«Ein starkes Zeichen setzen»: Thurgauer Kantonsräte fordern eine kantonale Statistik von Gewalttaten gegen Schwule und Lesben

Mit einer Motion wollen fünf Kantonsräte ein Zeichen gegenüber den Thurgauer Behörden setzen, dass sie alles gegen Gewalttaten gegenüber an sexuellen Minderheiten unternehmen, wie auch gegen Gewalttaten allgemein.

Thomas Wunderlin
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Die Statistik soll bei der Ausbildung der Polizei dazu helfen, ein klares Bild der Situation zu vermitteln: Polizeischule Ostschweiz in Amriswil. (Bild: Reto Martin)

Die Statistik soll bei der Ausbildung der Polizei dazu helfen, ein klares Bild der Situation zu vermitteln: Polizeischule Ostschweiz in Amriswil. (Bild: Reto Martin)

Gewalt und Beschimpfungen gegenüber Homosexuellen bleiben oft straflos, beklagen fünf Kantonsräte verschiedener Parteien. Sie fordern deshalb eine Statistik der Aggressionen gegen Schwule, Lesben, Transsexuelle und andere, die unter der englischen Abkürzung LGBTIQ+ subsumiert werden.

Diskriminierung auch im Thurgau

Mit einer am Mittwoch im Grossen Rat eingereichten Motion wollen sie bei den Thurgauer Behörden «ein starkes Zeichen setzen», damit sich der Kanton gegen jegliche Gewalt, auch gegen Angehörige der erwähnten Gruppe, einsetzt.

Der Vorstoss geht auf ein Podium zurück, an der die Motionäre «glaubhaft miterlebt» haben, dass Diskriminierungen dieser Art «im Alltag auch im Thurgau leider vorkommen». Offizielle Statistiken dazu fehlten. Der Europarat habe schon 2014 den Schweizer Behörden geraten, «statistische Daten über rassistische, homophobe oder transphobe Motive von Straftaten» zu erfassen.

Zehn Mal höhere Selbstmordgefahr bei Transsexuellen

Die häufige Straflosigkeit solcher Taten treibe die Opfer in Schweigen, Angst und manchmal in den Selbstmord. Die Motionäre zitieren Zahlen zum letztgenannten Punkt. Bei jungen Lesben, Bisexuellen und Schwulen sei die Gefahr eines Suizidversuchs zwei- bis fünfmal höher als bei Heterosexuellen; bei Trans- und Intersexuellen sogar zehnmal höher.

Die Statistiken sollen ein klares Bild der Lage im Thurgau liefern und helfen, Polizei und Justiz beim Umgang mit Taten dieser Art zu schulen. Die Motion stammt von Reto Ammann (GLP, Kreuzlingen), Karin Bétrisey (GP, Kesswil), Dominik Diezi (CVP, Arbon), Nina Schläfli (SP, Kreuzlingen) und Anders Stokholm (FDP, Frauenfeld).

KRIMINALITÄT: Rückgang an Verbrechen

Im vergangenen Jahr sind weniger Straftaten verübt worden. Eine Zunahme verzeichnen die Betrugsfälle im Internet. Vor Herausforderungen steht die Kantonspolizei aufgrund von Extremismus und Digitalisierung.
Silvan Meile