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Serie

Ein Paradies voller Geschichten mitten in Frauenfeld

Sommerserie «Jemand zu Hause» (3): Seit 1965 wohnen Heidi und Heinrich Früh an der Spannerstrasse - in einem Haus mit beeindruckendem Garten
Stefan Hilzinger
Heidi und Heinrich Früh begutachten in ihrem Garten eine Calla, auch Drachenwurz genannt. (Bilder: Reto Martin)

Heidi und Heinrich Früh begutachten in ihrem Garten eine Calla, auch Drachenwurz genannt. (Bilder: Reto Martin)

Diesen Samstag ist es wohl wieder soweit. «Di jöhrlich Ströfzgi...», sagt Heinrich Früh mit Schalk in der Stimme und in den Augen: Die zu einer Kugel geschnittene Eibe muss in Form gebracht werden. Doch die Arbeit auf der Leiter und mit Heckenschere ist für Heinrich Früh und seine Frau Heidi weniger Strafe als Herzenssache. Wie überhaupt alles, was die beiden 83-Jährigen in ihrem Garten hinter dem Wohnhaus an der Spannerstrasse hegen und pflegen: Oleander, Rhododendren, Drachenwurz, Rosen. Ein mächtiger Tulpenbaum überragt alles. Daneben zwei Apfelbäume, Lärchen und Föhren.

Fachliteratur mit Keramik-Büsi im Büchergestell in der Stube.

Fachliteratur mit Keramik-Büsi im Büchergestell in der Stube.

Als das junge Ehepaar Früh hier 1965 einzog, dominierten Gemüsebeete und Obstbäume. «Es gab gerade mal zwei Blumenbeete», berichtet Heidi Früh. In zwei Hochbeeten ziehen sie zwar heute weiterhin Salate und Feingemüse, doch der Grossteil des weitläufigen Umschwungs dient mehr dem Augentrost als dem Gaumenschmaus. Und das gibt zu tun, viel zu tun. «Solange wir noch können, wollen wir hier wohnen bleiben und zum Garten schauen», sagen sie. Und die beiden machen den Eindruck, dass dies noch manche Jahre so sein wird.

Die Schwester des Mannes stellt den Kontakt her

Ihre Liebe zum Garten hat Heidi Früh in jungen Jahren entdeckt – und das Jahr als Au-pair-Mädchen im gartenverrückten England tat das seine. Sie ist in Kilchberg am Zürichsee aufgewachsen. Als sie Anfang der 1960er-Jahre als Sekretärin in der Zentralbibliothek (ZB) in Zürich arbeitete, lernte sie Margrit Früh kennen. Die Frauenfelder Kunsthistorikerin arbeitete damals auch in der ZB und ist Heinrichs Schwester. «Sie machte uns miteinander bekannt», sagt Heidi Früh.

Im Haus an der Spannerstrasse wohnte damals noch die Grossmutter von Heinrich Früh. «Der Garten gefiel mir von Anfang an», sagt Heidi Früh. Aber sie sei denn schon des Mannes wegen in den Thurgau gezogen, stellt sie mit einem Lachen klar. Nach der Verlobung 1964 folgte im Jahr darauf die Heirat und der Einzug in das Haus, wo sie heute noch wohnen. Heidi Früh sagt:

«Es war eine turbulente Zeit. Mein Schwiegervater war überraschend gestorben, und es musste entschieden werden, wie es mit der Firma weitergeht.»

Die Firma, das war die Fensterbaufirma Früh von Vater und Onkel, in der Heinrich Früh schon seit einigen Jahren tätig war. «Wir waren grad daran, das Betondach des Neubaus zu betonieren, als Vater starb», sagt Heinrich Früh, gelernter Fensterbauer.

Die Hölle an der Murgstrasse

Er sagt, er sei in der «Höll» aufgewachsen, an der Murgstrasse unterhalb der Post. «Bis zum Bezug des Neubaus an der Zürcherstrasse 333 befand sich die Werkstatt dort in einem Keller.» Mit knapp Dreissig übernahm er also nach dem Tod des Vaters die Leitung der neugegründeten Familien-AG. Heidi Früh kümmerte sich ums Büro, um Offerten, Rechnungen oder Lohnbuchhaltung – «und anfänglich zu Dreivierteln um den Garten».

Historische Aufnahme der «Höll», unterhalb der Frauenfelder Hauptpost, wo Heinrich Früh aufwuchs, als Wandschmuck.

Historische Aufnahme der «Höll», unterhalb der Frauenfelder Hauptpost, wo Heinrich Früh aufwuchs, als Wandschmuck.

Nachdem klar wurde, dass keiner der beiden Söhne die Fensterfabrik übernehmen werde, planten Heidi und Heinrich Früh ihren Rückzug aus dem Geschäft. «Wir wollten vor 65 aufhören», sagt sie. 1998, mit 62, war es schliesslich so weit. Die Firma wurde aufgelöst, das Gebäude verkauft.

Buchs- und Eibenkugeln im Vorgarten.

Buchs- und Eibenkugeln im Vorgarten.

Geblieben ist als Lebensaufgabe ihr Paradies an der Spannerstrasse voller Geschichten und Erinnerungen. Etwa an die Zeit, als sie im Verkehrsverein aktiv war und Mitte der 1980er-Jahr mitgeholfen hatte, den ersten Frauenfelder Ferienpass auf die Beine zu stellen. Oder als er als Vorstandsmitglied der Schweizer Fenster- und Fassadenbauer nach dem Ölschock 1973 daran beteiligt war, besser isolierte Fenster zu entwickeln. Heidi Früh sagt:

«Ein Wunder, was wir alles machten im Leben, und dass wir dabei so gesund bleiben durften.»

Und ihr Mann fügt an: «Die Arbeit im Garten war und ist immer auch ein Stück Therapie.»

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