Zu viel Phosphat im Weiher - Thurgauer Naturschutzgebiet erhält einen Wasserfilter

Nährstoffe belasten das Naturschutzgebiet Bommer Weiher. Nun bekommt es beim Zufluss einen natürlichen Filter. Das Projekt kostet 700 000 Franken.

Silvan Meile
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Matthias Künzler, Thurgauer Amt für Raumplanung, zusammen mit Kemmentals Gemeindepräsidentin Christina Pagnoncini und Vizepräsident Walter Ludwig am Naturschutzprojekt beim Bommer Weiher.

Matthias Künzler, Thurgauer Amt für Raumplanung, zusammen mit Kemmentals Gemeindepräsidentin Christina Pagnoncini und Vizepräsident Walter Ludwig am Naturschutzprojekt beim Bommer Weiher.

Bild: Andrea Stalder
  • Ins Flachmoor und Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung wuchern wegen zu vielen Nährstoffen Wasserpflanzen. Und es droht die Verlandung.
  • Nun sondert ein natürlicher Filter beim wichtigsten Zufluss Geschiebe und Phosphat aus dem Wasser.
  • Dabei entsteht eine dem Weiher vorgelagerte Moorlandschaft mit einer länge von 200 Meter. 

Der Bommer Weiher in Kemmental braucht Hilfe. Das ökologische Juwel ächzt unter zu viel Nährstoffen. Schon lange hat der von intensiv genutztem Landwirtschaftsland umgebene Weiher mit Überdüngung zu kämpfen. Messungen im Jahr 2009 belegten enorme Belastungswerte, sagt Matthias Künzler vom kantonalen Amt für Raumentwicklung.

Matthias Künzler, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Amt für Raumentwicklung des Kantons Thurgau.

Matthias Künzler, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Amt für Raumentwicklung des Kantons Thurgau.

Bild: Andrea Stalder

Diese widerspiegeln sich etwa am Rauen Hornblatt. Die Wasserpflanze wuchert übermässig im Weiher. Mit ihrer dominanten Stellung verdrängt sie im naturgeschützten Flachmoor und Amphibienlaichgebiet andere Arten. Und sie gefährdet die Ufervegetation. Deshalb soll der Weiher nährstoffärmer werden. Dafür wird nun Phosphor aus dem Wasser des grössten Zuflusses, dem Dippishauser Kanal, rausgefiltert, bevor es in den Weiher gelangt. Künzler spricht von einem schweizweiten Novum.

Über ausgebaggerte Becken in den Filter aus Eisenhydroxid

Um das Naturschutzgebiet aufzuwerten, sind in den vergangenen drei Monaten die Bagger aufgefahren. Wenn der Dippishauser Kanal künftig überdurchschnittlich viel Wasser führt, soll er sein Geschiebe und die Nährstoffe nicht mehr ungebremst in den Bommer Weiher transportieren, dem nebst der Überdüngung auch die Verlandung droht.

Stattdessen wird dann das Wasser 200 Meter vor der Mündung in den Weiher in mehrere künstlich erstellte Überlaufbecken geleitet, wo das mitgeführte Material abgelegt wird. Mit Schotter gefüllte Drahtkörbe unterteilen die Beckenkammern und sondern mitgeschwemmte Stoffe aus. In der letzten Kammer filtert eine Sandschicht das Wasser.

Eine biologische Kläranlage

Auf der entsprechenden Landfläche entsteht nun ein beachtliches Moor. Im Herbst werden hier Pflanzen gesät. Etwa Schilf, Sträucher, Blumen und Kräuterpflanzen sollen auf der heute noch kahlen Landschaft dereinst wachsen und ein reiches Nahrungsangebot für Insekten bieten.

Christina Pagnoncini, Gemeindepräsidentin Kemmental.

Christina Pagnoncini, Gemeindepräsidentin Kemmental.

Bild: Andrea Stalder
«Die zusätzlich angelegten Tümpel bieten auch neue Lebensräume für Frösche, Molche und Libellen.»

Das sagt Christina Pagnoncini, Gemeindepräsidentin von Kemmental. Bevor das Wasser daraus schliesslich in den Bommer Weiher gelangt, durchfliesst es noch einen betonierten unterirdischen Schacht mit rund zwei Tonnen Eisenhydroxid-Granulat, welches das Phosphat aus dem Wasser natürlich filtert. «Einfach gesagt, entsteht hier eine biologische Kläranlage», sagt Künzler.

Die Aufwertung kostet 700000 Franken

Das Projekt, das unter der Federführung des Kantons mit finanzieller Beteiligung des Bundes und der Gemeinde entstand, kostet rund 700000 Franken. Ausserdem entstehen Folgekosten beim Eisenhydroxid-Filter. Je nach Wassermengen müssen dort die Granulate alle zwei bis fünf Jahre ersetzt werden, was jeweils mehr als 22000 Franken kostet, wie Künzler erläutert. Ausserdem müssen die Überlaufbecken regelmässig wieder ausgebaggert werden.

Künzler wird nun beobachten, wie sich das Projekt bewährt beziehungsweise sich die Wasserqualität im Bommer Weiher verbessert. Verschiedene Messsonden im Gelände liefern Daten dafür.

Weiterhin kleiner Schutzgürtel

Walter Ludwig, Vizegemeindepräsident Kemmental.

Walter Ludwig, Vizegemeindepräsident Kemmental.

Bild: Andrea Stalder

Den Massnahmen für einen nährstoffärmeren Weiher ging ein Kompromiss voraus, der während Jahren mit den Anspruchsgruppen gefunden werden musste, weiss Walter Ludwig, Kemmentals Vizepräsident. Dem betroffenen Bauern wurde schliesslich für das bisher von ihm bewirtschaftete Land Realersatz angeboten. Der restliche Schutzgürtel um den von landwirtschaftlichen Flächen umgebenen Bommer Weiher bleibt mit fünf Metern weiterhin verhältnismässig klein.

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