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Ein weiterer Schritt zu weniger Schrott in Frauenfeld

Ob Küchengeräte, Spielzeuge oder Uhren: Am dritten Schweizer Reparaturtag hauchten Freiwillige defekten Gegenständen neues Leben ein. Auch in Frauenfeld, wo die Veranstalter des Repair-Cafés gleich im Anschluss einen Verein gründeten.
Ursula Ammann
Ein Helfer aus dem Repair-Team flickt Uhren, deren Zeit noch nicht abgelaufen sein darf. (Bild: Donato Caspari)

Ein Helfer aus dem Repair-Team flickt Uhren, deren Zeit noch nicht abgelaufen sein darf. (Bild: Donato Caspari)

Die Blicke sind auf die Dartscheibe gerichtet. Um Punkte geht es am Samstag im Quartiertreff Talbach aber nicht. Vielmehr heisst das Ziel: reparieren, was sich reparieren lässt. Gut 130 defekte Gegenstände schleppen die Besucher des Frauenfelder Repair-Cafés heran. Darunter Nähmaschinen, bei denen es einem einen Stich ins Herz versetzen würde, müsste man sie entsorgen, Mixer, die wieder Schwung in die Küche bringen sollen oder Uhren, deren Zeit noch nicht abgelaufen sein darf. Für das meiste besteht Hoffnung. So schrauben, hämmern und leimen die Helfer aus dem Repair-Team ununterbrochen.

Einer jungen Besucherin ist die Dankbarkeit ins Gesicht geschrieben. Sie fährt sich mit dem frisch reparierten elektrischen Fusselentferner über den Mantel. «Ich finde es toll, dass es Leute gibt, die diese Arbeit freiwillig leisten.» Wenn man nicht vom Fach sei, sei es oft unmöglich, etwas selber zu reparieren.

Eine wundersame Ölung, die wiederbelebt

Er müsse immer wieder schmunzeln, welche Kuriositäten man zu sehen bekomme, sagt Georg Ensslin vom Repair-Team. Team-Kollege Arnold Frei erinnert sich an einen alten Musikautomaten aus einer ehemaligen Frauenfelder Wirtschaft. Das tot geglaubte Gerät erhielt im Repair-Café eine Ölung: Aber nicht die letzte vor dem Eintritt in den Automatenhimmel, sondern eine, die wiederbelebte. «Der Besitzer ist fast ausgeflippt vor Freude», so Frei.

Bei einem Kaffee vertreibt sich Besucher Herbert Müller die Wartezeit. Derweil kümmert sich Hans Bont um dessen rissige Giesskannenbrause aus Blech. Etwas zu entsorgen, das sich noch flicken lässt, kommt für Müller nicht in Frage. «Mich ärgert die Wegwerfgesellschaft», sagt der frühere Schlosser und Präzisionsmechaniker. Die Giesskannenbrause, die er seit gut 50 Jahren besitzt und häufig im Garten einsetzt, hat noch mindestens einen Frühling vor sich, wie sich herausstellt. Müller strahlt, als Bont ihm das gelötete Stück an den Tisch bringt. Bont, in Oberriet im Rheintal aufgewachsen, galt schon früh als «Dorfchlüteri». «Wenn etwas noch reparierbar ist, repariere ich es», sagt der Pensionär, der Mechaniker lernte, das Tech absolvierte und später ein Ingenieurbüro gründete.

Der Verein will die Reparaturkultur fördern

Im Quartiertreff ist Ruhe eingekehrt. Die Besucher sind auf dem Heimweg. Nun folgt etwas Besonderes: Die Gründung des Vereins «Repair-Café Frauenfeld», um das bereits vorhandene und bewährte Angebot auch rechtlich zu verankern. Die gut 15 Helfer, die als Mitglieder des neuen Vereins Platz genommen haben, genehmigen die Statuten einstimmig. «Das Repair-Café trägt zu einem nachhaltigen Umgang mit der Natur bei und fördert die Reparaturkultur», lautet der darin festgehaltene Zweck. Die Versammlung ist nach wenigen Minuten vorbei. Doch einigen Mitgliedern brennt noch etwas unter den Nägeln: Sie berichten, dass man an Elektroschrott-Sammelstellen regelrecht als Dieb abgestempelt werde, wenn man reparierbare Geräte mitnehme. Dies, obwohl man sie so vor dem Wegwerfen bewahre. Die Frage sei, ob der Verein etwas tun könne. Die frisch gewählten Co-Präsidenten Otto Wieland und Christian Rzesnik versprechen, dies zu prüfen und sich bei anderen Repair-Cafés nach allfälligen Lösungen zu erkundigen.

Nicht im Schrott landen jene Dinge, die das Repair-Team am Samstag geflickt hat. «Wir konnten 241 Kilo Abfall vermeiden», resümiert Wieland. Auch die Dartscheibe funktioniert wieder. Einmal mehr hat das Repair-Team ins Schwarze getroffen.

Das nächste Repair-Café findet am 9. Februar im Quartiertreff Talbach in Frauenfeld statt. Besucher können defekte Gegenstände gratis reparieren lassen. Auch weitere Helfer sind willkommen.

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