Ein berechenbares Wagnis: Herdern senkt den Steuerfuss, weil die Steuerkraft in jüngster Vergangenheit kontinuierlich gestiegen ist

Politisch Herdern budgetiert für kommendes Jahr ein kleines Minus von 100'000 Franken, hofft aber auf eine schwarze Null. Nebst dem Budget kommt nächsten Sonntag auch ein grosses Tiefbauprojekt zur Abstimmung.

Mathias Frei
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Blick auf Herdern mit dem Schloss.

Blick auf Herdern mit dem Schloss.

Bild: Reto Martin

Es geht die Angst um, die Angst vor pandemiebedingten Steuerausfällen. Nicht so in der politischen Gemeinde Herdern, wo die Behörde den Stimmbürgern eine Steuerfusssenkung beantragt. Kommenden Sonntag geht die ausserordentliche Urnenabstimmung zum Budget 2021 über die Bühne. Sowieso an die Urne muss das Gesamtsanierungsprojekt Gündelharterstrasse im Umfang von 1,368 Millionen Franken.

Ulrich Marti, Gemeindepräsident Herdern.

Ulrich Marti, Gemeindepräsident Herdern.

Bild: PD

Herdern budgetiert für kommendes Jahr bei einem Aufwand von 3,694 Millionen Franken mit einem Defizit von 100'000 Franken. Wie schon in der Vergangenheit habe man im Bereich der Sozialhilfe ein finanzielles Polster von 130'000 Franken einberechnet, sagt Herderns Gemeindepräsident Ulrich Marti. «Dies mit Blick auf die Erhaltung der Handlungsfähigkeit bei einer möglichen Fremdplatzierung, welche die Gemeinde zu finanzieren hat.» Marti hofft deshalb, dass kein solcher Fall eintritt und damit eine schwarze Null resultiert – trotz des Antrags des Gemeinderats auf Senkung des Steuerfusses um drei Prozent auf neu 57 Prozent. Denn:

«Wir rechnen nicht mit massiven Einbussen beim Steuerertrag.»

Das sagt Marti. Im Gegenteil: Der Fiskalertrag soll gegenüber Budget 2020 sogar minim wachsen. Zuletzt sei die Steuerkraft pro Kopf Jahr für Jahr gestiegen. Die Hochrechnung für den Rechnungsabschluss 2020 bestätige die Behörde. Mit dem neuen Steuerfuss werde man aber womöglich eine Beitragskürzung aus dem kantonalen Finanzausgleich zu spüren bekommen, blickt Herderns Gemeindepräsident voraus. Trotzdem sind die Auswirkungen der Steuersenkungen berechenbar, weil sie in Herdern keine Hauruck-Übungen sind, sondern bedacht im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden. Marti sagt:

«Wenn möglich wollen wir den Stimmbürgern etwas zurückgeben, grad auch in der aktuellen Situation.»

Gesamtsanierungsprojekt Gündelharterstrasse, Lanzenneunforn

Bei der zweiten Abstimmungsvorlage am Sonntag handelt es sich um das Gesamtsanierungsprojekt in Lanzenneunforn für die Gündelharterstrasse. Der Perimeter umfasst die Strassenbereiche von Beginn der Gündelharterstrasse ab Liebenfelserstrasse bis zum Abzweiger Weidhofstrasse und auf dieser bis zum Kreuzungsbereich der Gassenackerstrasse. Die Kostenschätzung für den Strassenbau, die Wasserleitung, das Elektrische inklusive Beleuchtung und die Meteorwasserleitung beläuft sich auf 1,368 Millionen (+/- 20 Prozent). Davon stehen 200'000 Franken in einer Vorfinanzierung bereit. Auflage und Arbeitsvergabe sind für das erste Quartal 2021 geplant, der Bau soll im gleichen Jahr abgeschlossen werden. Eine solche Gesamtsanierung sei zielführend, weil so das Synergiepotenzial voll ausgeschöpft werden könne, sagt Marti.