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Ein Zuhause auf Zeit - Einblicke in ein Thurgauer Durchgangsheim

Das Durchgangsheim Frauenfeld hat anlässlich des nationalen Flüchtlingstages seine Türen geöffnet. Dabei konnten die Besucher internationale Speisen geniessen und einem Fussballturnier zuschauen.
Viola Stäheli
Spezialitäten aus verschiedenen Winkeln der Welt werden anlässlich des nationalen Flüchtlingstags gereicht. (Bild: Donato Caspari)

Spezialitäten aus verschiedenen Winkeln der Welt werden anlässlich des nationalen Flüchtlingstags gereicht. (Bild: Donato Caspari)

Momo, Sambusa, Yalangi oder Injera – hinter den klangvollen Namen stecken Spezialitäten, die in der Schweiz nicht so leicht zu finden sind. Am Tag der offenen Tür im Durchgangsheim Frauenfeld ist das anders. «Die Bewohner des Heims haben gekocht», erklärt Beat Keller, stellvertretender Leiter. Und so kommt es, dass die Auswahl ebenso international ist wie die Bewohner selbst, die stolz hinter dem Tisch stehen und die Speisen reichen: Tibet, Angola, Kosovo, Afghanistan, Somalia, Syrien – es ist eine kulinarische Weltreise.

«Der Tag der offenen Tür in unserem Durchgangsheim findet anlässlich des nationalen Flüchtlingstages statt», sagt Keller. Jedes Jahr ermöglicht die Peregrina-Stiftung an diesem Tag Einblicke in eines ihrer Durchgangsheime, die sich neben Frauenfeld in Amriswil, Arbon, Hefenhofen, Matzingen, Romanshorn und Weinfelden befinden.

Erste Integrationsmassnahmen

In den Durchgangsheimen werden Asylsuchende nach der Zuweisung an die Kantone untergebracht. Vorher sind sie in den Bundeszentren. Die Durchgangsheime sind zuständig für die Unterbringung, Verpflegung und Betreuung. «Nebst der Deckung der Grundbedürfnisse – Ernährung, Unterkunft und medizinische Versorgung – gehören auch erste Integrationsmassnahmen dazu», sagt Keller. Damit sind insbesondere Deutschkurse gemeint, die in der Institution angeboten werden. Es gehören aber auch Beschäftigungsprogramme dazu.

Wird ein Asylsuchender als Flüchtling anerkannt, erhält er eine erweiterte Unterstützung wie etwas Hilfe bei der Wohnungs- und Jobsuche. «Wir haben aber auch die Aufgabe, Personen in der Nothilfe zu versorgen», sagt Keller. Diese wird ausreisepflichtigen Personen erteilt und ist auf ein Minimum an Unterbringung, Verpflegung und medizinische Versorgung begrenzt.

Auch Kinder geniessen das reichhaltige Angebot von Speisen. (Bild: Donato Caspari)

Auch Kinder geniessen das reichhaltige Angebot von Speisen. (Bild: Donato Caspari)

«Unsere Bewohner sind eine heterogene Gruppe. Sie unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der zugesprochenen Ansprüche, sondern auch in Alter, Geschlecht und ob es sich um Einzelpersonen oder Familien handelt», sagt Beat Keller. Dafür gibt es verschiedene Wohneinheiten, wie etwa ein Trakt für Frauen und alleinerziehende Mütter.

Zwischen drei Monaten und drei Jahren

Das Durchgangsheim ist nicht die Endstation: Die Bewohner bleiben so lange, bis sie zum Beispiel einer Gemeinde zugeteilt werden oder aber die Schweiz verlassen müssen. «Die Dauer des Aufenthalts variiert stark und kann zwischen drei Monaten und drei Jahren betragen», sagt der stellvertretende Leiter. Derzeit sind in Frauenfeld 70 bis 80 Personen untergebracht.

Plötzlich ist Jubel zu hören. Auf der Wiese vor dem Heim wird der «Peregrina-Cup» ausgetragen, der mit dem Tag der offenen Tür zusammengelegt wurde. Bei diesem treten Bewohner aller Durchgangsheime gegeneinander zu einem Plauschturnier an.

Die Peregrina-Stiftung

(red) Die Peregrina-Stiftung entstand 1985, als der Bund den Kantonen den Auftrag erteilte, Strukturen zur Unterbringung von Asylsuchenden zu errichten. Gegründet wurde die Stiftung vom Thurgauer Regierungsrat in Zusammenarbeit mit der evangelischen und katholischen Landeskirche. Sie ist für die Betreibung der Durchgangsheime und Nothilfeunterkünfte sowie für die Begleitung anerkannter Flüchtlinge im Kanton Thurgau zuständig. Die Finanzierung erfolgt über Bund und Kanton.

Zu den Siegern des aktuellen Spiels gehört der 18-jährige Reza aus Afghanistan. Er lebt seit drei Jahren im Durchgangsheim und beginnt im Sommer eine Lehre als Elektromonteur. «Ja, ich fühle mich wohl hier. Es gibt viele Leute, die mir helfen und mich nicht alleine lassen», sagt er. Und dann ist seine Aufmerksamkeit bereits wieder beim Spiel mit dem runden Ball: Ein Freund von ihm hat eben ein Tor erzielt.

Bald wird das Turnier unterbrochen: Regierungspräsident Jakob Stark hält eine kurze Rede. Er wird sagen, dass auch er lieber auf dem Fussballplatz als auf der Bühne stehe – wäre er nur ein paar Jahre jünger.

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