«Eine Absage wäre schlimmer»: Fast normal gehen an der Kanti Frauenfeld die mündlichen Aufnahmeprüfungen über die Bühne

Fast courant normal: Am Montag und Dienstag laufen in der Kanti Frauenfeld mündliche Aufnahmeprüfungen. 144 Sekschüler sind aufgeboten worden. 

Mathias Frei
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Im Kanti-Altbau: Die einen warten auf die nächste Prüfung, die anderen haben die 15 Minuten grad eben hinter sich gebracht.

Im Kanti-Altbau: Die einen warten auf die nächste Prüfung, die anderen haben die 15 Minuten grad eben hinter sich gebracht.

Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 16. März 2020)

«Bitte nicht stören – Aufnahmeprüfungen», steht auf dem A4-Blatt an der Schulzimmertür. Zwei junge Frauen sitzen da, sie warten auf ihren Prüfungstermin. Nein, die ausserordentliche Situation in Sachen Corona-Virus bereite ihnen keinen zusätzlichen Stress. Eine sagt:

«Es wäre schlimmer, wenn die Prüfungen kurzfristig abgesagt worden wären.»

Würden nicht auf jedem Stockwerk im Kanti-Altbau Desinfektionsmittel-Spender stehen, es wäre fast wie immer. Die mündlichen Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium und die Fachmittelschule finden an der Kanti Frauenfeld wie geplant statt.

Drei Personen in einem Schulzimmer

Rektorin Chantal Roth.

Rektorin Chantal Roth.

Bild: Andrea Stalder

Am Montag und Dienstag Prüfungen, am Mittwochvormittag die Konferenz mit den Entscheiden. Kantischüler haben in diesen Tagen ein Spezialprogramm, etwa den Social-Day, der nun aber ausfällt. Man habe die Eltern der Prüflinge am Freitagabend per E-Mail über die Durchführung informiert, sagt Rektorin Chantal Roth. Die Situation:

«Fast courant normal.»

Man habe vom Departement die Bewilligung zur Durchführung erhalten, weil sich bei der Prüfungssituation jeweils nur drei Personen im Raum befänden: der Prüfling, der Examinator und der Co-Examinator. Chantal Roth sagt: «Natürlich setzen wir die Massnahmen des Bundes betreffend Social-Distancing und Hygiene um.»

Schulleitung würde sofort handeln, falls Mediothek überbelegt wäre

An der Kanti Frauenfeld findet ab Donnerstag bis Freitag, 27. März, Fernunterricht statt. Danach stehen zwei Wochen Frühlingsferien an. «Wir arbeiten aber an der Eventualplanung, dass der Präsenzunterricht längerfristig ausfallen könnte», sagt Rektorin Chantal Roth. Fernunterricht findet für die Schüler primär zu Hause statt. Die Mediothek der Kanti bleibt nach aktuellem Stand als Arbeitsort geöffnet. «Die Schulleitung würde aber sofort handeln, falls die Räume überbelegt wären.» Die Lehrer geben den Schülern bekannt, über welche Kanäle kommuniziert wird und ob man gemäss Stundenplan in Arbeitsbereitschaft sein muss oder sich die Arbeit selber einteilen kann. Die Lehrer sind im Minimum zu den Sprechstunden (Lektionen gemäss Stundenplan) erreichbar. Bei der Arbeit mit Foren erfolgt die Betreuung laufend. (ma)

Eine andere Sekschülerin, die eine der drei Prüfungen in Deutsch, Französisch und Mathematik schon hinter sich hat, sagt:

«Man vergisst, was rundherum ist.»

Sie ist eine von 144 Schülerinnen und Schülern, die von der Kanti für die «Mündlichen» aufgeboten worden sind. Zeitgleich sind auch in Romanshorn und Kreuzlingen Prüfungen. Sekschüler, die bei den schriftlichen Prüfungen einen Schnitt von 4,0 und mehr haben, sind durch. Bei einem Notenschnitt zwischen 3,0 und 3,99 gibt’s mit den mündlichen Prüfungen eine zweite Chance.

Mündliche Aufnahmeprüfungen 2020 an der Kanti Frauenfeld.

Mündliche Aufnahmeprüfungen 2020 an der Kanti Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Prüfungsabmeldungen wegen Krankheit gibt es jedes Jahr. Und darum finden auch stets Nachprüfungen statt. «Heuer sind es mehr als üblich, aber weiterhin nur im tiefen Prozentbereich», stellt die Rektorin fest.

«Grundsätzlich sollte man eine Prüfung sowieso nur dann ablegen, wenn man gesund ist.»

Üblicherweise muss für eine Abmeldung ein ärztliches Zeugnis nachgereicht werden. «Darauf verzichten wir dieses Jahr.» Man wolle das Gesundheitssystem aktuell nicht noch mit administrativen Belangen belasten.

Social-Distancing bei den mündlichen Aufnahmeprüfungen sei im Übrigen kein Novum, erklärt die Rektorin. «Im Sinn der Sache sassen Prüfling und Examinator schon immer in einer gewissen Distanz zueinander», sagt Roth. Beispielsweise damit der Kantischüler in spe keinen Einblick hat in die Notizen der Person, welche die Prüfung abnimmt.

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