Eine Hommage: Bündner Kunst ehrt Strassenbauer zwischen Aadorf und Häuslenen

Während zwischen Aadorf und Häuslenen ein neuer Veloweg entsteht, sorgen Bauarbeiter aus Holz für Aufsehen.

Roman Scherrer
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Oft halten Autofahrer an, um ein Foto von den Bauarbeiter-Figuren im Egghof zu machen. (Bild: Roman Scherrer)

Oft halten Autofahrer an, um ein Foto von den Bauarbeiter-Figuren im Egghof zu machen. (Bild: Roman Scherrer)

Sie sitzen im Liegestuhl, nehmen Znüni zu sich oder betätigen den Radio. Nur am arbeiten sind die Bauarbeiter nicht. Die sieben Holzfiguren stehen im Hagenbucher Weiler Egghof, an der Hauptstrasse zwischen Aadorf und Häuslenen, wenige Meter von der Grenze zum Thurgau entfernt. Und sie sorgen in diesem Sommer für Gesprächsstoff. Oft halten Vorbeifahrende an, um ein Foto von den Figuren zu machen.

«Die Figuren sind eine Hommage an die Leute, welche hier täglich unsere Infrastruktur bauen.»
Hansjakob Steinemann holte die Figuren ins Unterland. (Bild: Roman Scherrer)

Hansjakob Steinemann holte die Figuren ins Unterland. (Bild: Roman Scherrer)

«Es ist natürlich schön, dass dies so ein Echo auslöst», sagt Hansjakob Steinemann. Der pensionierte Landwirt hat die nicht arbeitenden Holz-Bauarbeiter hier aufgestellt. Nicht, um sich damit selber ins Rampenlicht zu stellen. Auch nicht, um die Bauarbeiter zu verhöhnen, welche seit März den Velo- und Gehweg von Aadorf nach Häuslenen bauen. Ganz im Gegenteil: «Die Figuren sind eine Hommage an die Leute, welche hier täglich unsere Infrastruktur bauen.»

Mit den Holzfiguren will Steinemann darauf hinweisen, dass die Arbeiter – vor allem im Tiefbau – im Winter mangels Arbeit Zwangsferien machen, dafür aber oft den ganzen Sommer hindurch arbeiten müssen. Die Bauarbeiter verständen das auch so, sie würden oft hupen und winken beim Vorbeifahren, erzählt Steinemann. «Sie haben Freude, dass jemand an sie denkt.»

«Allergisch» gegen 
Besserwisser

Dass einige Leute beklagen, es würde zu wenig schnell vorwärtsgehen mit der Baustelle, dafür hat Steinemann wenig Verständnis. «Gegen solche Besserwisser bin ich allergisch. Solche Aussagen zeugen von nicht vorhandenem Sachverständnis. Die Arbeiter wissen ganz genau, was sie tun.» Nur müssten sie sich eben an strikte Vorgaben, Gesetze und genau festgelegte Arbeitsschritte halten. Der Veloweg müsse etwa wegen Landwirtschaftsfahrzeugen wie eine Strasse so gebaut werden, dass er auf eine Last von 40 Tonnen ausgerichtet ist.

Hansjakob Steinemann hat grosse Freude, dass der Veloweg nun entsteht. «Ich bin sozusagen schuld, dass er gebaut wird», sagt er lächelnd und erklärt, dass er vor neun Jahren mit diesem Anliegen an den damaligen Zürcher Kantonsrat Thomas Ziegler gelangt ist. Dieser habe dann laut Steinemann seinen Vorstoss so geschickt formuliert, dass der Regierungsrat den Veloweg nicht einfach zurückweisen konnte. Die Situation auf der Strasse sei bisher unbefriedigend gewesen, sagt Steinemann, der im Egghof aufgewachsen ist. Viele Schüler seien hier mit dem Velo unterwegs, wo gleichzeitig reger Lastwagenverkehr herrscht. «Schon oft habe ich gefährliche Situationen beobachtet. Ich habe mir gesagt, ich will es nicht erleben, dass ich hier an eine Unfallstelle laufen muss», sagt Steinemann.

Zufällig auf 
Figuren gestossen

Die Bauarbeiter-Figuren hat Hansjakob Steinemann nicht selber geschaffen. Er und seine Frau Sylvia sind eher zufällig auf sie gestossen, bei einem Familienausflug nach Malans GR anlässlich seines 70. Geburtstags. «Die Figuren waren überall, im und rund ums Dorf. Es waren unzählige.» Irgendwann seien ihnen die Bauarbeiter aufgefallen. «Ich dachte, die würden bei uns an der Strasse sehr gut zur Baustelle passen», sagt Hansjakob Steinemann. Wie es der Zufall wollte, war der Schöpfer der Figuren, der Künstler Peter Leisinger, zu dieser Zeit auch in Malans. Hansjakob und Sybille Steinemann trafen ihn. Und man einigte sich, dass die Figuren vorübergehend im Egghof stehen können, wenn Steinemann für den Transport aufkommt.

Die Bauarbeiter-Figuren hatte Leisinger 2016 für die Ausstellung «Das Leben ist eine Baustelle» am Schaffhauser Rheinquai erschaffen – mit der Motorsäge, wie alle seine Figuren. Hansjakob Steinemann kannte den Künstler und dessen Werke bis zum Treffen in Malans nicht. Jetzt ist er dafür umso mehr begeistert. «Es ist unglaublich, was dieser Mann schon alles geschaffen hat», sagt Steinemann und deutet auf ein grosses Buch mit Bildern von Leisingers Werken.

Die Bauarbeiter aus Holz stehen in einer Weide, die den Eseln als Auslauf dient. Sie sind extra eingezäunt, damit die Tiere sie nicht beschädigen können. «Ich gehe davon aus, dass die Figuren noch bis Ende Oktober hierbleiben», sagt Hansjakob Steinemann. Dann sollte auch der Veloweg fertig sein.