Ein ruhiger Abgang: Der Bichelseer Gemeindepräsident Beat Weibel tritt auf Ende 2020 zurück

Der langjährige Gemeindepräsident von Bichelsee-Balterswil, Beat Weibel, gibt seinen Rücktritt per Ende Jahr bekannt.

Olaf Kühne
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Seit 2009 ist Beat Weibel Gemeindepräsident von Bichelsee-Balterswil, bereits 2003 wurde er in den Gemeinderat gewählt.

Seit 2009 ist Beat Weibel Gemeindepräsident von Bichelsee-Balterswil, bereits 2003 wurde er in den Gemeinderat gewählt.

(Bild: Olaf Kühne)

Beat Weibel denkt in Dekaden. «Ich wurde letztes Jahr 60 Jahre alt», sagt der Gemeindepräsident von Bichelsee-Balterswil, «und habe dabei auf die letzten 20 Jahre zurückgeschaut – und mir auch Gedanken gemacht über den kommenden Lebensabschnitt, also 60 bis 80.» So sei denn auch ein Rücktritt zum Thema geworden und schliesslich «familienintern ausführlich besprochen» worden.

«Guido Grütter hat mich inspiriert.»

Tritt der bald 61-jährige Weibel nun also altershalber zurück, auf Ende des laufenden Jahres, gab der 63-jährige Münchwiler Gemeindepräsident Guido Grütter vor wenigen Monaten seinen Rücktritt unter anderem wegen persönlicher Angriffe bekannt. Eine ganz andere Situation also. Und dennoch sagt Beat Weibel: «Guido Grütter hat mich inspiriert, indem er damals sagte: ‹Ich darf müssen, ich muss nicht müssen.›»

Der Zeitpunkt sei deshalb jetzt richtig, auch wenn Weibel nicht von Pensionierung reden mag. «Das Pensionsalter erreiche ich ja erst mit 65», sagt er und lacht. Er könne sich deshalb auch sehr gut vorstellen, künftig noch «einzelne Mandate oder Funktionen» auszuüben, konkrete Pläne diesbezüglich hege er aber noch nicht. Mit dem richtigen Zeitpunkt meint Weibel indes nicht nur sein Alter. Vielmehr stehe die Bichelseer Gemeindeverwaltung vor einer grundlegenden Weiterentwicklung. «Wir sind weit und breit die einzige Gemeinde ohne Gemeindeschreiber», erklärt er. Ob sich das künftig ändern werde, entscheide noch in diesem Jahr der Gemeinderat. «Wir haben es personell und administrativ aufgegleist, in Stein gemeisselt ist aber noch nichts.»

Der logische nächste Schritt einer Verwaltungsentwicklung wäre dann das sogenannte Geschäftsleitungsmodell, wie es beispielsweise Sirnach und Fischingen bereits kennen. «Ein solcher Entscheid ist dann aber definitiv Sache meiner Nachfolgerin oder meines Nachfolgers respektive des künftig neu zusammengesetzten Gemeinderates.»

«Es wäre falsch, wenn ich das noch durchboxen würde.»

Wie auch ein weiteres anstehendes Grossprojekt: der neue kommunale Werkhof. Der diesbezügliche Planungskredit stehe im Budget 2021, ebenso laufe bereits die Vorselektion für einen möglichen Standort. Weitere elementare Entscheide über das Vorhaben, so die Frage, ob der Bau dereinst auch das Feuerwehrdepot und gar die Gemeindeverwaltung beherbergen wird, seien aber genauso bei seiner Nachfolge besser aufgehoben. «Es wäre falsch, wenn ich das noch durchboxen würde.»

Nach elf Jahren als Gemeindepräsident und gar 17 Jahren im Gemeinderat antwortet Weibel auf die Frage nach dem Höhepunkt in dieser langen Zeit spontan: «Das Schwager-Erbe!» Ein Bichelseer Bürger, der niemals dort gelebt hatte, vermachte der Gemeinde drei Millionen Franken. Wie Weibel und sein Vize damals durch Zürich von Bankschliessfach zu Bankschliessfach zogen und im strömenden Regen schliesslich vollbepackt mit Aktien und Goldmünzen in Papiertaschen heimkehrten, bleibe unvergessen. Wohl auch in den kommenden Dekaden.

Eine Million ist noch vorhanden

Den Grossteil des Schwager-Erbes haben die Stimmbürger von Bichelsee-Balterswil schon für Alterswohnungen ausgegeben. Nun werden Pläne über die Verwendung des restlichen Vermögens konkreter.
Olaf Kühne