Interview
Eine alte Geschichte holt eine Thurgauerin heim nach Frauenfeld

Die gebürtige Frauenfelderin Eva Maria Hux hat ihren zweiten Roman veröffentlicht. Die Geschichte zweier ungleicher Schwestern spielt im Thurgau und reicht weit in die Vergangenheit zurück.

Stefan Hilzinger
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Die Autorin Eva Maria Hux wohnt seit 2001 in Stockholm. (Bild: PD)

Die Autorin Eva Maria Hux wohnt seit 2001 in Stockholm. (Bild: PD)

Eva Maria Hux, in drei Sätzen: Worum geht es in dem Buch?

«Die Hand der Mirjam» spielt in der heutigen Zeit, doch die Enthüllungen reichen bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück. Im Zentrum stehen Lara und Désirée Goldinger, welche nach Jahren der Entfremdung anlässlich der Beerdigung ihrer Mutter, der Bestseller-Autorin Maria Goldinger, wieder aufeinandertreffen. Das ungerechte Testament, ein bestürzendes Manuskript und ein geheimnisvolles Amulett im Nachlass zwingen sie zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und wecken die Frage, wer wirklich hinter der Fassade der Erfolgsautorin steckte.

Was hat Sie zur Geschichte inspiriert?

Die Idee mit einem überraschenden Testament, ungleichen Schwestern und einer falschen Identität kam mir, als ich wieder einmal an jener alten Villa am Ufer des Djurgårdsbrunnsviken in Stockholm vorüber spazierte, die mich seit Jahren fasziniert. Ich grübelte über ein mögliches Geheimnis in der Vergangenheit meiner Hauptfigur nach und merkte bald, dass ich den Thurgau als «historische Kulisse» für die Geschichte benutzen wollte. Sobald ich die Figuren genügend deutlich sah, konnte ich mit Schreiben beginnen.

Sie leben seit Jahren als Musikerin in Schweden. Warum spielt die Geschichte nicht dort, sondern im Thurgau?

Es lässt sich besser über Orte schreiben, an denen man sich nicht gerade befindet – sowohl örtlich als auch zeitlich. Der Blick aus der Distanz erleichtert es, das Spezielle zusammenzufassen und fiktive Personen in einer Umgebung oder Situation agieren zu lassen. Trotz genauer Recherchen und historischer Anknüpfungen versuche ich, «zeitlose» Geschichten zu erzählen. Hier im Alltag kämen mir aktuelle Ereignisse dazwischen. Die Wahl des Schauplatzes erlaubte mir eine mentale Heimreise, eine Rückbesinnung auf meine Wurzeln.

Was ist für Sie wichtiger: Musizieren oder Schreiben?

Beide Beschäftigungen sind mir gleich wichtig. Es geht um das Erzählen – sei es mit Klängen oder mit Worten, um den Kontakt mit dem Publikum, um Kommunikation, darum, Leute zu berühren. Ich konnte mich nie zwischen Musik und Sprache entscheiden, also habe ich zusätzlich noch Übersetzung studiert, als ich bereits als Konzertcellistin arbeitete. Als Musikerin interpretiere ich die Werke anderer, als Autorin erschaffe ich etwas Neues, Eigenes.

Was verbindet Sie mit Ihrer alten Heimat?

Im Herzen bin ich Schweizerin geblieben. Dies erklärt auch, weshalb ich auf Deutsch schreibe, obwohl Schwedisch meine Alltagssprache ist. In zwei Ländern beheimatet zu sein, zwei Kulturen anzugehören ist einerseits eine Herausforderung, anderseits eine Bereicherung. Es ist mir wichtig, den Kontakt zur Schweiz nicht abreissen zu lassen, weshalb ich regelmässig in der Heimat konzertiere und Lesungen abhalte und im vergangenen Frühling unter anderem mehrere Monate lang am Konservatorium Winterthur unterrichtete.

Was dürfen die Leser als Nächstes erwarten?

Während dieser Roman überarbeitet und für die Publikation vorbereitet wurde, meldete sich bereits die nächste Idee. So stecke ich mitten in neuen Recherchen. So viel kann ich verraten: Der nächste Roman wird unter anderem in Schweden spielen und brachte mich auf die Spur vergessener historischer Ereignisse und mir bislang völlig unbekannter Kunstwerke. Vorerst aber freue ich mich darauf, «Die Hand der Mirjam» an Lesungen in beiden Heimaten präsentieren zu dürfen.

Hinweis:
Das Interview wurde schriftlich geführt.

Zur Person

Eva Maria Hux ist in Frauenfeld aufgewachsen, lebt jedoch seit 2001 in Stockholm. Sie studierte Musik, Übersetzung und Kulturmanagement, war 2008 bis 2011 als Kulturverantwortliche an der Schweizer Botschaft in Stockholm angestellt und ist heute als Konzertcellistin, Cello-Coach, Übersetzerin und Produzentin tätig.

Nebst der Musik widmet sie sich seit einigen Jahren der Schriftstellerei. 2011 erschien ihr Kurzkrimi «Mord nach Noten» in der Anthologie «Zürich, Ausfahrt Mord» (Gmeiner Verlag). 2014 folgten Hux’ Debütroman «Im Labyrinth des Poeten» (Latos Verlag) und der Kurzkrimi «Tauwetter» (Tapastories). «Die Hand der Mirjam» ist ihr zweiter Roman. (red)

Eva Maria Hux signiert ihr Buch morgen Donnerstag von 18 bis 19 Uhr im Bücherladen Marianne Sax in Frauenfeld. Mehr Infos unter www.evamariahux.com.