Ein sanfter Schläger: Schlagzeuger Samir Böhringer aus Lengwil stellt seine neuste CD vor

Der Lengwiler Jazz-Schlagzeuger Samir Böhringer lebt heute von der Musik. Seine neueste CD trägt den Namen «Prometheus».

Stefan Böker
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Samir Böhringer am Schlagzeug

Samir Böhringer am Schlagzeug

(Bild: PD)

«Musik muss nicht perfekt sein», sagt Samir Böhringer. «Aus Verspielern kann sogar etwas Neues, Interessantes entstehen.» Diese Theorie beherzigte er mit seiner Formation «Meta Zero», welche im vergangenen Jahr ihr Débutalbum aufgenommen hat. Zehn Songs, die von Modern bis Free Jazz reichen, sind darauf zu hören.

«Wir haben live im Theater des Frauenfelder Eisenwerks eingespielt», erzählt er. «Das ist nicht einfach, da müssen alle auf Zack sein. Teilweise benötigte es zehn Anläufe für ein Stück.» Am Schluss passierte es dennoch, dass die Auswahl auf einen der ersten Takes fiel. «Wenn dieser das Gefühl einfach besser eingefangen hatte und dynamischer klang», erklärt der 28-Jährige.

Der Sound bleibt kompakt

Zusammen mit dem aus Vevey stammenden Saxofonisten Rafael Schilt sowie den Zürchern Dave Gisler (Gitarre) und Raphael Walser (Bass) war er drei Tage dort. Tontechniker Christoph Utzinger bearbeitete nur Details nach, der Sound blieb kompakt und rau. So wie sich die Band auch auf der Bühne anhört.

Als Jazz-Schlagzeuger ist Böhringer viel unterwegs. Er spielt in der rockigen Jazzband «Trois Imaginaires», gibt den Takt im Konrad Bogen Trio an, sitzt beim Dela Hüttner Swing Thing hinter dem Schlagzeug und ist für den Beat bei «Sphnx» zuständig. «Meta Zero» jedoch ist sein Herzensprojekt. Er selbst schreibt die Songs und organisiert Konzerte.

Bars in Rotlichtbezirken und verrauchte Musikkeller

Im Oktober und November des vergangenen Jahres stellten die Musiker ihre Aufnahme in der Schweiz und in Deutschland vor. Die Tour führte sie durch professionelle Jazz-Lokale, aber auch durch Cocktailbars in Rotlichtbezirken oder verrauchte Musikkeller – nicht immer vor grossem Publikum. «Damit habe ich gerechnet», sagt Böhringer.

«Es ist nicht einfach, als unbekannte Jazz-Band viele Menschen auf das Konzert zu locken.»

Klasse statt Masse ist ihm sowieso lieber. «Wichtig ist, dass die Zuhörer sich auf die Musik einlassen und einen offenen Geist mitbringen. Dann ist auch der Auftritt in einer verrauchten Bar nach einer sechsstündigen Autofahrt eine frische Sache.»

Das neue Album trägt den Namen «Prometheus», der titelgebende Song ist beeinflusst vom Orchesterstück des russischen Komponisten Alexander Skrjabin. Geschliffen haben die Musiker ihren Sound live. Dabei gab es auch schlechte Auftritte, etwa ein desaströses Engagement «in einem Lokal, dessen Namen ich nicht mehr aussprechen will», wie der aus Lengwil stammende Schlagzeuger und Komponist sagt.

Die Band war für drei Tage hintereinander in Berlin gebucht worden. Was zunächst vielversprechend klang, geriet wegen unfreundlichen Veranstaltern, verhaltensauffälligen Jam-Musikern und knapper Gage zum Albtraum. Der letzte Auftritt sei beinahe in Handgreiflichkeiten ausgeartet. Die Band suchte später am Abend Zuflucht in einer Bar, während ein verrückter Trompeter sie verfolgte. Die Kneipe hiess «Roses», und die Geschichte schaffte es in Form des gleichnamigen Songs sogar auf die Platte.

«Die Atmosphäre im Kult-X ist super»

Am Mittwoch sollte es weniger heikel werden. Dann tritt Böhringer mit «Emitime» im Kult-X auf. Über das Kreuzlinger Kulturzentrum sagt er nur lobende Worte. «Ich finde es toll, dass es dort einen Flügel gibt, und der Klang und die Atmosphäre im Raum sind super. Es ist schön, dass in Kreuzlingen vermehrt Jazz-Konzerte stattfinden.»

Bei «Emitime» handelt es sich um eine internationale Gruppe. Die Mitglieder haben sich beim Studienaufenthalt in New York kennen gelernt. «Jeder steuert etwas bei», erklärt Böhringer. «Kurz zuvor proben wir und machen den Feinschliff. Aber auch dann ist nicht alles in Stein gemeisselt.» Denn Jazz muss immer in Bewegung bleiben.

Zur Person

Ein studierter Musiker

Samir Böhringer war Schüler der Rudolf-Steiner-Schule Kreuzlingen und der Musikschule Weinfelden. Er studierte an der Swiss Music Academy (SMA), Musikschule Konservatorium Zürich (MKZ) und an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK). Heute wohnt er in Zürich. (sb)

Hinweis: Am kommenden Mittwoch, 20 Uhr, ist Samir Böhringer mit dem Jazz-Quartett Emitime im Kult-X zu hören.

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