Ein Streit aus Tierliebe: Kreuzlinger Ehepaar nimmt Arealverbote in Kauf, um Krähen zu füttern

Beim Kreuzlinger Einkaufszentrum «Seepark» hat bereits im Juni eine Krähenattacke für Aufsehen gesorgt. Ein Ehepaar füttert die Tiere auf einer Wiese direkt neben dem Gebäude und zieht so Vögel an. Die betroffenen Eigentümer setzen nun auf Sanktionen.

Stefan Marolf
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Tote Krähen werfen in Kreuzlingen viele offene Fragen auf.

Tote Krähen werfen in Kreuzlingen viele offene Fragen auf.

Bild: Annick Ramp (17. Januar 2015)

Die Probleme begannen, als ein Unglücksrabe auf dem Parkplatz des Kreuzlinger Einkaufszentrums «Seepark» im Juni von einer Krähe angegriffen wurde, stürzte und sich dabei verletzte. Überraschend kam das nicht.

«Wir haben beim Seepark ein Vogelproblem»,

sagt Gerhard Lang. Der Immobilienberater verwaltet die betroffene Liegenschaft und hat jetzt Massnahmen ergriffen. «Mit einer spezialisierten Firma haben wir alle möglichen Nistplätze auf dem Gebäude vergittert.»

Die Lösung dürfte vor allem gegen die vielen Tauben auf dem «Seepark» helfen. Was die Krähen angeht, hat Lang den Hebel bei deren Futterquelle angesetzt. Auf einer Wiese direkt neben dem «Seepark» füttern Bryant und Diana Dorsch seit rund fünf Jahren Vögel. Bryant Dorsch sagt:

«Wir nehmen an, dass die Krähen Unterstützung brauchen, um gut durch den Winter zu kommen.»

Als das Ehepaar Dorsch im Sommer eine Abnahme des Krähenbestandes beobachtet und tote Vögel in der Gegend findet, erstattet es Anzeige wegen einer möglichen Vergiftung. Einer der Verdächtigten: Gerhard Lang. Die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall, findet aber keine Hinweise auf eine Straftat und legt ihn zu den Akten (wir berichteten).

Gerhard Lang weist die Vergiftungsvorwürfe zurück und sagt:

«Das Ehepaar leert kistenweise Futter auf die Wiese.»

Nach der Krähenattacke seien Beschwerden von der Kundschaft eingegangen. «Wir suchten den Dialog und wollten die Fütterung auf diese Weise verhindern.» Bryant Dorsch zeigt Verständnis:

«Es ist unter Vogelschützern umstritten, ob die Fütterung etwas bringt oder nicht. Wir sind aber bei weitem nicht die einzigen hier, die Freude an den Vögeln haben.»

Weil für Gerhard Lang der Dialog nicht zielführend war, hat er sich jetzt zu einem drastischeren Schritt entschieden. Vor rund einer Woche hat er Diana und Bryant Dorsch ein Arealverbot erteilt. Weitere Parteien, darunter eine Schule, haben es ihm gleichgetan. Bryant Dorsch bestätigt die Arealverbote, lässt sich aber nicht unterkriegen:

«Wir haben einen anderen Platz gefunden, wo wir die Vögel füttern können und wo das hoffentlich niemanden stört.»

Livio Rey, der Mediensprecher der Vogelwarte Sempach, sagt: «Gegen ein sachgemässes und massvolles Füttern ist nichts einzuwenden. Die Fütterung bietet Gelegenheit, Vögel zu beobachten und ermöglicht schöne Naturerlebnisse. Aus Artenschutzgründen nötig ist das Füttern aber zu keiner Jahreszeit.»

Hinweis

Auf der Website der Vogelwarte Sempach sind Ratgeber zur richtigen Fütterung von Vögeln zu finden.