Ein Vorstoss in Frauenfeld fordert: Zwei Tage mehr Papizeit, bitte

Die SP-Gemeinderäte Pascal Frey, Ralf Frei und Félice Haueter fordern familienfreundlichere Anstellungsbedingungen für das Personal der Stadt Frauenfeld. Sie haben deshalb eine Motion bezüglich Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs eingereicht.

Mathias Frei
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Ein Vater und seine Tochter. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Vater und seine Tochter. (Bild: KEYSTONE/Gaetan Bally)

Frauenfeld hat zwar das Unicef-Label «Familienfreundliche Gemeinde», aber beim städtischen Personal ist diese hochgelobte Familienfreundlichkeit noch nicht so weit gediehen. Dieser Meinung sind zumindest die SP-Gemeinderäte Pascal Frey, Ralf Frei und Félice Haueter. Sie haben deshalb an der Budgetsitzung eine Motion mit dem Titel «Anpassung Personalverordnung im Bereich Vaterschaftsurlaub und Betreuung von kranken Kindern» eingereicht. Den Vorstoss haben 15 Gemeinderäte mitunterzeichnet.

Félicie Haueter, Gemeinderätin SP. (Bild: PD)

Félicie Haueter, Gemeinderätin SP. (Bild: PD)

Die Motionäre fordern den Stadtrat auf, den Anspruch auf bezahlten Vaterschaftsurlaub von drei auf fünf Tage zu erhöhen (städtische Personalverordnung, Artikel 83, Absatz 1). Ebenfalls soll es in Zukunft zwei bezahlte Urlaubstage geben statt nur einen pro Unfall- oder Krankheitsereignis «für die notwendige, unvorhergesehene Organisation der Pflege eines eigenen Kindes» (städtische Personalverordnung, Artikel 83, Absatz 2).

Im Nachteil: Zeitgemässe Familienmodelle

«Mit den heutigen Familienstrukturen haben sich die Bedürfnisse von zukünftigen Vätern gewandelt», schreiben die Motionäre. Der Vaterschaftsurlaub solle deshalb zumindest auf das Niveau des Kantons Thurgau, eben auf fünf Tage, angehoben werden. Es könne nicht sein, dass eine familienfreundliche Stadt wie Frauenfeld den eigenen Mitarbeitern in der heutigen Zeit nicht diese wenige Familienzeit gönne. Und weiter heisst es in der Motion:

«Es ist dem Stadtrat überlassen, vorbildlich zu handeln und gar eine Erhöhung auf 10 bis 15 Tage in Betracht zu ziehen.»
Pascal Frey, Gemeinderat SP. (Bild: PD)

Pascal Frey, Gemeinderat SP. (Bild: PD)

Die aktuelle Personalverordnung benachteiligt nach Meinung der drei SP-Politiker zeitgemässe Familienmodelle. Mit derzeit einem bezahlten Urlaubstag sei es schwierig, Betreuung und Pflege eines kranken Kindes so zu organisieren, «dass weder bei Mutter noch Vater grössere Fehlzeiten am Arbeitsplatz entstehen und trotzdem die Betreuungssituation für die Familie zufriedenstellend gewährleistet ist». Zukünftig sollen deshalb pro Krankheitsereignis zwei Tage gewährt werden.

«Wir müssen dem städtischen Personal mehr Sorge tragen.»
Ralf Frei, Gemeinderat SP. (Bild: PD)

Ralf Frei, Gemeinderat SP. (Bild: PD)

So erklärt SP-Gemeinderätin Félice Haueter den Vorstoss. Die städtischen Angestellten würden gute Arbeit leisten. Seit Jahren billige man ihnen aber in Sachen Lohnerhöhung nur das Minimum zu. Damit das Personal gleichwohl zufrieden und vor allem gesund bleibe, seien Ansprüche wie ein Vaterschaftsurlaub umso wichtiger, sagt Haueter.

Stadt St. Gallen hat 20 Tage Vaterschaftsurlaub

Eine Recherche zeigt: Frauenfeld würde sich auch nach Umsetzung der Motion noch am unteren Rand bewegen bei der Dauer des Vaterschaftsurlaubs. Für die Motionäre sind die kantonalen Personalbestimmungen Vergleichswert. Wer beim Kanton Thurgau arbeitet, hat fünf Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub zugute sowie pro Unfall- oder Krankheitsereignis des Kindes zwei bezahlte Urlaubstage, um dessen Pflege und Betreuung organisieren. Bei der Spital Thurgau AG sind es zwar auch zwei Tage für die Organisation der Kinderbetreuung und vier Tage Vaterschaftsurlaub. Auch eher knapp hält der Kanton Zürich seine Angestellten, wo man fünf Tage Vaterschaftsurlaub beanspruchen kann und pro Unfall- oder Krankheitsereignis maximal fünf Tage.

Zum Vergleich wie im Paradies müssen sich Väter fühlen in den Städten Winterthur, Zürich oder St. Gallen. Wer bei der Stadt Winterthur angestellt ist, bekommt zehn Tage Vaterschaftsurlaub. Pro Unfall- oder Krankheitsereignis gibt es maximal fünf Tage. Bei der Stadt Zürich sind es ebenfalls zehn Tage Vaterschaftsurlaub. Bei einem kranken Kind bekommt man pro Ereignis drei Tage. Zusätzlich hat man als alleinerziehende Mutter respektiver alleinerziehender Vater pro Jahr maximal sechs weitere bezahlte ausserordentliche Kinderbetreuungstage zugute.

Ganze 20 Tage Vaterschaftsurlaub bekommt das Stadtsanktgaller Personal. Diesen Sommer hat das St. Galler Stadtparlament Ja gesagt zu mehr Papizeit. Bisher gab es fünf bezahlte Urlaubstage, ab dem vierten Dienstjahr deren zehn. Mit 20 Tagen spielt die Stadt St. Gallen nun in der gleichen Liga wie Genf, Lausanne, Neuenburg, Bern und Biel. Dafür sind in St. Gallen aber die bezahlten Betreuungstage fürs eigene Kind unbekannt.