Ein Thurgauer ist der Gründer von «Best Smile»: Ertan Wittwer verkauft das beste Lächeln – mittels durchsichtiger Zahnspangen

Der Thurgauer Ertan Wittwer ist 34 Jahre alt und gründet schneller Firmen, als andere das Auto wechseln: Sein grösster Erfolg ist «Best Smile».

Ida Sandl
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Moderne Zahnspangen sind der Renner: Der Thurgauer Ertan Wittwer ist Gründer der Firma «Best Smile» mit Sitz in Winterthur.

Moderne Zahnspangen sind der Renner: Der Thurgauer Ertan Wittwer ist Gründer der Firma «Best Smile» mit Sitz in Winterthur.

Reto Martin

Selber hat er sie noch nicht ausprobiert, die durchsichtigen Zahnspangen, die in den letzten Monaten durch die Decke gingen. Ungewöhnlich, denn Ertan Wittwer ist ein Unternehmer, der nichts dem Zufall überlässt. Unvermittelt taucht er in einer seiner «Best-Smile»-Filialen auf und redet mit den Kunden.

«Ich nerve sie förmlich.»

Er will wissen, was ihnen gefällt. Was sie nicht so gut finden oder sie sogar stört. Sind die Stühle bequem, macht die Online-Anmeldung Probleme? Dass er «Best Smile» gegründet hat, sagt er nicht. Und die Kunden kämen auch nicht auf die Idee. Ertan Wittwer ist 34, trägt Jeans und weisse Sneakers. Er versprüht jugendlichen Enthusiasmus.

Die Praxen sind jetzt zu: Aber das wird wieder

Wieso hat er die Spangen also noch nicht getestet? Er lacht. «Ich bin mit meinen Zähnen sehr zufrieden. Viele Menschen sind dass nicht. Schiefe Zähne, Gebiss verschoben. Die Spangen bringen das nach und nach in Ordnung. «Wir geben den Kunden ihr Lächeln zurück», sagt Wittwer. Wegen der Corona-Pandemie sind die Praxen jetzt zwar geschlossen. Nur eine kleine Task-Force arbeitet. Auch die Produktion ist heruntergefahren auf drei bis vier Mitarbeiter statt 25. Doch Wittwer ist Optimist: «Das wird wieder».

So sehen die transparenten Zahnspangen aus.

So sehen die transparenten Zahnspangen aus.

Reto Martin

Die durchsichtigen Zahnspangen, Aligner genannt, hat Wittwer nicht erfunden. Sie kommen aus den USA und es gibt sie schon länger. Wittwers Idee war, Praxen einzurichten, in denen nur Zahnkorrekturen mit Alignern gemacht werden. Für die Korrekturen gibt es einen Pauschalpreis. Vor eineinhalb Jahren hat er die erste Praxis eröffnet, dort wo er meist seine Ideen testet: In Zürich. Sein Konzept, coole Lage, stylishe Einrichtung, viel Schwarz und ein junges Team. In den «Best-Smile-Praxen» duzt man sich.

Die Migros ist eingestiegen: Das war der Ritterschlag

Anfangs sei es schwierig gewesen, Zahnärzte zu finden, die nichts anderes als Zahnkorrekturen machen wollen. Zwei Ärztinnen sagten schliesslich Teilzeit zu. Mittlerweile bewerben sich junge Zahnärzte bei Wittwer. «Best Smile» sprich für sich selber.

17 Praxen hat Wittwer bisher vor allem in der Deutschschweiz eröffnet, unter anderem in St.Gallen und Winterthur. Der Thurgau fehlt noch, aber das soll sich bald ändern. Ende 2020 werden es etwas weniger als doppelt so viele sein. Da ist der Ausfall durch die Corona-Krise schon eingerechnet. Seit November ist die Migros mit im Boot. Das war der Ritterschlag, seitdem blinkt die Werbung mit dem schönen Lächeln noch öfter bei der Internet-Suche auf oder flimmert über den TV-Bildschirm.

Er begriff schnell, dass Fleiss zum Erfolg führt

«Best Smile» ist das dritte Start up, dass Wittwer gegründet oder mitgegründet hat. In einem Alter, in dem andere gerade mal die ersten Stufen der Karriereleiter erklimmen. Er ist in Häuslenen und Frauenfeld aufgewachsen und hat bei Ochsner in Aadorf Eisenwarenverkäufer gelernt. In den Laden kamen die Handwerksmeister aus der Region, um sich mit Werkzeug und Maschinen einzudecken. Ihr Arbeitsethos, ihr Unternehmergeist imponierten ihm. Er las Biografien berühmter Menschen und begriff schnell, dass zwei Dinge zum Erfolg führen: Fleiss und Beharrlichkeit.

Fleissig war er. Verkaufsleiter, Geschäftsführer, für die «Gutschein-Service Groupon» hat er das Geschäft in der Schweiz aufgebaut. Seine Chefs setzten ihn als Verantwortlichen für Zentraleuropa ein und schickten ihn nach Berlin. Da war er gerade Vater geworden. Die kleine Familie zog vom Thurgau in Deutschlands bunte 4-Millionen-Hauptstadt.

Nur ein Jahr lebte er in Berlin und doch hat ihn die Stadt nachhaltig geprägt. Berlin, das war Aufbruchstimmung.

«In Berlin bauen die Jungs eine Website und eröffnen ihre Firma.»

Das steckt an. Mit ein paar Kollegen hatte Wittwer die Idee, vermietete Parkplätze in Grossstädten mittels einer App stundenweise weiter zu vermieten. Es funktionierte, doch das Team trennte sich. Die Vorstellungen waren zu unterschiedlich.

Ein Jahr hielt er durch bei Swisscom Directories

Es folgte das nächste Start up, eine einfache Software für KMUs. Denn «die meisten Ideen scheitern an Excel». Mittlerweile war der zweite Sohn geboren, die Familie lebte wieder in der Schweiz. Winterthur fühlte sich an wie ein guter Kompromiss, nahe bei den Eltern, aber mit städtischem Flair. Swisscom Directories übernahm das Start up und er stieg dort ein. Doch die schwerfälligen Strukturen eines traditionellen Grosskonzerns waren nichts für ihn. Ein Jahr hielt er durch. Dann kündigte er.

Ertan Wittwer sitzt im Konferenzzimmer im Hauptsitz von «Best-Smile» in Winterthur. Neben der Eingangstür stehen E-Trottinets und Helme. Lange Tische mit Computern, die meisten, die normalerweise hier arbeiten, sind ähnlich alt wie er oder jünger. Er könne andere motivieren, sagt Wittwer. Und:

«Ich habe ein Gespür für
die richtigen Leute.»

150 Mitarbeiter hat «Best Smile». So einen rasanten Aufstieg stemmt niemand alleine.

Wenige Monate nachdem «Best Smile» angelaufen war, stellte Wittwer einen Finanz- und einen Expansionsexperten ein und machte sie zu Mitinhabern. Dafür musste er einen Teil der Firma abgeben. Ein Unternehmer müsse sich entscheiden, sagt er. Will man lieber ein kleines Stück vom Kuchen allein für sich, «oder den Riesenkuchen zusammen mit anderen.» Für Wittwer ist das keine Frage: Lieber teilen und dafür den grossen Kuchen.

Die App: Per Handy zum freien Parkplatz

Die Parkplatznot in Schweizer Städten treibt seltsame Blüten. Der neuste Streich: Per App sollen Private ihre ungenutzten Parkplätze an andere Autofahrer weitervermieten. Die Firma Parku bringt dieses System erstmals nach St. Gallen.
Nina Ladina Kurz