Eine historische Frauenfelder Premiere: Seit Freitagabend steht eine Erchinger Linde im Kurzdorfer Feindesland

Das ist eine Mischung aus Schnapsidee und Hundeklo: die etwa einen Quadratmeter grosse Langdorfer Exklave im Kurzdorf. Dahinter stecken die Bürgergesellschaften aus den beiden Quartieren Langdorf und Kurzdorf.

Mathias Frei
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Bei der Lindenpflanzung: die Initianten der Aktion, Stefan Hahn und Stephan Amacker (beide Erchinger), der Kurzdorfer-Obmann Roman Roveda, der Lindenspender und Erchinger Manuel Strupler sowie Stadtrat Andreas Elliker (Kurzdorfer).

Bei der Lindenpflanzung: die Initianten der Aktion, Stefan Hahn und Stephan Amacker (beide Erchinger), der Kurzdorfer-Obmann Roman Roveda, der Lindenspender und Erchinger Manuel Strupler sowie Stadtrat Andreas Elliker (Kurzdorfer).

(Bild: Reto Martin)
Die Tafel bei der Linde.

Die Tafel bei der Linde.

(Bild: Reto Martin)

Das gab es wohl noch nie: Die Erchinger, also die Langdorfer Bürgergesellschaft, haben im Kurzdorf ein kleines Stück Land in Besitz genommen und darauf dem Langdorfer Wappen entsprechend eine Linde gepflanzt. Man könnte nun meinen, dass dieser halbwegs kriegerische Akt, der am Freitagabend an der Ecke Schaffhauserstrasse/Laubgasse vonstatten gegangen ist, einen sofortigen Gegenschlag der Kurzdorfer Konstabler provoziert haben muss. Dem war aber nicht so. Einzig die neben der Linde platzierten Hunde-WC-Tafel mit der Aufschrift «Hier darf ich» ist ein metaphorischer Tritt ans Erchinger Schienbein. Die Frage, ob es dem Baum langfristig zugute kommt, wenn Mitglieder der Erchinger und der Kurzdorfer Konstabler zukünftig nach dem Ausgang ihre Notdurft an der Linde verrichten, muss an anderer Stelle beantwortet werden.

Das Langdorfer Wappen.

Das Langdorfer Wappen.

(Bild: PD)

Friedselig gemacht und geeint haben mag die glatte Runde von zwei Dutzend Mitgliedern der beiden Bürgergesellschaften zweierlei: zum einen der ausgiebige Apéro im nahen «Frohsinn», gesponsert von den Erchingern, zum anderen die gemeinsame Abscheu gegenüber den Stadtkonstablern.

Idee: Lebensqualität im Kurzdorf steigern

Initianten der Aktion sind die beiden Erchinger Stephan Amacker und Stefan Hahn. Sie waren am diesjährigen Bechtelistag ins Kurzdorf delegiert.

«Wir waren dort mit menschlichen Abgründen konfrontiert.»
Stadtrat Andreas Elliker macht sich fast den Rücken kaputt.

Stadtrat Andreas Elliker macht sich fast den Rücken kaputt.

(Bild: Reto Martin)

So stichelt Amacker. So kam die Idee, mit einer Erchinger Linde die Lebensqualität im Kurzdorf zu steigern. «Wir Erchinger betreiben gewissermassen Entwicklungshilfe.» Der noch amtsjunge Weinfelder Nationalrat Manuel Strupler, ein waschechter Erchinger, anerbot sich als Sponsor des Baumes. Und Stadtrat Andreas Elliker, der sich bei der Pflanzung am Freitagabend fast den Rücken kaputt lupfte, bot für die Vorarbeiten die Stadtgärtnerei auf.

«Der Aufwand dafür wird aber den Erchingern in Rechnung gestellt. Gratis gibt’s nichts.»

Das meint der Kurzdorfer Konstabler Elliker. Dass der anwesende Stadtrat die innerstädtischen Gebietsanpassungen eigenmächtig und, nach eigenen Angaben, im Rahmen des Notrechts bestätigt hat, dürfte an der nächsten Stadtratssitzung aber wohl noch zu Diskussionen führen.

Roman Roveda, Obmann der Kurzdorfer Konstabler, spricht zur Runde.

Roman Roveda, Obmann der Kurzdorfer Konstabler, spricht zur Runde.

(Bild: Reto Martin)

Mögliche Unstimmigkeiten im Stadtrat, aber auch der Umstand, dass die Lindenpflanzung pandemiebedingt von Ende März auf Anfang Juli verschoben werden musste, taten der süffigen Stimmung am Freitagabend keinen Abbruch. Erchinger Mitinitiant Stefan Hahn gab verbal die Tritte ans Schienbein zurück. «Damit es weh tut, aber nicht blutet.» Und er freut sich: «Das ist ab sofort der erste Langdorfer Quadratmeter im Kurzdorf.»

Roman Roveda, Obmann der Konstablergesellschaft Kurzdorf, teilte nicht weniger aus. Er stellte in Aussicht, dass der Laubfall des Baumes ein Grund für eine Ausschaffung aus dem Kurzdorf sei könnte. Auch mit Schädlingen wolle man im Kurzdorf nichts zu tun haben. Der schlimmste Lindenschädling sei der Lindenprachtkäfer.

«Auch bekannt als Erchinger.»

Letztlich besänftigte aber die 21.Strophe des Erchingerlieds die Herren mit ihren Weingläsern in Händen.

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