Schlatt
«Jede Baumart hat einen Charakter, eigene Bedürfnisse und Fähigkeiten»: Eine Bundesfeier im Zeichen des gebeutelten Waldes

In Schlatt gab es am Vorabend des 1. August eine Führung durch den Wald mit Informationen über die aktuelle Lage. Fazit: Der Bestand an Fichten nimmt ab. Danach hielt Kantonsrat Paul Koch eine Festrede. Ebenfalls mit Bezug zum Wald.

Thomas Güntert
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Vor der Festrede von Paul Koch gab es eine Führung durch den Wald mit Kreisforstingenieur Ueli Ulmer.

Vor der Festrede von Paul Koch gab es eine Führung durch den Wald mit Kreisforstingenieur Ueli Ulmer.

Bild: Thomas Güntert

Am frühen Vorabend des Nationalfeiertags nahmen in Schlatt rund 100 Personen am Waldumgang mit dem Revierförster Simon Pachera und Kreisforstingenieur Ueli Ulmer teil. Im 300 Hektaren grossen Wald der Bürgergemeinde haben Borkenkäfer, Sturm Burglind und Schneebruch grosse Schäden verursacht. Von den 10000 Kubikmetern Holz, das in den letzten fünf Jahren geschlagen wurde, waren 80 Prozent Fichten. Ulmter sagt:

«Heute beträgt der Fichtenanteil noch 35 Prozent und nimmt weiter ab.»

Er fügte an, dass der Lohn für die Holznutzung noch nie so tief war wie jetzt. Mit den Erträgen können kaum die Erntekosten gedeckt werden. Bei der Wiederaufforstung setzt Pachera auf die Naturverjüngung von robusteren und klimaresistenteren Arten, die aber wirtschaftlich nicht so interessant seien wie die Fichte.

Festredner Paul Koch vermisste die Linde

Kantonsrat Paul Koch bei seiner Festrede in Schlatt.

Kantonsrat Paul Koch bei seiner Festrede in Schlatt.

Bild: Thomas Güntert

«Jede Baumart hat einen Charakter, eigene Bedürfnisse und Fähigkeiten», sagte Kantonsrat Paul Koch in seiner Festrede. Der Thurforst-Leiter hatte beim Waldumgang die Linde vermisst, die für die europäische Kulturgeschichte von grosser Bedeutung ist.

Als die Germanen Mitteleuropa besiedelten, pflanzten sie in jedem Ort eine Dorflinde. In der Zeit der Gründung der Eidgenossenschaft wurden unter den dichten Kronendächern der Linden Dorfversammlungen durchgeführt, Hochzeiten gefeiert und unter Gerichtslinden grosse Entscheide getroffen. «Wie sich Marianna Frei heute als Gemeindepräsidentin um die Einwohner kümmert, so verfolgen Förster, Waldbesitzer und die gesamte Eidgenossenschaft auch das Ziel, ihre Ressourcen zu schützen», sagte Koch.

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