Eine Konsequenz aus der Betriebsanalyse:
Die Spitex Thurgau Nordwest macht sich digital fit

Für die ab 2021 kleinere Spitex-Organisation fallen 300 Stellenprozente weg. Es gibt aber keine Kündigungen.

Mathias Frei
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Eine Spitex-Mitarbeiterin bei der Arbeit.

Eine Spitex-Mitarbeiterin bei der Arbeit.

(Bild: Benjamin Manser, 9.August 2018)

«Das Schiff ist wieder in ruhigerem Gewässer angekommen.» So lautet das Fazit von Roger Forrer zur Spitex Thurgau Nordwest, die er präsidiert. Diesen Eindruck bestätigt auch eine nun öffentlich gewordene externe Betriebsanalyse der Organisation. Sie war vergangenen Sommer von der Delegiertenversammlung in Auftrag gegeben worden. Vorangegangen war die für einzelne Vertragsgemeinden unbefriedigende finanzielle Situation, die darin gipfelte, dass Wagenhausen und Eschenz den Austritt per Ende 2020 beschlossen.

Die Betriebsanalyse zeichnet grundsätzlich das Bild einer gut aufgestellten Organisation. Zwei Problemfelder wurden aber ausgemacht, zum einen die noch nicht abgeschlossene Digitalisierung respektive der Umgang mit digitalen Hilfsmitteln. Zum anderen heisst es in der entsprechenden Medienmitteilung:

«Die Leitungsfunktionen und die verschiedenen Fachteams sind für die Grösse der Organisation zu aufgebläht.»

In beiden Bereichen sei die Massnahmenumsetzung rollend, erklärt Spitex-Präsident Forrer.

Mittlerweile ist klar, wie viel Personal es braucht

Roger Forrer, Präsident Spitex Thurgau Nordwest.

Roger Forrer, Präsident Spitex Thurgau Nordwest.

(Bild: PD)

Forrer ist seit vergangenem Sommer Präsident. Aufgrund der Austrittsdiskussionen seit Anfang 2019 sei die Situation für das Personal nicht einfach gewesen. Dies habe auch dazu geführt, dass Mitarbeiterinnen von sich aus gekündigt haben. Diese Pensen habe man danach nur befristet wiederbesetzt. «Mittlerweile besteht Klarheit über die zukünftige Organisation», sagt Forrer. Drei Fachleitungspersonen seien nicht ersetzt worden.

«Wo es im Organigramm vorher drei Personen gab, taucht nun eine Person an drei Funktionsorten auf.»

Mit dieser schon im vergangenen Jahr umgesetzten Massnahme wirke man dem aufgeblähten Leitungsapparat entgegen, erklärt Forrer. Die neue Organisationsstruktur schlage sich in Teilen bereits in der Rechnung 2019 nieder.

Die ab 2021 kleinere Organisation mit den Trägergemeinden Mammern, Steckborn, Schlatt, Basadingen-Schlattingen und Diessenhofen rechnet mit einem um 300 Stellenprozent tieferen Personalbedarf. Heute umfasst die Spitex Thurgau Nordwest inklusive Wagenhausen und Eschenz in der Pflege und Pflegeleitung rund 1600 Stellenprozente sowie in der Hauswirtschaft rund 350 Stellenprozente. Der tiefere Personalbestand kann vollumfänglich über Pensionierungen realisiert werden.

Einsatz digitaler Hilfsmittel noch zu wenig konsequent

Auch das zweite Problemfeld sei bereits im vergangenen Jahr aktiv angegangen worden, sagt Forrer.

«Wir sind schon intern über die Bücher gegangen. Erste Mitarbeiterinnen arbeiten bereits komplett papierlos und sind mit einem Tablet auf Kundenbesuch.»

Ziel sei es, dass bis Ende 2020 alle Mitarbeiterinnen mit Tablets ausgerüstet sind. Das Geld dafür ist gesprochen.

In den Empfehlungen der externen Analyse heisst es, die Betriebsabläufe seien sinnvoll organisiert. Der Prozess vom Erstkontakt über die Abklärung und Einsätze bis zum Abschluss weise «keine Mängel» auf. «Allerdings werden die Mitarbeitenden noch zu wenig konsequent mit den digitalen Hilfsmitteln unterstützt.» Und weiter: «Hier gilt es, die gesamte Organisation rasch vom Papier zum elektronischen Dossier zu bringen.»

An zwei Standorten ist weiterhin festzuhalten

Abgesehen von der Digitalisierung und den aufgeblähten Leitungsstrukturen fördert die Analyse viel Positives zu Tage. So heisst es:

«Die Spitex Thurgau Nordwest zahlt gute Löhne, diese Politik kann durchaus sinnvoll sein.»

Dies wohl mit Blick auf den bereits heute umkämpften Arbeitsmarkt im Bereich der Pflege. Weiter werde das Personal «gemäss seiner Ausbildung und Kompetenzen richtig eingesetzt». Auch die Prozesse der Hauswirtschaft seien sinnvoll gestaltet. Ebenfalls erwähnt wird, dass die Organisation erfolgreich das Konzept der Bezugspersonenpflege umgesetzt habe.

«Damit hat jede Klientin und jeder Klient eine direkte Ansprechperson.»

Das lang gezogene Gebiet entlang Untersee und Rhein mit den zwei Standorten in Steckborn und Diessenhofen würden eine komplexe Organisation bedingen, «was sich auch in den Kosten niederschlägt». An dieser Aufteilung solle aber festgehalten werden, sie sei weiterhin sinnvoll.

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