Interview

«Eine riesige Erlösung für die ganze Region»: Kreuzlingens Stadtpräsident freut sich über den Abbruch des Grenzzaunes

Ab Samstag wird die Grenze zwischen Kreuzlingen und Konstanz gelockert. Damit soll auch der Zaun an der deutsch-schweizer Grenze verschwinden. Stadtpräsident Thomas Niederberger freut das.

Sabrina Bächi
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Am 13. Mai stand der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger noch vor einer verriegelten Grenze. Seit Freitag ist klar: Der Zaun kommt weg.

Am 13. Mai stand der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger noch vor einer verriegelten Grenze. Seit Freitag ist klar: Der Zaun kommt weg. 

Bild: Alex Spichale / MAN (Kreuzlingen, 13. Mai 2020)

Seit wann ist für Sie klar, dass der Grenzhag wieder wegkommt?

Thomas Niederberger: Als der Bundesrat am Mittwoch von Lockerungen bei der Grenzkontrolle sprach, war für mich klar: Jetzt ist der Moment da, an dem wir über den Abbruch des Grenzzaunes diskutieren können.

Am Freitagabend kommt der Hag weg, wie fühlen Sie sich?

Eigentlich wollte ich seit langem wieder einmal mit meiner Familie auswärts Essen gehen. Aber der Grenzhag geht natürlich vor. Auf diesen Moment habe ich wochenlang hingearbeitet. Die vergangenen Wochen waren mit den hunderten von Mails und den tragischen Geschichten sehr anspruchsvoll. Es ist für mich persönlich, aber auch für die ganze Region eine Erlösung, dass der Grenzhag nun endlich wieder abgebrochen werden kann.

Die Kunstgrenze ist nun also wieder offen. Heisst das, man darf auch einfach wieder rüberspazieren?

Nein. Die Bestimmungen bleiben bestehen. Erst am 15. Juni ist die Grenze wieder ganz geöffnet. Bis dahin müssen wir uns gedulden. Das Gebiet wird auch vom Zoll überwacht.

In diesem Fall braucht es eher einen Appell an die Bevölkerung.

Ja, es ist wichtig, dass alle die Regeln des Bundes einhalten. Ein freier Grenzübertritt ist und bleibt im Moment noch untersagt. Durch die nunmehr offene Kunstgrenze will ich an die Eigenverantwortung appellieren: Die Regeln gelten weiterhin und sollen eingehalten werden.

Ist der heutige Tag also ein Freudentag für Kreuzlingen?

Ich denke der Abbruch der Grenzzäune ist ein symbolischer Akt auf dem Weg zur Normalität. Die Zäune standen für die europaweite Abschliessung, dass sie wegkommen ist wirklich ein freudiges Ereignis.

Könnte man auch von einem historischen Tag sprechen?

Das habe ich mir auch schon überlegt. So weit würde ich aber nicht gehen. Und zwar einfach deshalb, weil ich den Abbruch dieser Grenzzäune mit jenem von 2006 vergleiche. Damals konnte ein Grenzhag abgebaut werden, der seit 1938 Kreuzlingen und Konstanz trennte. Damit sind die vergangenen Wochen nicht zu vergleichen. Aber es ist ein wichtiger Tag für uns, weil wir unseren gemeinsamen Lebensraum wieder haben.

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