Ideen gesucht: Die Bauten der Münchwiler Badi sind in die Jahre gekommen

Das Münchwiler Parkbad an der Murg will seine Hochbauten ersetzen und lässt hierfür seine Gäste mitreden.

Olaf Kühne
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Parkbad-Präsident Bruno Frei freut sich über die grosse Resonanz auf seine Infotwand.

Parkbad-Präsident Bruno Frei freut sich über die grosse Resonanz auf seine Infotwand.

Bild: Olaf Kühne

«Es wäre ein Fass ohne Boden», sagt Bruno Frei. Der Präsident der Genossenschaft Parkbad an der Murg beantwortet damit die Frage, weshalb man die nunmehr 62-jährigen Hochbauten des beliebten Münchwiler Freibades nicht renovieren will. «Wir müssten alles sanieren», sagt Frei, der sein Amt erst seit vergangenem Jahr innehat, «Garderoben, sanitäre Anlagen, Küche, Personalräume. Dazu kommt, dass vieles auch nicht behindertengerecht ist.»

Von einer maroden Badi kann dennoch nicht die Rede sein. «Unsere Wassertechnik und die Becken sind à jour, die haben wir jüngst saniert. Und auch bezüglich unserer Hochbauten haben wir keinen Zeitdruck.» Die Geschäftsleitung um Bruno Frei hat sich deshalb zu einem unkonventionellen Weg entschieden. Nicht, weil sie sämtliche Gebäude durch Neubauten ersetzen will. Sondern weil sie hierfür – unter anderem– ihre Badegäste miteinbezieht. «Wir haben für diese Saison eine Infowand errichtet», so Frei. «Darauf erzählen wir die Geschichte unseres Bades und wo wir damit hin wollen.»

Ergänzt ist die Tafel mit einem Briefkasten und Onlineformularen, auf welchen die Besucherinnen und Besucher ihre Ideen und Wünsche zu Papier bringen konnten. «Ich sass diesen Sommer wiederholt im Gartenrestaurant und beobachtete unsere Gäste, wie sie die Tafel studierten und die Antwortformulare ausfüllten», berichtet Frei. «Das hat mich sehr gefreut.» Die Idee hinter den Formularen sei einerseits, bei den Gästen Identifikation mit der Badi zu schaffen. Und andererseits: «Wir haben sehr viele langjährige Gäste, die kennen das Parkbad wahrscheinlich besser als wir in der Geschäftsleitung und kommen so vielleicht auf Ideen, auf die wir nicht gekommen wären.»

Einladung an lokale Architekten

Nach dieser Ideenfindungsphase gilt es, das Ganze in einen Anforderungskatalog für einen Architekturwettbewerb zu packen. Und selbst hier gehen die Münchwiler einen eher unkonventionellen Weg. «Wir werden alle Architekten in unseren Partnergemeinden Eschlikon, Fischingen, Sirnach und Münchwilen anschreiben», sagt Bruno Frei. «Aus den eingegangenen Bewerbungen werden dann eine Handvoll Architekturbüros ausgewählt, welche ein Projekt einreichen dürfen. Das Siegerprojekt wollen wir dann unserer Generalversammlung im Frühling 2021 präsentieren.» Wiederum ein Jahr später soll dann der Antrag an der GV erfolgen. Und so soll dann schliesslich der Sommer 2023 die letzte Münchwiler Badesaison mit den dannzumal 65-jährigen Hochbauten werden.

Die Saison 2020 wird wohl nicht so schlimm, wie befürchtet

(kuo) Zwei Wochen noch läuft die Saison im Münchwiler Parkbad an der Murg. Entsprechend liegen Genossenschaftspräsident Bruno Frei noch keine definitiven Zahlen über dieses coronabedingt mehr als aussergewöhnliche Jahr vor. «Wir rechnen mit einem Defizit», sagt er wenig überraschend, ergänzt aber: «Die Katastrophe, die wir anfangs befürchtet hatten, wird es aber wohl doch nicht werden.» Dies liege einerseits – ganz naheliegend – am schönen Sommer. «Wir hatten zwar einige Regentage, aber für unsere Parkanlage waren die sogar gut.»

Aussergewöhnlich gestartet ist die Saison für Frei aber nur schon, weil er seine erste GV als Präsident schriftlich durchführen musste. «Das war schon sehr speziell.» Danach habe man aber vom Verband Hallen- und Freibäder ein gut umsetzbares Coronaschutzkonzept erhalten und das Parkbad mit sechs Wochen Verspätung öffnen können. Anfangs mit einer Limite von 500 Gästen, kurz darauf mit einer Beschränkung auf 1200 Personen. «In normalen Jahren haben wir an Spitzentagen 3000 Gäste. Wir haben deshalb auf unserer Website einen Coronaticker mit der aktuellen Besucherzahl geführt, sodass niemand vergebens zu uns gefahren ist.» Dies habe sehr gut funktioniert, nur einmal sei man ans Limit gekommen und habe einzelne Besucher kurz am Eingang warten lassen müssen.

Finanziell positiv ausgewirkt habe sich insbesondere, dass man wegen der unsicheren Situation zwar weniger Saisonabos als in früheren Jahren verkauft habe, dafür umso mehr Einzeleintritte. «Besonders gefreut hat uns auch, dass unser Personal von Anfang an mitgezogen hat. Wegen der Coronamassnahmen hatten wir keine Reklamationen seitens unserer Gäste, das ist auch nicht selbstverständlich», sagt Frei und freut sich bereits auf den Saisonschluss: «Am Freitag, 18. September, werden wir bei schönem Wetter die Tore bis 20 Uhr offen haben. Unser Kiosk hat vergünstigte Speisen, und die Verantwortlichen des Bauprojektes stehen Interessierten nochmals für einen Austausch zur Verfügung.»

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