Kommentar
Ein Stochern im Coronanebel

Der Thurgauer Finanzdirektor Urs Martin hat am Donnerstag das Kantonsbudget für 2021 präsentiert. Zum ersten Mal seit langem werden wieder rote Zahlen geschrieben. Doch die Ungewissheiten sind gross.

Christian Kamm
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Christian Kamm.

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Urs Jaudas

Was für ein verhagelter Einstieg. Kaum im Amt muss der neue Chef des Departements für Finanzen und Soziales bereits die gesundheitspolitischen Herausforderungen der Coronakrise managen. Und jetzt haut das Virus Regierungsrat Urs Martin auch noch den Finanzhaushalt um die Ohren. Nach einer Dekade unter einem sonnigen Thurgauer Finanzhimmel gleich zum Einstand rote Zahlen präsentieren zu müssen, gilt in normalen Zeiten als politische Todsünde. Doch was ist schon normal in Zeiten des grassierenden Kontrollverlustes.

Noch hat der neue Thurgauer Finanzchef keinen Grund zur Panik. Und er hinterlässt auch keineswegs diesen Eindruck. Vielmehr lässt das solide Vermögen, das der Kanton in den guten Zeiten angehäuft hat, weiterhin Raum für eine Politik der ruhigen Hand. Finanzpolitisch hat man sich so in weiser Voraussicht wertvolle Zeit erkauft. Das macht sich in der Krise nun bezahlt. Auch wenn Corona auf Jahre hinaus Gesundheit und Finanzen infizieren sollte: Vor 2023 wird es keinen finanziellen Offenbarungseid mit – zum Beispiel – einem neuen Sparprogramm geben.

Bis dahin kann viel passieren. Wer weiss heute schon, wie es mit der Pandemie morgen weitergeht? Wer kann zuverlässig prognostizieren, wie schnell sich die Wirtschaft erholen wird? So gesehen ist der nun vorliegende Budget-Schreckschuss ein Übergangshaushalt in einer Übergangszeit. Ein Stochern im Coronanebel. Nächstes Jahr um dieselbe Zeit weiss man hoffentlich mehr.

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