Wallenwilern verkauft Westfalenstoffe in ihrem Laden und übers Internet

Die sogenannten Westfalenstoffe haben es Heidi Kiener besonders angetan. Aus dem Hinterthurgau vertreibt die Hobbyschneiderin das Traditionsprodukt – auch über das Internet.

Ruth Bossert
Drucken
Teilen
Stoffhändlerin Heidi Kiener steht am Zuschneidetisch in ihrem Wallenwiler Laden. (Bild: Ruth Bossert)

Stoffhändlerin Heidi Kiener steht am Zuschneidetisch in ihrem Wallenwiler Laden. (Bild: Ruth Bossert)

Heidi Kiener streicht hier sachte über einen Stoff, rückt dort eine Rolle zurecht und nimmt einen ganzen Stapel der gleichen Serie auf den Schneidetisch. Sie entrollt den rosafarbenen Stoff mit dem Hähnchenmuster und zeigt mit dem Finger auf Hahn und Henne, Mond und Sterne und dazwischen auf Herzen und die Kritzelmuster, die Hanne Nüte Kümmerer, die Künstlerin und spätere Leiterin der Westfalenstoffe, bereits 1933 entworfen hatte.

«Dieser Stoff ist längst zu einem beliebten Klassiker geworden», sagt die Hobbyschneiderin, die wegen gesundheitlicher Probleme ihre Arbeit als kaufmännische Angestellte aufgeben musste und vor fünfzehn Jahren begann, Westfalenstoffe online zu verkaufen.

Seit drei Jahren hat Heidi Kiener ihren eigenen Laden. Der Verkaufsraum ist lichtdurchflutet, die Frühlingsstoffe in den satten Grün-, Rot-, Blau- und Gelbtönen leuchten, unweit daneben liegen die Rollen mit den sanften Pastelltönen. Im hinteren Teil reihen sich die Gestelle den Wänden entlang. Auf den Tablaren stapeln sich Stoffe in allen Farben: Baumwollstoffe uni, kariert, gemustert, gepunktet, gestreift, Plüsch, Nicki, Leinen und, erst seit ein paar Tagen im Sortiment, Jerseystoffe.

Näht ihre Garderobe selbst

Heidi Kiener war immer schon kreativ tätig, das Nähen begleitet sie seit vielen Jahrzehnten. Als junge Mutter hat sie die ersten Nähkurse besucht, hat ihren Kindern Kleider, Stofftiere, Vorhänge und viele andere Sachen genäht. Bis heute sitzt sie fast täglich an der Nähmaschine, Kurse besucht sie seit Jahren und näht den grössten Teil ihrer Garderobe selbst.

«Damals war auch Patchwork und Quilten hoch im Kurs und auch für diese Arbeiten suchte ich immer nach schönen, harmonischen Baumwollstoffen.»

«Ich war immer auf der Suche nach den schönsten Stoffen, kannte die Westfalenstoffe seit vielen Jahren, hatte aber immer Mühe, die schönen Stoffbahnen in der Nähe zu kaufen», erzählt sie. «Damals war auch Patchwork und Quilten hoch im Kurs und auch für diese Arbeiten suchte ich immer nach schönen, harmonischen Baumwollstoffen.» Irgendwann sei sie zusammen mit ihrem Mann die knapp 700 Kilometer lange Strecke nach Münster gefahren und habe die Firma Westfalenstoffe persönlich besucht. «Es war wunderschön», sagt sie und ihre Augen glänzen. Sie sei so begeistert gewesen, dass sie die Sache mit dem Online-Shop an die Hand nahm und beim Firmeninhaber Johannes-Jürgen Mackenbrock auf offene Ohren stiess und mit viel Support belohnt wurde. «Von Anfang an haben wir sehr gut zusammengearbeitet.»

In der Schweiz biete niemand eine grössere Anzahl von Westfalen Dessins an, zudem verkauft sie ihre Stoffe auch in 45 mal 45 Zentimeter grossen Quadraten, die sich hervorragend eignen für Garnituren, Patchwork- und Dekorationsarbeiten.

Kurse und ein Nähcafé

Mit der Unterstützung ihrer Tochter habe sie zuerst den Online-Shop mit 350 verschiedenen Stoffdessins aus der Westfalenkollektion aufgegleist. In ihrem Zuhause in Dussnang reihten sich die Gestelle mit den Stoffballen. Meist kaufe sie wegen Platzproblemen nur halbe Ballen, doch diese messen auch stolze sechs Meter, schildert sie. Zudem mussten ein richtiger Schneidetisch, ein Packtisch und das entsprechenden Verpackungsmaterial angeschafft werden.

Der Verkauf lief ganz ordentlich, doch von nichts komme auch nichts, gibt sie zu bedenken und erwähnt, dass sie zusammen mit ihrer Tochter mehrmals bereits an Ausstellungen wie der Creativa oder an Gewerbeausstellungen einen Stand hatte, um zu ihrer Kundschaft zu kommen. Heute beliefert sie Näherinnen aus der ganzen Schweiz. Auch seien schon Kundinnen aus dem Wallis oder aus dem Bündnerland bei ihr aufgetaucht.

Ideale Ladenlokalitäten zuerst in Sirnach und später in Wallenwil waren dann auch der Grund, einen eigenen Laden zu eröffnen. Neu eingeführt hat Heidi Kiener das Nähcafé, welches Frauen einlädt, während der normalen Öffnungszeiten bei ihr im Laden zu nähen. Sie bietet Näh- und Overlookmaschinen zum Benutzen an und hilft mit Rat und Tat, auch wenn der Stoff nicht aus ihrem Sortiment stammt.

Weitere Infos unter: www.stoffegge.ch