«Eine Reise nach Mailand bucht zurzeit kaum jemand»: Das Corona-Virus trifft auch die Thurgauer Reisebüros

Thurgauer Reiseveranstalter verkaufen zurzeit weniger Ferien. Der Grund: das Corona-Virus. Die Folgen: Unsicherheit – bei den Kunden wie den Reisebüros. 

David Grob
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Für einmal ein seltener Anblick: Asiatische Touristen vor dem Mailänder Dom. Thurgauer verzichten derzeit aber immer mehr auf Reisen in die norditalienische Metropole.

Für einmal ein seltener Anblick: Asiatische Touristen vor dem Mailänder Dom. Thurgauer verzichten derzeit aber immer mehr auf Reisen in die norditalienische Metropole.

Bild: Claudio Furlan, Keystone
  • Das Corona-Virus verunsichert Thurgauerinnen und Thurgauer: Reisebuchungen bei Reisebüros gehen zurzeit zurück. 
  • Die Situation verunsichert Reisende, die stärker informiert werden wollen.
  • Die Situation verunsichert aber auch die Reiseveranstalter. Sollte der jetzige Zustand weiter anhalten, müssten die Mitarbeitenden anderweitig beschäftigt werden.

Buchen Sie zurzeit Ferien? Möchten Sie verreisen? Eher nicht? Völlig okay. Vielen Thurgauerinnen und Thurgauern scheint es ähnlich zu gehen. Jedenfalls, wenn man die Reisebüros und Reiseveranstalter befragt. Sie klagen: Die Kundschaft bleibe aus – zumindest teilweise.

Der Grund? Klar, das Corona-Virus. Der Erreger mit dem sperrigen medizinischen Namen Sars-CoV-2 hat sich spätestens seit den Massnahmen des Bundes von vergangenem Freitag tief in den Köpfen der Menschen und Schlagzeilen der Medien eingenistet. Dies führt nicht nur zu Hamsterkäufen von Dosenpelati oder Desinfektionsmitteln, sondern zeigt sich auch in der Reisebranche.

Neubuchungen? Fehlanzeige!

Patrick Wirth, Mitinhaber der Mawi-Reisen AG.

Patrick Wirth, Mitinhaber der Mawi-Reisen AG.

Bild: PD

«Eine Verunsicherung ist definitiv spürbar», sagt Patrick Wirth, Geschäfts-Mitinhaber der Mawi-Reisen AG. Neubuchungen? Fehlanzeige! «Die Leute warten zurzeit eher ab», sagt Wirth am Telefon in der Frauenfelder Filiale. Abwarten, bis sich die Angst vor dem Virus wieder etwas gelegt hat. «Eigentlich wäre ja Hochsaison für uns», sagt Wirth. Frühlings-, Sommer- und Herbstferien würden normalerweise jetzt gebucht. Seit zehn Tagen herrsche aber Flaute bei Neubuchungen. Betroffen sind – logischerweise – vor allem die vom Corona-Virus hart getroffenen Regionen: China, Norditalien.

«Eine Reise nach Mailand bucht zurzeit kaum jemand.»

Ähnlich klingt es auch bei Thurgau Travel. Der Weinfelder Reiseveranstalter ist spezialisiert auf Flussschiffreisen. «Wir haben zurzeit weniger Neubuchungen als sonst», sagt Geschäftsführer Daniel Pauli. Er spezifiziert: Buchungen für den Sommer gebe es nach wie vor. Betroffen seien eher kurzfristige Buchungen. «Zu Umbuchungen oder gar Annulationen kommt es glücklicherweise nur im kleinen Rahmen», sagt Pauli. Und doch scheint man nicht mit Neubuchungen zu rechnen: Gewisse Werbemassnahmen wurden zurückgezogen.

Das Reisebüro Mittelthurgau, ebenfalls spezialisiert auf Flussreisen, verzeichnet auch weniger Neubuchungen. «Teilweise kommt es zu Umbuchungen», heisst es bei der Medienstelle. Man stelle aber generell eine Verunsicherung bei den Kundinnen und Kunden fest.

«Wir erhalten viele Anrufe und beantworten Fragen zur Situation in den Zielregionen unserer Reisen.»

Als Reaktion wurden etwa die Hygienemassnahmen auf den Schiffen verschärft.

Vor allem ältere Menschen verzichten aufs Ferienbuchen

Etwas aus dem Rahmen fällt hingegen das Kreuzlinger Reisebüro Cornels Reisebar. Ja, das Corona-Virus sei spürbar, meint Inhaberin Silvia Cornel. «Zu Neubuchungen kommt es überraschenderweise aber weiterhin.» Doch auch sie räumt ein: Vor allem die Risikogruppen älterer Menschen, «etwa ab 70», sagt Cornel, würden zurzeit deutlich weniger Ferien oder Reisen buchen – oder aber bereits geplante Reisen auf Herbst umbuchen.
Mit der Angst steigt auch der Aufwand. Cornel sagt:

«Wir müssen mehr umbuchen, abklären, die Leute informieren, Rücksprache mit Reiseversicherungen nehmen.»

Sie versuche, das Risiko ihrer Kunden so weit wie möglich zu minimieren. Darin vermutet sie auch den Grund, dass weiterhin Reisen gebucht werden. «Bei uns ist es sicher einfacher umzubuchen oder zu stornieren als über einen Online-Anbieter.»

Leere Hotelschiffe von Thurgau Travel

Was aber, wenn’s nun die Buchungen über längere Zeit zurückgehen? «Dann müssten wir drastische Massnahmen ergreifen», sagt Patrick Wirth vom Reisebüro Mawi. Drastische Massnahmen? «Falls notwendig müssten wir Lösungen für die Mitarbeiter finden: Weiterbildungen oder Ferien. Sie sollen nicht Däumchen drehen müssen», sagt Wirth. Als Reisebüro warte und hoffe man immer auf Kunden. Bleiben diese aus, sind die Mitarbeiter kurzfristig unbeschäftigt. «Die ausbleibenden Buchungen lösen bei uns aber keine finanzielle Krise aus», sagt Wirth. Der bisherige Buchungsstand sei erfreulich.

Ähnlich sieht es auch Silvia Cornel. Sie hofft aber auf schnelle Entspannung.

«Wenn die ganze Wirtschaft geschwächt wird, sparen die Leute beim Reisen. Und dies würde uns natürlich treffen.»

So weit geht Daniel Pauli von Thurgau Travel nicht. «Wie sich die Nachfrage entwickeln wird, kann ich zurzeit noch nicht abschätzen.» Dennoch ist der Reiseveranstalter von ersten finanziellen Ausfällen betroffen: Zwei Hotelschiffe hätten die Basler Fasnacht besucht. Mit deren Ausfall fiel jedoch der eigentliche Reisegrund, eine Fasnachtsreise nach Basel, ins Wasser. Die Folge: Die Gäste, welche die Reise nicht antreten wollten, haben den Reisepreis per Gutschein zurückerstattet bekommen – und die beiden Hotelschiffe blieben während dreier Nächte beinahe leer.

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