«Ein Quartier im Quartier, ohne Inselbildung und mit Gemeinschaftsräumen»: Frauenfelder Mehrgenerationensiedlung erhält mit dem Siegerprojekt Konturen

Für 50 Millionen Franken entsteht im Frauenfelder Kurzdorf eine Mehrgenerationensiedlung mit 100 Wohnungen. Jetzt konkretisiert sich das Projekt, mit einem Einblick in die Pläne der siegreichen Architekten und mit Expertisen von Fachleuten.

Samuel Koch
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Die Visualisierung zeigt den Begegnungsraum zwischen den vier Gebäudekomplexen.

Die Visualisierung zeigt den Begegnungsraum zwischen den vier Gebäudekomplexen.

Bild: PD/Müller Mantel Architekten/Stefanie Scherer Architektur

Noch wächst eine grüne Wiese an Sonnenhof- und Burgerholzstrasse. Schon bald aber entsteht dort im Kurzdorf das Projekt «Generation Wohnen Burgerholz» der Heimstättengenossenschaft Winterthur (HGW). Auf den rund 10'500 Quadratmeter grossen Parzellen der Stadt und der Primarschulgemeinde sollen total 100 Einheiten für altersdurchmischtes Wohnen entstehen.

«Geht alles nach Plan, kann der Bau im Jahr 2023 starten», sagt Stefan Zollinger, Bereichsleiter Bau und Planung bei der HGW. Das Investitionsvolumen liegt bei grob geschätzt 50 Millionen Franken, die HGW soll das Land von den Behörden im Baurecht erhalten.

Vogelsperspektive auf den Plan des Siegerprojekts.

Vogelsperspektive auf den Plan des Siegerprojekts.

Bild: PD

Seit kurzem ist das Siegerprojekt bekannt. Deshalb stellt die HGW derzeit die Pläne aller Projekte aus der Präqualifikation in der Konvikthalle aus. Mit Schutzmaske und genügend Sicherheitsabstand hat sich am Mittwochnachmittag auch der Grossteil des Stadtrates vor Ort ein Bild gemacht. Stadtbaumeister Christof Helbling würdigt das Projekt mit dem französischen Namen Enfilade, einem architektonischen Begriff zur Erschliessung von Räumen:

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld.

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder
«Die Sieger haben alles invers angeordnet.»

So entstehen zwischen den vier länglichen Gebäuden Orte der Begegnung, Privates ist nach aussen gerichtet. Das Füdli nach aussen quasi, das Gesicht nach innen, wie Helbling ergänzt.

Quartier im Quartier, ohne Inselbildung

Das Siegerprojekt bettet sich gut in die Stadt ein. «Die Häuser sind so errichtet, dass sie ans Quartier und an den Robinsonspielplatz angeschlossen sind», sagt Helbling. «Ein Quartier im Quartier, ohne Inselbildung und mit Gemeinschaftsräumen, wo man sich treffen kann», sagt Sabine Binder, Bereichsleiterin Genossenschaftliches bei der HGW. Mit solchen Grossprojekten ist die HGW bestens vertraut.

Diese Visualisierung zeigt einen geplanten Gemeinschaftsraum.

Diese Visualisierung zeigt einen geplanten Gemeinschaftsraum.

Bild: Andrea Stalder

Erstmals überhaupt aber liess sie in Frauenfeld die Bevölkerung partizipieren. Binder sagt:

«Es gab auch klare Wünsche, dass preisgünstige Wohnungen in unterschiedlichen Grössen entstehen.»

Den Anforderungen trage das Siegerprojekt von Müller Mantel Architekten/Stefanie Scherer Architektur mit Andreas Geser Landschaftsarchitekten (alle aus Zürich) und Alex Willener (Soziologie) aus Luzern am besten Rechnung. Zur Müller Mantel Architekten AG gehört auch die Frauenfelderin Barbara Müller.

Architekten um Barbara Müller (blauer Pullover) studieren die verschiedenen Pläne.

Architekten um Barbara Müller (blauer Pullover) studieren die verschiedenen Pläne.

Bild: Andrea Stalder

Überhaupt erst ins Rollen kam «Generation Wohnen Burgerholz» auf Initiative von «Älter werden im Quartier» (Awiq), um Menschen ein zufriedenes Älterwerden möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. «Aber das Projekt ist nicht nur für Ältere, sondern eben altersdurchmischt», sagt Zollinger. Laut den HGW-Verantwortlichen dient Frauenfeld als Pionierprojekt. «Es ist gut vorstellbar, dass wir das bald anderswo wieder so umsetzen.»

Gemeinderat entscheidet über Baurechtsvertrag

Im Steuerungsausschuss sitzen nebst Stadtbaumeister Helbling und Stadtrat Andreas Elliker unter anderem auch drei Vertreter aus der Bevölkerung. «Das ist ein spannendes und lebendiges Projekt», sagt Elliker. Stadtpräsident Anders Stokholm freut sich über eine baldige Bereicherung fürs Quartier. Er sagt:

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Bild: Reto Martin
«Das Siegerprojekt ist architektonisch hochqualitativ und ein Vorbild für andere Bauten in der Stadt.»

Über den vom Stadtrat bereits unterzeichneten Baurechtsvertrag entscheidet schliesslich der Gemeinderat. Bei der HGW heisst es: «Der Stadtrat wollte dem Gemeinderat keinen Vertrag ohne konkretes Projekt vorlegen.»