Schussabgabe in Sirnacher Kebab-Imbiss heizt Gerüchteküche an

Vor über zwei Wochen kam es in einem Kebab-Imbiss zu einer blutigen Auseinandersetzung. Die Kantonspolizei schweigt, die Staatsanwaltschaft gibt sich zugeknöpft.

Olaf Kühne
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Der Eingang zum Sirnacher Kebab-Imbiss Deluxe ist seit dem 3. November amtlich versiegelt. (Bild: Olaf Kühne)

Der Eingang zum Sirnacher Kebab-Imbiss Deluxe ist seit dem 3. November amtlich versiegelt. (Bild: Olaf Kühne)

Die Gerüchteküche brodelt. In Sirnach hat fast jeder etwas gehört, wenige haben auch etwas gesehen. Ort des Geschehens ist der Kebab-Imbiss «Deluxe» am Kirchplatz. Das Lokal nennt sich auch «Shisha Lounge». Seit über zwei Wochen ist es amtlich versiegelt. In der Nacht auf Samstag, 3. November, kam es darin zu einer «körperlichen Auseinandersetzung», wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt.

Augenzeugen, die in derselben Nacht – nach Mitternacht – auf dem Heimweg vom Unterhaltungsabend des TV Sirnach im nahe gelegenen Dreitannensaal waren, berichten von Blutlachen auf dem Boden vor dem Lokal, von einem Polizeigrossaufgebot und von mindestens einer Ambulanz. Ein anderer Sirnacher sah auf seinem Arbeitsweg am Samstag frühmorgens immer noch mehrere Polizisten im Eingangsbereich des Lokals.

Gerüchte über Prostitution und Luxuskarossen

Dies alles war der Kantonspolizei Thurgau keine Meldung wert. Derweil brodelt die Gerüchteküche weiter. Von Prostitution ist die Rede, von Luxuskarossen mit ausserkantonalen Nummernschildern. Und von einem Schuss in der besagten Nacht. Diesen bestätigt auch die Staatsanwaltschaft, es handle sich aber nicht um «einen gezielten Schuss auf eine Person». Diese Formulierung bestätigt ein weiteres Gerücht, das in Sirnach kursiert: Die Polizei soll zwecks Spurensicherung Teile der Decke oder der Wand entfernt haben.

Wohl zum Leidwesen des Liegenschaftenbesitzers, der nicht namentlich in der Zeitung genannt werden will. Er sei an besagtem Samstagmorgen von der Polizei lediglich darüber informiert worden, dass das Lokal versiegelt sei, und er es nicht betreten dürfe. Den Kebab-Imbiss hat er einst selber eingerichtet, später aber verpachtet. Das bereut er nun. «Der Mietvertrag läuft noch zwei Jahre, der Mietzins ist allerdings bezahlt», sagt er. Unglücklich ist er indes auch darüber, wie sich das Lokal entwickelt hat. Wirkte der Kebab-Imbiss mit zwei grossen, offenen Schaufenstern zum Kirchplatz hin einst einladend, hat der aktuelle Pächter die Fenster längst komplett verklebt. Dies werfe ein schlechtes Licht auf die ganze Liegenschaft, ärgert sich der Besitzer. Unzufrieden ist er auch mit der Informationspolitik der Polizei. Er werde im Dorf laufend auf die Ereignisse von vor zwei Wochen angesprochen, weil man ihn kenne, und weil man das Lokal mit ihm in Verbindung bringe. Dabei wisse er auch nicht mehr, als die zahlreichen Gerüchte besagen.

Strafverfahren wegen Körperverletzung eröffnet

Immerhin bestätigt die Staatsanwaltschaft weiter, dass ein Strafverfahren wegen Körperverletzung eröffnet worden sei. In Untersuchungshaft befinde sich niemand. Wie viele Personen verletzt wurden und ob noch jemand im Spital ist, kann oder will man nicht sagen. Und dass das Lokal nach über zwei Wochen immer noch versiegelt ist, hänge mit der komplexen Rekonstruktion des Tathergangs zusammen. Allfällige Ermittlungen wegen weiterer Delikte will man nicht bestätigen. Die Sirnacher Gerüchteküche dürfte also noch eine Weile weiter brodeln.