Eine Röhre entschärft den gefährlichen Frauenfelder Stadtbach

Der Stadtrat hat die Arbeiten für die Entlastungsleitung des Stadtbachs zwischen Feuerwehrdepot und Murg vergeben. Baubeginn ist nächsten März.

Stefan Hilzinger
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Nach dem Hochwasser vom 8. Juni 2018 säubern Feuerwehrleute den verschlammten Vorplatz des Depots. (Bild: PD)

Nach dem Hochwasser vom 8. Juni 2018 säubern Feuerwehrleute den verschlammten Vorplatz des Depots. (Bild: PD)

Das Hochwasser vom 8. Juni 2018 machte deutlich, was Experten schon drei Jahre zuvor festhielten: Der auf weiten Strecken eingedolte Stadtbach hat zuwenig Kapazität, um ein hundertjähriges Ereignis zu bewältigen, also einen Starkregen, wie er nur alle hundert Jahre einmal vorkommen sollte. Das Hochwasser von Juni 2018 flutete nicht nur eine Turnhalle und weitere Räume der Sek Reutenen. Es richtetet auch im Feuerwehrdepot daneben beträchtliche Schäden an.

Genau da, im Boden unterhalb des Feuerwehrdepots, soll künftig eine Entlastungsleitung Abhilfe schaffen. Vor kurzem hat der Stadtrat Arbeiten im Umfang von rund 360000 Franken vergeben. Die Tiefbauarbeiten gehen an die Karl Geiges AG und die Planung an das Büro Kuster und Hager.

Das Baugesuch für die Entlastungsleitung lag Ende August/Anfang September öffentlich auf. Laut Mitteilung des Stadtrats seien dagegen keine Einsprachen eingegangen. «Die Bauarbeiten dürften voraussichtlich im März stattfinden», sagt Stadtingenieur Thomas Müller. Die Röhre mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern wird mit einem kombinierten Bohr- und Pressverfahren ins Erdreich getrieben. Sie ist rund 100 Meter lang, verläuft unter der St. Gallerstrasse und im Abhang hinter dem alten Werkhof. Sie endet kurz vor der Unterquerung des Stadtbuchs beim Murgkanal.

Die erste von vier Hochwassermassnahmen

Der Bypass ist die erste von vier Etappen für einen besseren Hochwasserschutz am Stadtbach. Einige Sofortmassnahmen hat die Stadtverwaltung nach dem Unwetter vom 8. Juni 2018 umgesetzt. So wurden etwa Gullydeckel verschraubt. Die neue Entlastungsleitung kann laut Stadtrat 4,4 Kubikmeter Wasser pro Sekunde (4400 Liter/Sekunde) zusätzlich ableiten.

Mit dem bereits bestehenden Stadtbach-Kanal von Mitte der 1950er-Jahre kann «das Gesamtsystem nun ein 100-jähriges Hochwasser von elf Kubikmetern pro Sekunde bewältigen», ebenso ein 300-jähriges Extremhochwasser mit einem Aufstau von zwei Metern. Die bestehende Ableitung im Bereich Feuerwehrdepot bis Murg sei in einem guten Zustand. Da der Stadtbach während der Bauarbeiten weiter abfliessen kann, muss das Wasser nicht umgeleitet oder gefasst werden.

Die Entlastungsleitung verläuft im Abhang zwischen altem Werkhof (rechts) und Pfarreizentrum Klösterli. (Bild: Stefan Hilzinger)

Die Entlastungsleitung verläuft im Abhang zwischen altem Werkhof (rechts) und Pfarreizentrum Klösterli. (Bild: Stefan Hilzinger)

Die zweite Etappe des Hochwasserschutzes am Stadtbach ist im Abschnitt Thundorferstrasse bis Untere Weinackerstrasse vorgesehen. Die Planung dazu ist aktuell im Gang, wie es in der Mitteilung des Stadtrates heisst. Laut Stadtingenieur Müller sei die Umsetzung für das Jahr 2023 vorgesehen. An den Kosten für Hochwasserschutz bezahlen Bund und Kanton 60 Prozent. Da der Kanton zudem die Kosten für den Abschnitt unter der Kantonsstrasse übernimmt, entfallen auf die Stadt noch 34 Prozent der Projektsumme.