Widmer (FDP) und Cornel Inauen (SVP). Zu einer Kampfwahl kommt es hingegen um die vier Ämter der nebenamtlichen Bezirksrichter des Hinterthurgaus. Hier kandidieren Sabina Peter Köstli (CVP, bisher) und Susanna Koller Brunner (SVP, neu, bisher Ersatzmitglied) sowie neu Andreas Breitenmoser (FDP), Alfred Grimm (parteilos), Matthias Kreier (Grüne), Stephan Metzger (SVP) und Alexander Sigg (GLP). Für die drei Posten der Ersatzmitglieder treten zwei Bisherige wieder an: Simone Ender-Truninger (CVP) und Simon Wetter (FDP) – zudem neu Simon Frey (EVP) und Yvonne Koller-Zumsteg (SVP).

Da mit Angela Haltiner (SVP), Markus Oswald (FDP) und Ulrich Senn (BDP) gleich drei Langjährige nicht mehr antreten, stellen bis auf die Sozialdemokraten und die EDU sämtliche Bezirksparteien mindestens eine Kandidatur – auch wenn Alex Frei betont: «In unserem Job bleibt das Parteibuch zu Hause.» Um die sieben Posten der Bezirksrichter und Ersatzmitglieder buhlen nun elf Kandidatinnen und Kandidaten aus sechs Parteien.

Allenfalls über Pensionsalter hinaus

«Ich stelle mich zur Wahl, aber nochmals 33 Jahre mache ich es sicher nicht», sagt Alex Frei angesprochen auf den Umstand, dass er kommendes Jahr 65 Jahre alt wird. «Aber man kann halt nur für vier Jahre kandidieren», ergänzt er und lacht.

Um aber trotz Cornel Inauens Abgang eine möglichst grosse Kontinuität am Bezirksgericht zu gewährleisten, könne er sich gut vorstellen, auch noch über das Pensionsalter hinaus zu arbeiten, «aber sicher nicht lange».

Trotz dieser recht klaren Ansage: Amtsmüde scheint Alex Frei noch lange nicht zu sein. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht er von seinen «guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern» und erwähnt dabei insbesondere die Praktikantinnen und Praktikanten.

«Es ist eine befriedigende Aufgabe, junge Uni-Abgänger auf das Berufsleben einzustimmen», sagt er. «Auch wenn ich mir dabei immer wieder bewusst werde: Die waren noch lange nicht auf der Welt, als ich hier in Münchwilen schon Gerichtspräsident war.»

Richter und Schlichter aus Passion

Am 28. Februar wählen die Hinterthurgauer ihre Richter neu. Alex Frei ist Präsident des Bezirksgerichts Münchwilen. Der leidenschaftliche Rennvelofahrer und CVP-Kantonsrat hält mit seiner politischen Meinung nicht zurück und stellt sich klar gegen die Durchsetzungs-Initiative.
Olaf Kühne