Dem Gemeinderat von Tobel-Tägerschen droht in der kommenden Legislatur eine Vakanz

Der Gemeinderat von Tobel-Tägerschen sucht händeringend Kandidaten für die bevorstehenden Gesamterneuerungswahlen. Immerhin habe ein dringlicher Appell vielleicht gefruchtet, hofft der Gemeindepräsident.

Olaf Kühne
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Gemeinderat Roger Kernen verzichtet auf eine Wiederwahl. Gemeindepräsident Rolf Bosshard und die Gemeinderäte Stefan Blum, Andreas Eggenberger und Rolf Frei treten hingegen zu den Gesamterneuerungswahlen vom 10. Februar an. (Bild: PD)

Gemeinderat Roger Kernen verzichtet auf eine Wiederwahl. Gemeindepräsident Rolf Bosshard und die Gemeinderäte Stefan Blum, Andreas Eggenberger und Rolf Frei treten hingegen zu den Gesamterneuerungswahlen vom 10. Februar an. (Bild: PD)

«Das frustriert», schreibt der Gemeinderat von Tobel-Tägerschen in seiner Mitteilung – und meint damit die Kandidatensuche für die Gesamterneuerungswahlen vom 10. Februar. Man habe etliche Personen angefragt und wurde «ausschliesslich mit Absagen konfrontiert».

Erforderlich wurde die Kandidatensuche, nachdem Gemeinderat Roger Kernen im September bekannt gegeben hatte, nicht mehr zu den Wahlen antreten zu wollen. Im vergangenen März war Kernens Tochter zur Welt gekommen und im kommenden Frühling wird er «seine Traumfrau heiraten», begründete er seinen Verzicht auf eine Wiederwahl.

Finanzkompetenzen gefragt

Beruflich ist Kernen als Finanzcontroller tätig, entsprechend zeichnet er im Gemeinderat für die Ressorts Finanzen, Steuern und Liegenschaften verantwortlich. So zeichnet sich denn – auch wenn Gemeinderäte nicht in spezifische Ressorts gewählt werden – in der Behörde ein Kompetenzverlust in Finanzfragen ab. Erschwerend kommt hinzu, dass bis zum Ablauf der Eingabefrist nicht nur keine Kandidaten für den freien Gemeinderatssitz gefunden werden konnten, auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) der Politischen Gemeinde Tobel-Tägerschen hat zwei vakante Sitze. Sollte sich auch für den zweiten Wahlgang vom 19. Mai niemand finden lassen, müssten «Dienstleistungen teuer extern eingekauft» werden, schliesst der Gemeinderat folglich seinen Apell.

«Wäre die RPK unterbesetzt, müssten wir ein Treuhandbüro beauftragen.»

Dieser beziehe sich insbesondere auf die Rechnungsprüfungskommission, sagt Gemeindepräsident Rolf Bosshard auf Anfrage unserer Zeitung. «Wäre die RPK unterbesetzt, müssten wir ein Treuhandbüro beauftragen», sagt er. «Und Treuhänder haben bekanntlich einen ganz anderen Stundenansatz als Behörden- oder Kommissionsmitglieder.»

Die Aussicht, mit einem leeren Gemeinderatssitz in die neue Legislatur zu starten, ist für Bosshard noch aus einem anderen Grund nicht verlockend: «Die Mehrbelastung steigt für die verbleibenden Behördenmitglieder, dies wirkt sich nicht gerade förderlich auf die verbleibende Behördenzeit aus.»

Die Kandidatensuche durch den Gemeinderat sei einerseits über das persönliche Beziehungsnetz der einzelnen Mitglieder erfolgt. «Wir sind in einer Gemeinderatssitzung die Namen durchgegangen, die für die Ämter in Frage kamen.» Und weil für die Vakanzen in Gemeinderat und RPK Finanzkompetenzen gefragt seien, habe man auch das Einwohnerregister nach den hierfür geeigneten Berufen der Einwohner durchforstet – aber eben nur Absagen erhalten.

Hingegen hat der Appell in den Gemeindenachrichten bereits gefruchtet. «Zwei interessierte Personen haben sich für die RPK doch noch gemeldet», sagt Rolf Bosshard. «Wir hoffen nun, dass sie sich für eine definitive Kandidatur entscheiden, und wir so ihre Namen wenigstens in den Gemeindenachrichten von Ende Januar publizieren können. So erreichen wir wenigstens die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die dann nicht bereits schon brieflich gewählt haben.» Sicher aber könne man diese Namen für den zweiten Wahlgang bekannt machen.

Keine Interpartei, keine Ortsparteien

Kümmern sich andernorts, insbesondere in grösseren Gemeinden, Ortsparteien oder die jeweilige Interpartei um die Kandidatensuche, sind derartige Institutionen in Tobel-Tägerschen schlicht nicht vorhanden. Zudem sind sämtliche Mitglieder des hiesigen Gemeinderates nach wie vor parteilos. Gemeindepräsident Rolf Bosshard misst dem Thema indes keine allzu grosse Bedeutung bei. «Unsere Gemeinde ist mit 1600 Einwohnern für wirklich funktionierende Ortsparteien oder für eine Interpartei zu klein», sagt er. «Für die Pflege eines Netzwerkes sind bei uns die Vereine besser geeignet.»

«Für die Pflege eines Netzwerkes sind bei uns die Vereine besser geeignet.»

Kontakte gepflegt werden aber auch an Anlässen wie beispielsweise am Neujahrsapéro von heute Samstagabend. Diesen Rahmen will der Gemeindepräsident nutzen, um über den Stand der Legislaturziele des Gemeinderates zu informieren. «Es wird aber keine wahnsinnig lange Rede werden», sagt er schmunzelnd. «Schliesslich wollen wir vor allem einen geselligen Anlass.» Das Thema Kandidatensuche wolle er aber schon auch kurz anschneiden.

Hinweis
Der Neujahrsapéro der Gemeinde Tobel-Tägerschen im Foyer des Oberstufenschulhauses beginnt am Samstag, 5. Januar, um 19.30 Uhr.