Eine Sparübung tut Not: Fünf Matrosen der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein gehen vorzeitig von Bord

Es fehlen die Passagiere: Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) setzt nun Sparmassnahmen um. Für die feste Belegschaft gibt es wieder Kurzarbeit. Zudem wurden fünf befristete Arbeitsverträge in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst.

Mathias Frei
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Die MS Munot der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) vor Steckborn.

Die MS Munot der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) vor Steckborn.

(Bild: Reto Martin)

Diesen Sommer war der 5.Juli der mit Abstand bestfrequentierte Tag an Bord der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). Ab dem nächsten Tag galt pandemiebedingt die Maskenpflicht auf den Schiffen, auch unter freiem Himmel – und sofort gingen die Passagierzahlen zurück. Diese leidliche Tendenz stellte man zum Beispiel auch bei der Schweizerischen Bodenseeschifffahrtsgesellschaft (SBS) fest. Bei der URh hat das nun Kurzarbeit für die feste Belegschaft, Kündigungen bei den Saisonangestellten und einen ausgedünnten Fahrplan zum Saisonende zur Folge.

«Seit dem 6.Juli sind die Frequenzen jeden Fahrtag im Schnitt um weitere 10 bis 15 Prozent gesunken.»
URh-Geschäftsführer Remo Rey.

URh-Geschäftsführer Remo Rey.

(Bild: Andrea Stalder)

Das sagt URh-Geschäftsführer Remo Rey. Auch der August auf Untersee und Rhein kam gerade einmal auf die Hälfte der üblichen Zahlen. Aktuell hat die URh seit Saisonstart am 6. Juni rund 127'000 Passagiere gezählt. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt fast 270'000. «Die Entwicklung hatten wir uns anders vorgestellt», sagt Rey. Darum wirft die URh nun einen finanziellen Rettungsanker. Denn: «Für die Saison 2020 müssen wir mit einem Verlust in der Grössenordnung von zwei Millionen Franken rechnen.» Die URh sei langfristig nicht gefährdet.

«Aber den Verlust müssen wir in den kommenden Saisons wieder einspielen.»
Nach dem Lockdown: Saisonstart am 6.Juni.

Nach dem Lockdown: Saisonstart am 6.Juni.

(Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Das zweite Mal dieses Jahr ist Kurzarbeit angesagt

Die beschlossene und nun kommunizierte Sparübung sei eine reine Vorsichtsmassnahme und frühzeitige Reaktion auf die anhaltend schlechten Geschäftszahlen in dieser Saison, sagt Rey. Die komplette URh-Belegschaft – 18 nautische Mitarbeiter, fünf Büroangestellte, aber ohne die zwei Lernenden – geht ab Oktober schrittweise bis Ende Jahr in Kurzarbeit. Bereits diesen April und Mai war zu 100 Prozent Kurzarbeit angesagt. Rey sagt:

«Wahrscheinlich geht es uns aber nicht schlechter als anderen Unternehmen im touristischen Bereich.»
Bereits am 6.Juni schützte sich die URh-Besatzung. Die Maskenpflicht für die Passagiere kam einen Monat später.

Bereits am 6.Juni schützte sich die URh-Besatzung. Die Maskenpflicht für die Passagiere kam einen Monat später.

(Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Kurzarbeit bedeutet eine Lohneinbusse von 20 Prozent – im Fall der URh dieses Jahr also während bis zu fünf Monaten.

Einschneidender sind die Massnahmen für fünf nautische Mitarbeiter, die nur während der Saison, also befristet, angestellt sind. In gegenseitigem Einvernehmen sind ihre Arbeitsverträge per Ende September aufgelöst worden. Zusätzlich werde die URh ab 5.Oktober bis zum Saisonende am 18.Oktober zehn Kursfahrplantage streichen, sagt Rey. Im Oktober werde nur noch an Wochenenden gefahren. Das Herbst-Hopping auf dem Untersee und die Fondueschifffahrten würden aber stattfinden. Rey erklärt: «Mit der Angebotsänderung im Oktober reduzieren wir den Fahrplan in einer Zeit, wo das Wetter einen noch viel stärkeren Einfluss auf die Passagierzahlen hat und wir generell tiefe Frequenzen verzeichnen.»

Die MS Thurgau der Schiffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) unterwegs nach Steckborn.

Die MS Thurgau der Schiffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) unterwegs nach Steckborn.

(Bild: Reto Martin)

www.urh.ch